Mordfall Nelli Graf: Ermittler jagen den Täter weiter

Heute vor neun Jahren wurde Nelli Graf (46) entführt und ermordet. Das Verbrechen ist bisher nicht aufgeklärt. Doch neueste kriminaltechnische Untersuchungsmethoden erhöhen zumindest die Chance, dass der Mörder doch noch gefasst wird. Irgendwann.

Nicole Donath

Der Leichenfundort von Nelli Graf in Kölkebeck. - © Nicole Donath
Der Leichenfundort von Nelli Graf in Kölkebeck. (© Nicole Donath)

Halle. Mit 900 „Cold Cases" hatte das Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf Anfang 2018 kalkuliert, als die neue Datenbank aufgebaut wurde. Mittlerweile sind es etwa 1.100 Kapitalverbrechen, die auch nach einem Jahr nicht aufgeklärt werden konnten und deshalb noch einmal geprüft werden sollen. Eines von ihnen ist der ungeklärte Mord an Nelli Graf.

Es war am 14. Oktober 2011, als Nelli Graf als vermisst gemeldet wurde. Zwei Tage später fanden Pilzsucher ihr Fahrrad in einem Wäldchen an der Haller Hachhowe. Am 9. Februar 2012 entdeckte ein Landwirt in Kölkebeck schließlich ihre Leiche. Die sterblichen Überreste der damals 46-jährigen Mutter dreier Kinder lagen in einer Senke zwischen Feld und Waldstück am Kölkenweg versteckt. Augen und Mund waren mit Panzerband verklebt, die Hände mit Kabelbindern gefesselt, der Körper von zahlreichen Stichverletzungen übersät.

Das Mordopfer Nelli Graf (46), Ehefrau und Mutter dreier Kinder. - © Nicole Donath
Das Mordopfer Nelli Graf (46), Ehefrau und Mutter dreier Kinder. (© Nicole Donath)

„Tötungsdelikt wird einer Neubetrachtung unterzogen"

Als Nelli Graf nach einer Trauerfeier mit mehreren hundert Menschen beigesetzt wurde, war die Anteilnahme enorm und die Zahl der letzten Blumengrüße hoch. - © Nicole Donath
Als Nelli Graf nach einer Trauerfeier mit mehreren hundert Menschen beigesetzt wurde, war die Anteilnahme enorm und die Zahl der letzten Blumengrüße hoch. (© Nicole Donath)

Der oder die Täter wurde(n) bis heute nicht gefunden, obwohl Kriminalhauptkommissar Ralf Östermann und seine Mordkommission »Ahorn« ebenso wie die zuständige Staatsanwaltschaft Bielefeld damals über Monate intensiv ermittelten und dabei Hunderte von Spuren verfolgten. Sogar ein Massengentest wurde initiiert und Rudi Cerne nahm den Fall in seiner Sendung »Aktenzeichen XY... ungelöst« auf – ohne Erfolg.

Und heute? „Das ungeklärte Tötungsdelikt Nelli Graf wird derzeit durch das Fachkommissariat zur Bekämpfung von Tötungsdelikten des Polizeipräsidiums Bielefeld und der Operativen Fallanalyse (OFA) des LKA Nordrhein-Westfalen einer Neubetrachtung unterzogen", erklärt Frank Scheulen, Pressesprecher des LKA Düsseldorf, auf die Frage, ob es mittlerweile neue Erkenntnisse gebe. Von einem konkreten Ermittlungserfolg ist bisher allerdings nicht die Rede, das bestätigt auch Hella Christoph, Sprecherin des Polizeipräsidiums Bielefeld.

„Es existiert keine Cold-Cases-Unit"

Weil sich die Kriminaltechnik ständig weiterentwickele, gebe man die Hoffnung allerdings nicht auf, bekräftigt Hella Christoph. „Nur ein Beispiel", so Frank Scheulen, als die Datenbank eingerichtet wurde: „Noch Ende der 1990er Jahre musste ein Blutfleck etwa die Größe eines Ein- bis Zwei-Euro-Stücks haben, um eine DNA-Analyse durchführen zu können, heute reichen wenige Körperzellen. Auch Kleidungsstücke, sogar Jahrzehnte alt, können mittlerweile mit Hilfe modernster Methoden noch erfolgreich auf Spuren hin untersucht werden."

Ob seit dem Aufbau der Cold-Cases-Datenbank schon ein Fall gelöst wurde? „Die Ermittlungen sind in einer Vielzahl von Fällen wieder aufgenommen worden", sagt Scheulen. Es handele sich allerdings um „laufende Ermittlungsverfahren", zu denen aus „ermittlungstaktischen Gründen" keine weiteren Angaben gemacht werden könnten. Aber so viel: „Die Klärung des Mordfalls Wilfried Kalitz nach 24 Jahren ist der letzte Fall, der aufgrund der Cold-Cases-Aufbereitungen geklärt werden konnte." Konkret ging es hier um einen Mann aus Würselen, von dem die Familie dachte, dass der sich aufgrund von Schulden abgesetzt hatte. Tatsächlich wurde jetzt ein Mann aus dem Raum Aachen festgenommen, der Kalitz in dessen damaliger Werkstatt in Würselen grausam und aus Habgier ermordet haben soll.

„Es existiert keine Cold-Cases-Unit", fährt Frank Scheulen dann fort, „es wird nicht von Düsseldorf aus ermittelt. Die Ermittlungen zu Cold Cases mit Aufklärungspotenzialen obliegen den Mordermittlern der zuständigen Kriminalhauptstellen und Polizeipräsidien." Düsseldorf unterstütze die Ermittlungen durch Operative Fallanalysen und daraus resultierenden Ermittlungsansätzen. Dabei fällt sein Zwischenfazit „positiv" aus: „In früheren Jahren standen den Mordermittlern die heutigen Ermittlungs- und kriminaltechnischen Untersuchungsmethoden nicht zur Verfügung."

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