Grünes Licht für Storcks Wasserpläne

Heiko Kaiser

140 Gäste wollten als Zuschauer des Umweltausschusses miterleben, wie sich die Politik zu den Storck-Plänen zur Wassergewinnung und Laibach-Verlegung stellt. - © Heiko Kaiser
140 Gäste wollten als Zuschauer des Umweltausschusses miterleben, wie sich die Politik zu den Storck-Plänen zur Wassergewinnung und Laibach-Verlegung stellt. (© Heiko Kaiser)
Um was geht es?

Zur Sicherstellung des Wasserbedarfs beantragt die August Storck KG zum einen, die bestehenden Wasserförderungsrechte um 100.000 Kubikmeter pro Jahr auf 550.000 Kubikmeter zu erhöhen und zum anderen, die Eigenentnahme durch einen Neubrunnen südlich der A 33 um 75.000 Kubikmeter zu erweitern.

Wer entscheidet darüber?

Der Kreis Gütersloh als untere Wasserbehörde entscheidet über den Antrag. Die Stadt Halle gibt lediglich eine Stellungnahme ab, deren Wortlaut der Umweltausschuss beschließen muss. Weitere Stellungnahmen erfolgen unter anderem durch Gutachter und Umweltverbände.

Was sagt Storck?

Weil die Ausbringung sich in den vergangenen Jahren verdoppelt hat, ist auch der Wasserbedarf im Produktionsprozess gestiegen. 2019 überstieg der Verbrauch die Förderrechte um etwa 100.000 Kubikmeter. Dieses Wasser wurde von der TWO bezogen. Storck erklärt, durch Einsparmaßnahmen, habe man die jährliche Frischwassermenge pro Tonne produzierter Ware in den vergangenen Jahren von acht auf drei Kubikmeter reduziert. Man sei dabei, besonders im Kälteprozess weitere Einsparungen zu erzielen.

Was sagen die Gutachter?

Hydrogeologe Frank Schmidt, hat das Gutachten im Auftrag der Firma Storck erstellt. Er erklärt, es bestünde keine Gefahr, dass eine Wasserentnahme die oberen Grundwasserbestände gefährde. Denn eine mächtige Geschiebemergelschicht trenne den oberen vom unterem Grundwasserkörper, aus dem das der Wasser gefördert würde. Der vom BUND beauftragte Hydrogeologe Dr. Dirk Brehm vertritt eine völlig andere Auffassung. Er wirft Schmidt Modellfehler vor und zweifelt unter anderem die zugrunde gelegten Berechnungen zur Neuwassergewinnung an. Er gibt der Besorgnis Ausdruck, dass eine zusätzliche Wasserentnahme massive Auswirkungen haben könnte.

Fragen der Gäste

Sie wollen vor allem wissen, woher das Wasser kommt, um den unteren Grundwasserkörper wieder aufzufüllen. Die entsprechenden Zweifel versucht Schmidt durch den Verweis auf jahrelange Messergebnisse auszuräumen.

Das sagt der Ausschuss

Wolfgang Bölling (SPD) betont, man unterstütze ausdrücklich die langfristigen Planungen von Storck. Eine davon unabhängige Frage sei die Förderung von Wasser, das Storck jetzt bereits benötige. „Wenn sie kein eigenes Wasser fördern dürfen, dann bekommen sie es von der TWO", macht Bölling klar. Man erwarte jedoch, dass die Firma wassersparende Maßnahmen ergreife. Er verteidigt ausdrücklich den Gutachter Frank Schmidt.

„Wir haben keine Bedenken und keinen Vertrauensverlust gegenüber den Verantwortlichen der Firma Storck und vertrauen auch dem Gutachter", erklärt auch Bürgermeisterkandidat Thomas Tappe (CDU). Die berechtigten Bedenken seien bereits in der Stellungnahme der Stadt ausreichend formuliert.

Dr. Kirsten Witte (Grüne) betont, dass sie dafür stimme, wenn es darum gehe, der Firma Storck Entwicklungsmöglichkeiten am eigenen Standort einzuräumen. Hinsichtlich der Stellungnahme gegenüber dem Kreis Gütersloh in puncto Ausdehnung der Wasserrechte habe sie jedoch nicht den Eindruck, dass es keine Zweifel gebe, wie es die Verwaltung formuliert habe.

Diese Zweifel formulieren die Grünen schließlich, indem sie den Beschlussvorschlag der Vorlage Satz für Satz verändern. Ihr Antrag, erhebliche Bedenken gegen die Vorhaben anzumelden, wird gegen die Stimmen von SPD, CDU und UWG ebenso abgelehnt, wie weitere verschärfende Forderungen. Darunter der Antrag, die Firma Storck sei zu verpflichten, zunächst wassersparende Maßnahmen zu ergreifen.

Einstimmig angenommen wird hingegen die Anregung, ein regelmäßiges Monitoring solle dafür sorgen, dass es nicht zu vegetationsschädigenden Grundwasserabsenkungen und schädlichen Beeinträchtigungen der Hausbrunnen kommt. Karl-Heinz Wöstmann (UWG) stimmt zudem gegen SPD und CDU mit den Grünen in der Forderung, die Bedenken und Stellungnahmen der Naturschutzverbände in Hinblick auf Methodik und Annahmen im Gutachten sollten durch eine fachkundige neutrale Instanz bewertet werden.

„Das ist sowieso Teil des Verfahrens und damit überflüssig", sagt Thomas Tappe. „Das sind deutsche Beamte, und die tun das sowieso", ergänzt Wolfgang Bölling und fügt hinzu: „Wir könnten hier auch beschließen, dass morgen Mittwoch ist. Morgen ist aber sowieso Mittwoch."

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