Lastwagen-Karawane: Mit Käfern befallenes Holz kommt jetzt nach China

Eine Lastwagenkarawane lädt im Landeswald im Hesseltal und an der Ravensburg über 2.500 Festmeter Fichtenstammholz. Dabei gibt es auch Probleme.

Herbert Gontek

Rund 60 Container werden in drei Tagen im Landeswald zwischen Halle und Borgholzhausen mit gefällten Fichten für den chinesischen Markt beladen. Im Hesseltal stauen sich deshalb Containerfahrzeuge vor dem Hermannsweg. - © Herbert Gontek
Rund 60 Container werden in drei Tagen im Landeswald zwischen Halle und Borgholzhausen mit gefällten Fichten für den chinesischen Markt beladen. Im Hesseltal stauen sich deshalb Containerfahrzeuge vor dem Hermannsweg. (© Herbert Gontek)

Halle/Borgholzhausen. Lange Schlangen von Containeraufliegern behinderten seit Mittwoch den Verkehr im Hesseltal. Ein Haller Bürger sagte dem Haller Kreisblatt, dass er selbst mit einem Motorroller kaum an den Lkw vorbeigekommen sei. Doch die Trucker stehen eben an, um das käferbefallene und gefällte Fichtenholz abzuholen. „Zwischen 65 und 70 Container werden es wohl werden", schätzt ein Mitarbeiter im Forst, und am Freitagabend sollten die Arbeiten abgeschlossen sein.

Österreicher räumen im Wald auf

Käufer ist der Holzgroßhändler Klade aus dem österreichischen Wolfsberg. Das Unternehmen kauft gegenwärtig in ganz Deutschland Stammholz mit Käferbefall für den chineschischen Markt auf. Vor gut vier Wochen begann der ebenfalls aus Österreich stammenden Holzfällunternehmer Christian Offner, mit seinem Harvester die kranken Bäume zu fällen. Entlang des Hermannsweges sind alle befallenen Fichten inzwischen ebenso wie auf dem Rundwanderweg vom Forsthaus zur Schutzhütte und dann wieder zurück in Richtung Schutzhütte aufgearbeitet worden.

Die bei den Fällarbeiten gewonnenen Stämme von 11,80 Metern haben genau die Länge eines Containers. Mit dem Forstgreifer eines Holzladewagens wird das Stammholz in den Container geschoben. Entscheidend für die geladene Menge des Holzes ist dessen Trockengehalt. Ein Lastwagenfahrer erläutert: „Von trockenem Fichtenholz kann ich 40 Festmeter laden, ohne das Gefährt zu überladen. Bei noch frischer und nasser Fichte ist der volle Container schnell mehr als fünf Tonnen zu schwer."

Dass beides nicht passiert, dafür sorgen die Lademeister von Klade. Die Stapel werden entsprechend gemischt, die Bordwaagen des Lastwagens zeigen die Grenzen an.

Sowieso: Die Aktion ist von den Klade-Mitarbeitern perfekt organisiert. Mit zwei Ladefahrzeugen werden parallel meist beide Container beladen. Das dauert rund 30 Minuten. Dann machen sich die Fahrer auf den Weg zum Duisburger Hafen, wo das Holz chemisch gegen möglichen Restkäferbefall behandelt wird.

Mit einer Staubfahne den Berg hinauf

Obwohl die Waldwege derzeit gut trocken sind, machen die argen Steigungen den Truckern zu schaffen. Wer die Getriebesperren nicht ausschaltet und entschlossen auf dem Gas steht, bleibt hängen, musste von Rückgerät der Holzfäller wieder hochgezogen werden. Daraus haben die Fahrer allerdings gelernt und ziehen mit einer riesigen Staubfahne den Berg hoch zur Schutzhütte. Dort werden die Fahrzeuge gewendet und auf der Talfahrt beladen. Wer zwischen Schutzhütte und altes Forsthaus lädt, verlässt den Wald in Richtung Borgholzhausen – es geht vorbei am Wasserwerk.

Die Holzfäller werden noch etwa einen Monat lang zu tun haben, danach dürften die meistern Fichten im Staatswald verschwunden – und in Fernost gelandet sein.

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