Klimaschützer warnen im Storck-Wald vor der Zerstörung

Das Bündnis „Fridays For Future“ im Altkreis hatte zu zwei Spaziergängen durch das Gebiet geladen, das der Erweiterung weichen wird. Die Resonanz ist riesig. Und die Befürchtungen bleiben groß.

Marc Uthmann

Hartmut Lüker vom BUND erklärt den Teilnehmern der Fridays-For-Future-Aktion, welche Eingriffe Storck plant. Fotos: Fridays for future - © Fridays for future
Hartmut Lüker vom BUND erklärt den Teilnehmern der Fridays-For-Future-Aktion, welche Eingriffe Storck plant. Fotos: Fridays for future (© Fridays for future)

Halle. Insgesamt 60 Interessierte wollen Sonntag bei den beiden Terminen dabei sein, um sich von Hartmut Lüker (BUND) und Förster Aloys Tenkhoff informieren zu lassen. „Es gibt immer noch eine Warteliste für einen weiteren Termin", berichtet Tobias Rüter von FFF.

Zwei Stunden sind die Referenten mit ihren Zuhörern unterwegs, zeigen den ökologisch noch intakten Wald und sprechen über die Veränderungen, welche die viel diskutierte Erweiterung von Storck mit sich bringen wird. „Wir sehen die Erweiterung und die damit verbundene Zerstörung von sieben Hektar Wald sowie die Trockenlegung von zwei Teichen sehr kritisch und fordern Storck sowie alle politischen Entscheidungsträger auf, ihr Denken in der Flächenverbrauchspolitik zu verändern", bilanziert Tobias Rüter. Fridays For Future Altkreis Halle werde sich demnächst noch ausführlicher positionieren und weitere Aktionen zum Thema Storck organisieren, kündigt Rüter an.

Die Teiche sollen verfüllt werden und fallen als Habitat weg. - © Fridays for future
Die Teiche sollen verfüllt werden und fallen als Habitat weg. (© Fridays for future)

Auch für Hartmut Lüker vom BUND ist der Spaziergang ein Erfolg. „Die Menschen sind dankbar, wenn sie Informationen dort bekommen, wo sich die Veränderungen abspielen werden. Dann wissen sie, wie es in der Realität aussieht." Die Naturschutzverbände hätten aktuell das Problem, sich mit vier Verfahren parallel auseinandersetzen zu müssen: dem Bebauungsplan, dem Flächennutzungsplan, dem wasserrechtlichen Verfahren sowie der Verlegung des Laibachs. Das Thema Wasser spielte darum beim Spaziergang nur eine Nebenrolle, hier will der BUND bald explizit Position beziehen.

Auch ohne Wasser gibt es für Hartmut Lüker einige Punkte, bei denen er den Finger in die Wunde legen möchte, das macht er den Spaziergängern Sonntag deutlich. „Ursprünglich war hier mal von 16,5 Hektar die Rede, jetzt umfasst der Bebauungsplan 26 Hektar. Und auch wenn darin vier Hektar aus einem alten Bebauungsplan enthalten sind, so bedeutet das einen deutlichen Zuwachs. Schon jetzt sind 40 Hektar versiegelt, in Zukunft wird es mehr als ein halber Quadratkilometer sein", so Lüker. Und dabei werde nicht einmal darüber nachgedacht, vorhandene Parkflächen zu überbauen, obwohl ein neues Parkhaus zwischen Bahndamm und Margarethe-Windthorst-Straße entstehen solle. „Stattdessen geht man in den Wald und macht ihn platt." Bei den Parkhaus-Plänen handele es sich zudem nur um „Willensbekundungen", denn „im Bebauungsplan steht das nicht".

„Wenn man genau hinschaut, sehen die Dinge anders aus"

Für Lüker steht fest, dass im Zuge der Laibach-Verlegung durch die Verfüllung der beiden Teiche „das verbliebene Habitat von Amphibien kaputt gemacht wird". Auch wenn man einen Wald abholze, zerstöre man letztlich Lebensräume. „Wir können Tiere ja nicht einfach südlich der A 33 ansiedeln." Generell mangele es an Ausgleichsflächen, hinzu komme, dass „ein neu angepflanzter Wald mit 80 Zentimeter hohen Bäumchen die Funktion eines intakten Laubwaldes erst in 50 bis 60 Jahren erfüllen kann", so Lüker. „Die Naturschutzverbände müssen bei der Kompensation jetzt mit einbezogen werden. So ist es beim Regionalrat der Bezirksregierung Detmold ja auch festgelegt worden. Bisher haben wir aber nichts gehört", sagt Hartmut Lüker und warnt: „Vieles hört sich beim Thema Ausgleich oberflächlich schön an, aber wenn man genau hinschaut, sehen die Dinge anders aus."

Die Spaziergänger hören zu und schauen sich um. - © Fridays for Future
Die Spaziergänger hören zu und schauen sich um. (© Fridays for Future)

Damit spricht Lüker dem pensionierten Förster Aloys Tenkhoff aus der Seele: „Mich hat sehr befremdet, dass der Haller Stadtwald jetzt so in die Planungen einbezogen wird." Ursprünglich sei von einer „kleinen Parzelle" die Rede gewesen, „jetzt wird der Baumbestand auf fast einem Hektar parallel zum Steinhauser Weg aufgerissen, um den Laibach dort hindurch zu führen". Dabei, so Tenkhoff, gebe es dort einen Buchenbestand und zehn weitere Arten mit bis zu 200 Jahre alten Bäumen. „Durch die Maßnahmen entsteht eine offene Flanke für Sturm und Sonne. Rindenbrand kann die empfindlichen Buchen zerstören, weil der schützende Waldmantel verschwindet."

Es sei unter dem Strich „unverhältnismäßig, diesen Wald mit unter anderem 40 Brutvogelarten zu roden", schlussfolgert Tenkhoff: „Das ist kein gnadenloser Holzacker, der hier plattgemacht wird, sondern ein wertvolles Biotop."

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