Klage gegen Storck: Warum die Nimm2-Verpackungen verändert werden müssen

„Gefüllte Fruchtbonbons mit Vitaminen“ – so beschreibt das ursprünglich aus OWL kommende Unternehmen die süß-saure Nascherei. Ein Gericht urteilte jetzt aber, dass auf der Tüte der Bonbons etwas verändert werden muss.

Lieselotte Hasselhoff

Ein Gericht urteilte: Storck muss die Verpackung der Nimm2-Bonbons verändern. - © Pixabay
Ein Gericht urteilte: Storck muss die Verpackung der Nimm2-Bonbons verändern. (© Pixabay)

Berlin. Es gibt sie mit Orangen- oder Zitronengeschmack und sie werden damit beworben, dass sie Vitamine enthalten. Der hohe Zuckergehalt der Nimm2-Bonbons wird dabei fast zur Nebensache. Deshalb klagte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) vor Gericht gegen das Herstellerunternehmen Storck KG. Das Berliner Kammergericht gibt dem VZBV nun recht.

Bislang werden auf der Nimm2-Packung die Nährwerte in zwei Tabellen dargestellt: Links ist zu lesen, welche Vitamine in welcher Menge enthalten sind. Rechts folgen die Pflichtangaben zu den Nährwerten. Diese enthalten unter anderem den hohen Zuckergehalt der Bonbons. So sind von 100 Gramm Bonbons durchschnittlich 92 Prozent Kohlenhydrate, also Zuckerverbindungen. Gegen die Klage der Verbraucherzentralen war Storck in Berufung gegangen – doch diese hat das Gericht nun zurückgewiesen.

In der Verpackung stecke Kalkül

In Europa würden Tabellen grundsätzlich von links nach rechts und von oben nach unten gelesen, heißt es in der Urteilsbegründung. Deshalb werde die Aufmerksamkeit der Verbraucher vor allem auf die Vitamine in der linken Tabelle gelenkt, während die Pflichtangaben zu den Nährwerten in den Hintergrund gerieten und weniger wahrgenommen würden. Das Gericht geht davon aus, dass hinter dem Design der Verpackung Kalkül steckt: Die Gestaltung der Produktaufmachung spreche dafür, dass der Hersteller genau dies beabsichtigt habe. Ein anderer Grund, von der vorgeschriebenen Reihenfolge abzuweichen, sei nicht ersichtlich.

„Es ist wichtig, dass Verbraucher Angaben über Zucker und Fett auf den ersten Blick erkennen können", sagt VZBV-Rechtsreferentin Susanne Einsiedler. „Deshalb dürfen Vitaminangaben auf Bonbon-Tüten nicht in den Vordergrund gestellt werden." Laut Gericht verstößt die Gestaltung gegen die europäische Lebensmittelinformationsverordnung. Diese Einschätzung scheint die Firma Storck bislang nicht zu teilen. „Wir kommentieren das Urteil nicht", sagt Unternehmenssprecher Bernd Rößler.

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