Romantisch, aber gefährlich: Haller suchen im Netz nach ihrem Schwarm

Darf man das? Mit einer Facebook-Gruppe versuchen heimliche Verehrer die Angebetete ausfindig zu machen. Das kann aus Sicht von Medienexperten allerdings auch problematisch werden

Melanie Wigger

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Halle. „Hallo, ich habe dich gestern in Hesseln in dem Claas Mähdrescher gesehen. Und bin gleich neugierig geworden, denn Frauen sind leider nur selten aktiv in der Landwirtschaft zu sehen. Wenn du das liest oder einer weiß, wer gemeint ist, würde ich mich freuen." Mit Aufrufen wie diesem versuchen einsame Herzen, im Internet ihren Schwarm zu finden. Die Facebook-Gruppe »Spotted Halle Westfalen« vermittelt in solchen Fällen. Das Konzept der Gruppenbetreiber lautet: „Du hast jemanden gesehen, aber du weißt nicht, wer es war? Weil der Bus kam, weil er/sie in Begleitung war? Weil du vor Nervosität kein Wort rausbekommen hast? Weil es einfach keine Gelegenheit gab? Dann schreib uns per Nachricht deine Beschreibung von der Person."

Die ersten Paare haben sich bereits gefunden

Mehr als 1.700 Facebook-User haben die Gruppe bereits abonniert. Die beiden Gruppenverwalter, die selbst anonym bleiben wollen, prüfen die anonym veröffentlichten Anfragen. Zwar werden Personenbeschreibungen sowie Ort und Zeit der Sichtung genannt.

»Spotted Halle Westfalen« ist kein Einzelfall im Netz. Die Haller Gruppengründer haben sich 2016 von ähnlichen Gruppen in anderen Städten und Regionen anstecken lassen. Für den Kreis Gütersloh gibt es gegenwärtig sogar drei Gruppen dieser Art, in denen allerdings keine aktuellen Beiträge veröffentlicht wurden. Nicht so in Halle – zur Freude der Gründer: „Es macht uns Spaß, Menschen in Verbindung zu bringen", beschreibt einer der beiden Männer. „Positive Rückmeldungen gab es schon einige." Es konnten tatsächlich Paare durch die Seite vermittelt werden, bestätigt der Betreiber auf Nachfrage des Haller Kreisblatts.

Ärger gebe es in der Regel nicht, erläutern die Gründer auf Nachfrage. „Nur einmal haben wir vergessen, ein Nummernschild zu zensieren." Ein Versehen. Denn im Normalfall werden Kennzeichen und volle Namen „nach vernünftigem Ermessen zensiert", heißt es in der Gruppenbeschreibung.

Rechtlich betrachtet ist die Personensuche trotzdem problematisch, erläutert Rechtsanwalt Ralf Petring. „Alle Informationen, die eine Person für andere identifizierbar machen – und sei es auch nur ein kleiner Kreis –, sind datenschutzrechtlich gesehen problematisch." Das Konzept der Facebook-Gruppe sei deshalb durchaus gefährlich, stellt der Bielefelder Experte für Medienrecht klar.

Die Suche nach dem Schwarm ist kein Internet-Phänomen

Auch wenn die Verehrer versuchen, die Personenbeschreibung möglichst vage zu halten, bleibe ein Risiko, so Petring: „Weil man nie genau wissen kann, mit welchen Daten die Person für andere identifizierbar wird."

Grenzwertige Beschreibungen sind auch in der Haller Gruppe zu beobachten. Zum Teil werden Arbeitsplatz mit Arbeitszeit und äußerlichen Merkmalen kombiniert. Nicht nur der Suchende, auch die Gruppenbetreiber können im Ernstfall mitverantwortlich gemacht werden. Facebook hingegen sei juristisch weiterhin schwer zu greifen.

Wer sich in einer solchen Beschreibung wiedererkennt und damit nicht einverstanden ist, sollte es zuerst einmal mit dem einfachsten Weg versuchen, rät »Padeluun« vom Bielefelder Vereins »Digitalcourage«. Das Vorstandsmitglied – in der Öffentlichkeit nur mit seinem Pseudonym bekannt – setzt sich für Datenschutz ein und rät nicht nur bei Personensuchen von der Datenkrake Facebook ab.

Gleichzeitig betont er, dass dieses Phänomen ursprünglich nicht aus dem Internet stammt. „Früher lief das eher in den Kleinanzeigen von Zeitungen", erinnert er.

Ganz gleich, ob digital oder analog, rät der Daten-Profi zu einem entspannten Umgang, solange die personenbezogenen Daten nicht ausufern und beispielsweise Stalking-Tendenzen annehmen.

Es sei schwer und mühselig in der Datenflut unserer Gesellschaft jeder personenbezogenen Information hinterherzugehen. „Man muss manchmal auch lernen, so etwas zu ignorieren."

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