Borgholzhausen19-Jährige mit besonderer Gabe träumt von den großen Filmstudios

Edwin Rekate

Die Filmmusik-Studentin Katharina Gerke hat sich einen digitalen Studiobereich eingerichtet und arbeitet mit der professionellen Audioeditor-Software „Pro Tools" und dem Musiknotensatzprogramm „Sibelius". - © Edwin Rekate
Die Filmmusik-Studentin Katharina Gerke hat sich einen digitalen Studiobereich eingerichtet und arbeitet mit der professionellen Audioeditor-Software „Pro Tools" und dem Musiknotensatzprogramm „Sibelius". (© Edwin Rekate)

Borgholzhausen. Wenn in der evangelischen Kirche die 368 Jahre alte Hans-Heinrich-Reinking-Orgel mit ihren 1.794 Pfeifen erklingt, dann zieht häufig Katharina Gerke die Register und tanzt mit ihren Fingern und Füßen über die Manuale und Pedale. Geschickt bringt die 19-jährige Musikstudentin die Töne zum Schweben und präsentiert als Ouvertüre die „Toccata und Fuge in d-Moll (BWV 565)“ von Johann Sebastian Bach – auswendig.

Gleich im Anschluss an den populären Klassiker generiert Katharina Gerke den Orgelwind erneut und interpretiert virtuos den Soundtrack der Herr-der-Ringe-Trilogie, danach brausen durch den Luftstrom im Kirchenschiff die magischen Scores der Harry-Potter-Filmmusik. Cineastische Soundtracks sind das Lieblingsthema der jungen Musikerin, die seit Mitte 2017 eine halbe Organistenstelle in ihrer Gemeinde innehat. Parallel dazu studiert sie – momentan online – an der Bonner Musicube Academy bei Olaf Krause und Patrick Schmitz das Fach „Film Scoring and Production“. Am Ende des aktuellen Studienjahrs wird Gerke ihre Ausbildung am ArtEZ Institute of the Arts im niederländischen Arnhem fortsetzen, ihr angestrebtes Ziel ist der Master of Music Composition for Film and Theatre.

Als Vierjährige begleitet sie Lieder spontan am Klavier

Alles begann vor 15 Jahren, als vierjähriges Mädchen begleitete Katharina Gerke die von ihrer Mutter Claudia Plath und in der Familie gesungenen Lieder spontan monophon am Piano. Gerkes Gabe – das absolute Gehör – wurde entdeckt und gefördert. Menschen mit absolutem Gehör können gehörte Tonhöhen ohne Hilfsmittel exakt bestimmen. Im gleichen Alter wie einst auch Wolfgang Amadeus Mozart erhielt sie Klavierunterricht an der Kreismusikschule in Gütersloh.

Ihre früheste Eigenkomposition hat Margarita Rittmann, ihre erste Klavierlehrerin, bereits 2006 fixiert und notiert. Der Song der damals fünfjährigen Schülerin titelt „Der lustige Reiter“ und das gerahmte, doppelseitige Notenblatt hat einen Ehrenplatz im Wohnzimmer der Familie. Heute hat die Studierende in ihrem Zimmer einen digitalen Studiobereich eingerichtet. „Pro Tools“, eine professionelle Audioeditor-Software, und das Musiknotensatzprogramm „Sibelius“ sind auf ihrem Laptop täglich mindestens sechs Stunden im Einsatz.

"Ich fange einfach irgendwie an"

„Mal so, mal so“, Katharina Gerke durchleuchtet den kreativen Entstehungsprozess ihrer Kompositionen. „Ich fange einfach irgendwie an, dann entwickelt es sich von selbst. Manchmal habe ich eine komplette Melodie im Kopf, manchmal inspirieren mich die Klänge der einprogrammierten Instrumente auf dem Yamaha-Synthesizer.“ Da Musik eine direkte Verbindung zu Emotionen hat, ist es unter anderem ihre Studienaufgabe, ein geschlüpftes Kuckucksküken, das im Film konkurrierende Eier aus dem Nest schmeißt, musikalisch mal dramatisch, mal harmonisch darzustellen.

„Variationen zu einem Thema gestalten, was auditive Veränderungen erfordert und unterschiedliche Orchestrierungen voraussetzt“, beschreibt Katharina Gerke die Magie des musikalischen Ausdrucks. Die innovative Komponistin verfolgt konsequent ihren Traum, in internationalen Filmstudios tätig zu werden. Ein dreiwöchiges Schulpraktikum in New York hat sie bereits bei Beth Johanning absolviert, die dort zwei Renaissance-Chöre coacht. Der Übersee-Kontakt kam durch die in Werther lebende, reimmigrierte Sopranistin Linda Laible zustande, bei der Katharina Gerke Gesangsunterricht hatte, als sie sich im Leistungskurs Musik an den Bielefelder Friedrich-von-Bodelschwingh-Schulen auf ihr Abitur konzentrierte. Parallel dazu hatte sie bei der Kantorin der Neustädter Marienkirche, Ruth Seiler, den Orgelschein erworben.

Gespür für Töne

Als hochbegabtes Talent mit dem Gespür für Töne vorgemerkt, interessierten sich auch Dennis Böddicker und Carsten Panitz vom Medienzentrum Gütersloh für die Schülerin aus Borgholzhausen. Für das Filmprojekt „Unser Kreis Gütersloh – Filme von Kindern über ihre Städte und Gemeinden“ komponierte Katharina Gerke die Titelmelodie für alle Beiträge, die im Bambi-Kino 2019 uraufgeführt wurden. Sie können im Internet unter https://www.kreis-guetersloh.de/themen/bildung/medienzentrum/heimatfilmprojekt-filme-1/ abgerufen werden. Das Feature über die Lebkuchenstadt, das die Kinder der Klassen 4 a und 4 b der Violenbachschule im Schuljahr 2018/19 produzierten, ist originell und sehenswert – und Katharinas Gerkes Soundtrack hörenswert dazu.

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