Heißer Boden: Landwirte befürchten Schäden durch Erdkabel

Borgholzhausener Landwirte demonstrieren gegen die Verlegung einer 380-Kilovolt-Stromtrasse in die Erde. Dazu haben sie sich pressewirksam mit Mähdreschern versammelt.

Ekkehard Hufendiek

Die Borgholzhausener Landwirte formieren sich auf breiter Front gegen das Bauvorhaben zur Erdverkabelung. Im Hintergrund verläuft die derzeitige Kabeltrasse auf Masten. Doch die Kabel sollen bald unter die Erde kommen. - © Ekkehard Hufendiek
Die Borgholzhausener Landwirte formieren sich auf breiter Front gegen das Bauvorhaben zur Erdverkabelung. Im Hintergrund verläuft die derzeitige Kabeltrasse auf Masten. Doch die Kabel sollen bald unter die Erde kommen. (© Ekkehard Hufendiek)

Borgholzhausen. 24 Meter breit sind die Schneidwerkzeuge der drei Mähdrescher. Sie sollen die große Dimension des Bauvorhabens anschaulich machen. Denn das nimmt sogar nahezu die doppelte Breite ein: 45 Meter breit und mehr als vier Kilometer lang soll der Baustreifen werden, den der Netzbetreiber Amprion durch Wald, Wiese und Acker in Borgholzhausen ziehen will.

Dagegen haben am Freitag die Landwirte auf breiter Front demonstriert: „Als betroffene Landwirte befürchten wir irreparable Schäden unserer hochwertigen Ackerflächen", sagte etwa Georg von Kerssenbrock, einer der betroffenen Grundstückseigner. Dabei verwies er besonders auf die Goldbreede, die ihren Namen den Böden verdanke.

In offener Bauweise will Amprion zwölf Kabel 1,80 Meter tief in die Erde verlegen. Aus sechs Freileitungskabeln werden dann zwölf Erdkabel. Die ursprüngliche Bohrleitungsverlegung in bis zu 20 Metern Tiefe verwarf Amprion anfang Februar dieses Jahres (das HK berichtete). Denn mehrere Probebohrungen brachten karstiges Gestein zutage, das die elegante Lösung des modernen Spülbohrverfahrens unbrauchbar macht. Amprions Leiter der Projektkommunikation Michael Weber teilte daher mit, auf das Verfahren der offenen Bauweise zu setzen.

Die offene Bauweise hat jetzt die Landwirte auf die Barrikaden gebracht. Die wollen, dass Amprion die 380.000-Volt-Stromtrasse als Freileitung baut. Für ihren Protest legten sie sich mächtig ins Zeug: Sie engagierten eine professionelle Presseagentur, die wiederum einen Demonstrationstag unter dem Motto „Erdverkabelung? – Nein danke!" organisierte. So versammelten sich gestern etwa 30 Landwirte neben der vorhandenen Freileitungsstromtrasse, die nach dem Wunsch Amprions ab 2026 Strom von Niedersachsen nach NRW in der Erde transportiert. Die PR-Profis verteilten zum Protest Aufkleber, ließen Banner aufhängen, gaben Pressemitteilungen heraus und empfingen die örtlichen Vertreter der Zeitungen, sowie von Funk und Fernsehen. Der Slogan „Experimentierfeld kontra Kornfeld" prangte vor den Schneidwerkzeugen der Mähdrescher.

Direkt davor interviewte etwa der WDR Petra Bentlage, eine der Sprecherinnen des Protestes. Sie hatte den Landwirten zuvor die Dimensionen in Worten klar gemacht: „45 Meter breit, dann hätten wir noch zwei Mähdrescher daneben stellen können", sagte sie. Das sei breiter als die A 33. In der Fläche beanspruche das Bauvorhaben etwa 25 Fußballfelder. Petra Bentlage bezeichnete es als Stromautobahn. Sie beschrieb zudem, dass hunderte Betonträger zur Stabilisierung in den Boden eingelassen werden. Drei Meter sei der Graben tief.

Zwar solle laut Amprion nach der Fertigstellung einer landwirtschaftlichen Nutzung nichts im Wege stehen, doch könnten die Landwirte Probleme bekommen. Denn im Betrieb gibt die Leitung Hitze ab. In der Normallast seien das 30 bis 40 Grad, „in der Höchstlast sind es aber sogar 60 bis 80 Grad", fügte sie hinzu. Das reiche, um den Boden auch in der oberen Schicht im Schnitt um drei bis vier Grad zu erwärmen. „Wir haben Sorge, dass die Pflanze zu wenig Wasser bekommt". Die Wurzeln der Ackerpflanzen reichen zudem in die Tiefe, dann seien es keine 1,80 Meter mehr, sondern deutlich weniger. Auch die Bodenlebewesen könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Deswegen lassen die Landwirte den Regenwurm auf ihren Protestaufklebern den Satz sagen: „Ich bin kein Experimen-Tier".

Georg von Kerssenbrock wies zudem auf die jahrelangen Bauarbeiten hin, die sowohl den Violenbach, als auch die Bielefelder Straße queren. „Solch ein Projekt ausgerechnet hier zu verwirklichen, auf diesen extrem anspruchsvollen 4,5 Kilometern, ist vielleicht mit Prestigegründen zu erklären, mit falschem Ehrgeiz, aber nicht mit rationaler Vernunft."

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