9-Jährige spendet ihre Haare für den guten Zweck

Mit Sommer-Look Gutes tun: Erst ging es der neunjährigen Fabienne vor allem darum, weniger Haare bändigen zu müssen. Doch dann reifte in ihr noch eine ganz andere Idee

Alexander Heim

Kurz vor dem großen Augenblick: Nicht mit der Schere, sondern mit der Maschine wird der Zopf abgeschnitten - und anschließend eingetütet. - © Alexander Heim
Kurz vor dem großen Augenblick: Nicht mit der Schere, sondern mit der Maschine wird der Zopf abgeschnitten - und anschließend eingetütet. (© Alexander Heim)

Borgholzhausen. Für Fabienne war es ein ganz schön aufregender Tag. „Ich bin schon seit sechs Uhr wach", verriet die Neunjährige. Schließlich hatte sich die jungen Piumerin etwas ganz Besonderes vorgenommen an ihrem ersten Ferientag. Für ihren Sommer-Look wollte sie sich von 30 Zentimetern Haar trennen. Und diese für einen guten Zweck spenden.

„Auf die Idee bin ich schon im Winter gekommen", verrät Fabienne, die mit Mama Evelin zum Friseur-Termin im Salon Struff erschienen war. Zunächst allerdings stand dabei einfach nur im Raum, die Haare zu kürzen. Nach dem Schwimmen gestaltete sich der Umgang mit der langen Mähne unter der Mütze nämlich durchaus widerspenstig. Mama Evelin äußerte Bedenken. Nicht wegen des Winters. Vielmehr, weil im Mai ja noch ein Großereignis anstand: die Kommunion. Und so verschob Fabienne die Idee, sich von den Haaren zu trennen, um ein halbes Jahr.

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Gefärbtes und gewelltes Haar kann leider nicht gespendet werden

Zeit, sich darüber zu informieren, was man mit 30 Zentimetern Haar so alles machen kann. Bei der Recherche stolperte Evelin Parda-Kapsiak über die Info-Seite des Bundesverbandes der Zweithaar-Spezialsten (BDZ) und dessen Charity-Aktion »Rapunzel«. Der Gedanke, anderen Kindern, denen durch Krankheit das eigene Haar abhanden gekommen war, mit der Spende etwas Gutes zu tun, gefiel der Grundschülerin.

„Die Haare dürfen nicht gefärbt sein und auch keine Dauerwelle haben", weiß Evelin Parda-Kapsiak inzwischen, dass die Sache mit der Spende gar nicht so einfach ist. Aber: „Man kann viel hochwertigere Perücken herstellen, wenn diese aus Echthaar sind", erklärt die 41-Jährige. Und dass es Krankheiten zuweilen nötig machen, auf eine Perücke zurückzugreifen, hatten Mutter und Tochter innerhalb der Familie erlebt. Damit beim Spenden nun alles fachgerecht über die Bühne gehen konnte, haben Fabienne und ihre Mama sich an die Expertinnen im Friseur-Salon Struff gewandt. Und mit Carolin Borgstedt eine bereitwillige Unterstützerin gefunden. Bevor es ums Abschneiden ging, wurde die gesamte Haarpracht noch einmal vermessen. „68 Zentimeter", stellte Evelin Parda-Kapsiak fest.

Fabienne und Friseurin Carolin Borgstedt ließen sich Zeit, die genaue Länge zum Abschneiden zu bestimmen. Wobei Abschneiden nicht das treffende Wort ist. Denn nicht mit der Schere wurde am extra gebundenen Zopf Hand angelegt, sondern mit der Schneidemaschine. „Alles richtig so?", vergewisserte sich Carolin Borgstedt noch einmal, ehe es Ernst wurde. „Bereit?" Und Fabienne gab mutig ihr „Go". Nicht ganz zehn Sekunden – dann war der Zopf ab.

Der wurde in eine Tüte gepackt und diese in einen Umschlag gesteckt, damit die Haarspende ihren Weg zur neuen Bestimmung antreten konnte. Bei Fabienne wurde derweil an der Vollendung der neuen Sommer-Frisur gefeilt. In der Gewissheit, dass ihre Haare wieder wachsen werden. Und dass ein anderes Kind viel selbstbewusster der plötzlich eingetretenen Krankheit oder dem seit Geburt bestehenden Gen-Defekt begegnen kann.

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