Im Bach und auf dem Dach: Vater und Sohn spielen an verrückten Orten Tennis

Volker und Jan Horstmann aus Künsebeck lassen sich den Spaß am Tennis vom Lockdown nicht nehmen. An den verrücktesten Orten schwingen Vater und Sohn den Schläger. Ihre Experimentierfreude hat einen ernsten Hintergrund – und der heißt nicht Corona.

Christian Helmig

Auch auf dem Dach des heimischen Geräteschuppens haben Vater und Sohn schon Bälle übers Netz gespielt. - © privat
Auch auf dem Dach des heimischen Geräteschuppens haben Vater und Sohn schon Bälle übers Netz gespielt. (© privat)

Künsebeck. Tennis auf Asche – kennt jeder. Auch Hardcourts sind hierzulande zu finden, und wer in der Nähe der Haller OWL-Arena wohnt, hatte vielleicht sogar schon das Glück, auf dem heiligen Rasen ein paar Bälle zu schlagen. Wer es abseits der drei klassischen Grand-Slam-Beläge aber etwas exotischer mag, der sollte sich bei Volker Horstmann (51) und seinem Sohn Jan (9) erkundigen.

Seit Beginn der Coronakrise, genauer gesagt seit dem ersten Lockdown im Frühjahr, gehen die beiden Künsebecker ihrem Hobby an den ungewöhnlichsten Orten nach. „Als am Anfang alle Tennisanlagen schließen mussten, blieb uns ja nur Wandern oder Radfahren", blickt Volker Horstmann zurück. Inspiriert von Roger Federer, der seine Fans bei einer Instagram-Challenge aufgefordert hatte, zu Hause weiter zu trainieren, „kamen wir dann irgendwann auf die Idee, unsere Tennisschläger mitzunehmen und unterwegs ein paar Bälle zu spielen".

Übereinander statt gegeneinander – Papa Volker und Sohn Jan Horstmann haben den Tennisschläger in jeder Lebenslage griffbereit. Die Videos ihrer Aktionen verbreiten sie über Soziale Netzwerke. - © privat
Übereinander statt gegeneinander – Papa Volker und Sohn Jan Horstmann haben den Tennisschläger in jeder Lebenslage griffbereit. Die Videos ihrer Aktionen verbreiten sie über Soziale Netzwerke. (© privat)

Im kalten Wasser eines Wildbachs dient den Horstmännern ein umgestürzter Baumstamm als Netz. - © privat
Im kalten Wasser eines Wildbachs dient den Horstmännern ein umgestürzter Baumstamm als Netz. (© privat)

„Der TV Künsebeck steht vor dem Aus"

Und so haben Vater und Sohn schon auf abschüssigen Wiesen und abgeholzten Waldflächen im Teuto, vor Eisdielen , auf einer Autobahnbrücke oder der heimischen Tischtennisplatte ihr Gefühl für die gelbe Filzkugel unter Beweis gestellt. „Manchmal bleiben Leute stehen und fragen, ob sie es auch mal probieren dürfen", berichtet Volker Horstmann schmunzelnd. In Stukenbrock wagte sich das Duo kürzlich mit seiner Ausrüstung in einen kalten Bach. Als Netz diente ein umgestürzter Baumstamm, der von Ufer zu Ufer ragte.

Ihren bislang spektakulärsten Stunt unternahmen die Horstmänner, als sie ihr Netz auf dem Dach ihres Geräteschuppens aufspannten. „Nicht ganz ungefährlich", gibt Volker Horstmann zu, „vor allem, weil ich im Gegensatz zu meinem Sohn nicht schwindelfrei bin." Am Ende hatten beide aber wieder sicheren Boden unter den Füßen und schickten ein Video dieser und anderer Aktionen via Instagram, WhatsApp und Co. um die Welt.

Die Botschaft ihres Projektes hat sich mittlerweile jedoch verändert. Ging es Vater und Sohn anfangs hauptsächlich darum, den Corona-Blues zu vertreiben, heißt es nun: „Tennisplatzsuche 2.0." Ein Schlagwort, das sich auf die unsichere Zukunft ihrer sportlichen Heimat bezieht. „Der TV Künsebeck steht vor dem Aus", beschreibt Volker Horstmann unverblümt die prekäre Situation seines Vereins mit rund 120 Mitgliedern.

„Aber für eine Sanierung fehlt uns das Geld"

Die drei Plätze, im Haller Ortsteil direkt unterhalb der Bahnlinie gelegen, seien mehr als 35 Jahre nach ihrer Errichtung so verdichtet, dass Regenwasser nur sehr langsam versickert. Darunter litten im Sommer schon die Künsebecker Mannschaften. Sie mussten ihre Punktspiele auf die Plätze des Gegners verlegen oder sogar absagen. Gerne würde der Verein Abhilfe schaffen. „Aber für eine Sanierung fehlt uns das Geld", klagt Volker Horstmann.

Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass der Verpächter der Fläche, auf denen sich die Plätze eins und zwei befinden, Eigenbedarf angemeldet hat. Zum Ausgleich stellt er zwar ein Grundstück im direkten Anschluss an die derzeitige Anlage zur Verfügung, doch eine Verlegung der Courts käme den Club noch deutlich teurer.

Tennis auf einer Tischtennisplatte – „funktioniert besser als gedacht“, wie Volker Horstmann feststellt. - © privat
Tennis auf einer Tischtennisplatte – „funktioniert besser als gedacht“, wie Volker Horstmann feststellt. (© privat)

Doch noch geben die „Deutschen Eichen" nicht auf. Um das Vorhaben möglichst kurzfristig umsetzen zu können und so die Abteilung zu retten, hat der TV Künsebeck einen Antrag auf Finanzierungshilfe für die Verlegung der Anlage bei der Stadt Halle gestellt. Gesamtvolumen: rund 250.000 Euro – ohne neues Clubhaus.

Ob er genehmigt wird, darüber muss demnächst der neu konstituierte Stadtrat entscheiden. Zu der Frage, auf welchem Belag in Künsebeck künftig gespielt werden sollte, könnten Volker und Jan Horstmann sicher den ein oder anderen guten Tipp geben.

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