Deshalb entscheidet sich dieser Versmolder Handballer gegen eine Profikarriere

Dennis Bleck

Patrick Gerloff spielt in der A-Jugendbundesliga bei der JSG NSM Nettelstedt im Tor. - © Christian Bendig
Patrick Gerloff spielt in der A-Jugendbundesliga bei der JSG NSM Nettelstedt im Tor. (© Christian Bendig)

Versmold. Patrick Gerloff weiß genau, was er will. Abi, Ausland, Studium – privat hat der 18-Jährige in den vergangenen Monaten einige Hürden genommen. Andere Herausforderungen stehen ihm noch bevor. Im April reist der Versmolder für drei Monate nach Kanada. Work and Travel, ein Tapetenwechsel. Ein langersehntes Abenteuer, das er wohl nur in diesem Abschnitt seines Lebens so noch erleben kann.

Im vergangenen Jahr machte Gerloff zwar sein Abitur. Eine Ausbildung oder ein Studium begann er anschließend noch nicht. Weil er das nun nachholt, wird die Zeit zu reisen knapp: Ab August bildet ihn eine Verler Firma zum Ingenieur aus. Praxisorientiert studiert Gerloff dann Mechatronik. Derzeit jobbt er nur nebenbei. Viel Freizeit hat er ohnehin nicht. Vier bis fünf Mal in der Woche reist er nach Nettelstedt. Dort spielt Gerloff Handball in der A-Jugendbundesliga. Er ist Torwart, zählt zum festen Stamm und saß beim Herren-Team und Zweitligisten TuS N-Lübbecke sogar schon auf der Bank. Trotzdem verlässt Gerloff am Ende seiner A-Jugendzeit den Verein und wechselt zurück in seinen Heimatkreis. Ab Sommer trägt der Keeper, wie berichtet, das Trikot vom Verbandsligisten TV Isselhorst. Ein Karriere-Rückschritt? „Nein", sagt Gerloff.

Gerloff will später mindestens in Liga drei spielen

„In Isselhorst kann ich auf hohem Niveau Spielpraxis sammeln, die für meine Entwicklung wichtig ist", erklärt der Altkreis-Handballer. Ohnehin glaubt er nicht, dass sich beim Zweitligisten Lübbecke sofort eine Chance ergeben hätte: Zu realistisch schätzt Gerloff sein Talent ein, benennt auch Schwächen in seinem Spiel, an denen er in Zukunft noch arbeiten kann. Beweglicher will er werden – die Reflexe verfeinern. Und dann, irgendwann einmal, doch mindestens in Liga drei spielen.

Ab Sommer trägt Gerloff (rechts) das Trikot vom Verbandsligisten TV Isselhorst. Trainer Dirk Elschner begrüßt den Neuzugang. Foto: TVI - © TV Isselhorst
Ab Sommer trägt Gerloff (rechts) das Trikot vom Verbandsligisten TV Isselhorst. Trainer Dirk Elschner begrüßt den Neuzugang. Foto: TVI (© TV Isselhorst)

Ein persönliches Ziel, das derzeit aber nicht die oberste Priorität genießt. Denn nachdem Patrick Gerloff in den vergangenen Monaten viel Aufwand betrieben hat, um Handball zu spielen, nimmt er nun ein wenig Tempo aus seinem Hobby raus. Wichtiger, das sagt er jetzt, ist ihm der Erfolg im Studium. Später dann ein Job, der ihm sein Leben finanziert. „Mit dem Handball kann ich eben nicht das große Geld verdienen", sagt er.

Auch Oberligist Loxten hatte seine Fühler ausgestreckt

Darüber, ob seine Entscheidung als Fußballer anders ausgefallen wäre, lässt sich heute nur spekulieren. Bis zur C-Jugend war Gerloff nämlich auch ein passabler Kicker. Er spielte für die Spvg. Versmold nicht im Tor, sondern im Feld. Auch beim Handball stand Gerloff nicht immer zwischen den Pfosten. Immer wieder half der vielseitige Schnapper auch im Angriff aus. „Oft hatten wir nicht genug Spieler", erinnert er sich trotzdem gerne an seine Jugendzeit bei der JSG Bockhorst/Dissen-Versmold zurück. Oberliga-Aufstieg, Bezirks- und Kreismeisterschaft: Erfolgsverwöhnt wechselte Gerloff nach der B-Jugend nach Nettelstedt. Nachdem er im ersten Jahr noch oft zugeschaut hatte, mauserte er sich nach und nach zum Stammspieler. Höhepunkt seiner bisherigen Spielerlaufbahn war der August 2019: Gerloff stand beim Spielotheken-Cup in Minden im Kader des Männer-Zweitligisten TuS N-Lübbecke. Und obwohl er letztlich keine Einsatzzeit bekam, spricht er heute von einer „Riesenerfahrung". Wohl auch, weil sein Team das Turnier am Ende mit 25:24 gegen Ligarivale HSC Coburg gewann.

Als feststand, dass Gerloff Nettelstedt zum Saisonende verlässt streckte auch Oberligist SF Loxten seine Fühler aus. Nachdem Torwart Pascal Welge bekanntgegeben hatte, dass er die „Frösche" zum Saisonende verlässt, war der Club auf der Suche nach Ersatz. „Es gab losen Kontakt", bestätigt der Versmolder, der sich trotz der Verbundenheit für seinen Heimatort für Isselhorst entschied. Gerloff weiß eben, was er will.

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