Steinhagen/Halle. Das hatte es noch nie gegeben: Drei Jahre lang hatte Katharina Hobgarski beim DTB-Ranglistenturnier in St. Wendel keinen einzigen Satz abgegeben. Auch diesmal schien die 22 Jahre alte Saarländerin auf eine makellose Titelverteidigung zuzusteuern – bis sie im Endspiel auf Luisa Meyer auf der Heide traf.
Die an Position fünf gesetzte Außenseiterin lieferte der Topfavoritin einen harten Kampf. Im zweiten Satz war es dann tatsächlich so weit: »Lulu« hatte mit 6:3 die Nase vorn und erzwang einen Entscheidungsdurchgang. Am Ende setzte sich Hobgarski, aktuell die Nummer 193 der Weltrangliste und Finalistin der diesjährigen Reinert Open in Versmold, zwar mit 6:4, 3:6, 6:2 durch, die Freude ihrer unterlegenen Gegnerin trübte das aber nicht. „Ich habe mich super gefühlt, war gut im Schlag und habe viel Selbstvertrauen gesammelt“, resümierte Luisa Meyer auf der Heide nach dem Matchball.
Mathe und Englisch statt Aufschlag und Vorhand
Dass sie die Niederlage so locker wegsteckt, zeigt, dass sich die junge Steinhagenerin in einem Wandel befindet. Es gab Zeiten, in denen ein zweiter Platz für Luisa Meyer auf der Heide eine bittere Enttäuschung gewesen wäre. Seit der Altersklasse U 9 wurde sie als größte Hoffnung im deutschen Damentennis gehandelt. Jahrelang führte sie die nationalen Mädchen-Ranglisten an. 2017 berief Bundestrainerin Barbara Rittner sie ins prestigeträchtige Porsche Junior Team.
Doch irgendwann wurde es Luisa Meyer auf der Heide zu viel. Anders als viele internationale Konkurrentinnen, die im gleichen Alter schon voll auf die Karte Tennis setzen, konzentrierte sie sich im vergangenen Jahr auf das Abitur am Steinhagener Gymnasium. „Ich wollte etwas haben, auf das ich zurückgreifen kann, etwa für den Fall, dass ich mich verletze“, erklärt sie. Statt Aufschlag und Vorhand standen für sie fortan die Leistungskurse Mathe und Englisch im Mittelpunkt. Mit Erfolg: Mit einem Notendurchschnitt von 1,3 zählte Luisa Meyer auf der Heide auch auf der Schulbank zu den Besten ihres Jahrgangs.
Weiter beim TC BW Halle: „In diesem Verein bin ich aufgewachsen“
Obwohl ihr damit alle Türen offenstünden, bleibt »Lulus« berufliches Ziel unverändert: Sie möchte Profi werden. „Jetzt habe ich endlich den Kopf dafür frei und kann mich wieder voll aufs Tennis konzentrieren“, sagt sie. Um optimale Bedingungen zu schaffen, ist sie im Sommer in eine eigene Wohnung nach Mönchengladbach gezogen. Dort trainiert sie in der Yellowblood-Tennisschule unter der Regie von Daniel Puttkammer. Der international erfahrene Coach arbeitete unter anderem schon mit bekannten Profis wie Dustin Brown oder Mona Barthel zusammen und betreute Spieler bei allen vier Grand-Slam-Turnieren.
Die großen Courts der Tenniswelt sollen langfristig auch zur Bühne für Luisa Meyer auf der Heide werden. Vorläufig denkt sie aber in kleinen Schritten und macht sich selbst wenig Druck. „Ich will versuchen, mich im internationalen Damentennis zu etablieren“, erklärt sie ihr erstes Etappenziel. Bislang ist sie noch nicht mal in der Damenweltrangliste notiert. Das könnte sich bald ändern, wenn sich die ersten Erfolge auf kleinen 15.000er-Turnieren „irgendwo in Europa“ einstellen.
Auch die Gegnerinnen freuen sich über die Rückkehr
Besuche in der Heimat hat Luisa Meyer auf der Heide aber ebenso geplant. Trotz des Rückzugs der Damenmannschaft in die Westfalenliga (das HK berichtete) will sie weiterhin für den TC BW Halle spielen. „Denn in diesem Verein bin ich aufgewachsen“, sagt sie. Die Treue ist sicher auch ein Dank an Gerhard Weber. Der Clubvorsitzende gehört neben der deutschen Sporthilfe und zwei Ausrüsterfirmen zu ihren größten Förderern.
Mit dem Erfolg in St. Wendel hat Luisa Meyer auf der Heide den Start in ihren neuen Lebensabschnitt geschafft. Das freut sogar ihre Gegnerinnen. „She is back“, schrieb Katharina Hobgarski unter ein gemeinsames Foto auf Insta-gram. »Lulu« ist zurück – und sie möchte lange bleiben.

