Kreis Gütersloh plant mit seinen Kommunen ein Bike-Sharing-Projekt

Wie das funktionieren kann, ist im Rhein-Sieg-Kreis zu sehen. Über Kosten sagt Projektleiter Christian Seul bislang nichts.

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Bike-Sharing: Am Bahnhof Weilerswist warten Leih-Fahrräder auf Bahnreisende, die die letzten Meter bis zur Arbeitsstätte oder nach Hause nicht zu Fuß zurücklegen möchten. - © RVK
Bike-Sharing: Am Bahnhof Weilerswist warten Leih-Fahrräder auf Bahnreisende, die die letzten Meter bis zur Arbeitsstätte oder nach Hause nicht zu Fuß zurücklegen möchten. (© RVK)

Gütersloh. Mit dem Zug am Bahnhof ankommen und dann mit einem Leihfahrrad bis zur Arbeit radeln? Eine Idee, an deren Umsetzung derzeit Kreis-Mobilitätsmanager Christopher Schmiegel arbeitet. Kurz vor der Kommunalwahl hatte der Kreisausschuss sich dafür ausgesprochen, ein einheitliches Leihfahrrad-System – neudeutsch: Bike-Sharing - einzuführen.

Die Verwaltung hatte geplant, die Idee am 30. September in der Bürgermeisterkonferenz vorzustellen, um dann zu sehen, welche Kommunen bereit sind, mitzumachen. „Aus der Politik kam jedoch der Wunsch, das besser in den kommunalen Räten zu beraten“, erläutert Schmiegel. Daher will er die Bike-Sharing-Idee zunächst am 5. November im Facharbeitskreis Mobilstationen vorstellen, so dass das Projekt auf diesem Weg dann in die Fachausschüsse vor Ort getragen wird.

Leihfahrräder sind in großen Städten wie Berlin oder München bereits gang und gäbe. Im ländlichen Raum ist die Idee noch nicht so verbreitet. Wie so ein Bike-Sharing hier funktionieren kann, ist im Rhein-Sieg-Kreis zu sehen. Dort startete die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) im Mai vergangenen Jahres eines der ersten regionalen Fahrradverleihsysteme Deutschland - und darüber hinaus eines der ersten, das nur mit E-Bikes betrieben wird. „Wir haben als Verkehrsunternehmen überlegt, wie wir uns im Zuge der Verkehrswende breiter aufstellen können“, erzählt Projektleiter Christian Seul. Sechs Kommunen auf der linksrheinischen Seite des Rhein-Sieg-Kreises und die Gemeinde Weilerswist aus dem benachbarten Kreis Euskirchen waren von Beginn an dabei. Bisher wurden die 70 E-Bikes laut Seul 16.000 Mal ausgeliehen. „Wir sind gerade dabei, das RVK-e-Bike auf den gesamten Rhein-Sieg-Kreis zu erweitern“, so Seul.

Räder stehen nicht wie E-Scooter überall im Weg

Anders als bei E-Scootern, die in Städten für Ärger sorgen, weil sie wild irgendwo abgestellt werden – das so genannte free floating – handelt es sich bei den Leihfahrrädern um ein stationsbasiertes System, erläutert Seul. Die Entleih- und Rückgabestationen befinden sich vorwiegend an ÖPNV-Haltestellen und Mobilstationen. „Wir haben aber auch einige virtuelle Stationen an vielfrequentierten Orten, beispielsweise den Stadtzentren oder Rathäusern eingerichtet, die mit einem Hinweisschild versehen sind“, erläutert Seul.

Anbieter für den Fahrradverleih sei das Unternehmen Nextbike. Zur Nutzung des Angebots ist eine einmalige Registrierung bei Nextbike, am einfachsten per App, erforderlich. 30 Minuten Fahrt kosten 2 Euro. Job-Ticket-Inhaber beispielsweise zahlen nur einen Euro. Es habe sich gezeigt, dass viele Pendler das Angebot nutzen, aber auch Freizeitradler. Diese könnten das Fahrrad auch für eine Tagespauschale von 12 Euro den ganzen Tag leihen, um beispielsweise die Rheinische Apfelroute entlang zu radeln. Nach der ersten 100-Tage-Bilanz hatte der RVK festgestellt, dass die durchschnittliche Ausleihzeit der Räder 111 Minuten beträgt, in denen durchschnittlich 3,53 Kilometer Fahrtstrecke zurückgelegt werden.

Rheinisch-Bergischer Kreis zieht nach

Was das Bikesharing die beteiligten Kommunen kostet, dazu möchte Seul nichts sagen. „Am Ende ist es – ähnlich wie der gesamte ÖPNV – ein Zuschussgeschäft.“ Man sei mit der Resonanz jedoch sehr zufrieden. So zufrieden, dass in diesem Sommer der Rheinisch-Bergische Kreis bei Köln als erster Landkreis bundesweit ein flächendeckendes E-Bike-Verleihsystem in allen kreisangehörigen Städten und Gemeinden einführte. Bei dem Vorhaben unter dem Namen „Das Bergische E-Bike“ stehen 81 E-Bikes zur Verfügung. „Das ist sehr gut angelaufen“, so Seul. „wir hatten in den ersten zweieinhalb Monaten schon mehr als 5.000 Ausleihen.“

Im Kreis Gütersloh schaut man interessiert auf diese Projekte. Auch hier ist der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVVOWL) mit im Boot. Der Kreis will gemeinsam mit dem VVOWL die Ausschreibung für die beteiligten Kommunen übernehmen und die Kosten des Vergabeverfahrens tragen. Auch die Abrechnung mit den späteren Bike-Sharing-Anbieter und den Kommunen würde er organisieren. "Das Mobilitätssystem im Kreis würde um eine Facette reicher und die Abhängigkeit vom Privat-Pkw kann weiter reduziert werden“, meint Mobilitätsmanager Christopher Schmiegel, der hofft, dass sich möglichst viele Orte an dem Projekt beteiligen werden.

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