"Abzocke": Blitzer-Falle zwischen Steinhagen und Bielefeld empört Autofahrer

Warum blitzt die Stadt auf Höhe des Quelle-Sees an der Osnabrücker Straße? Autofahrer erkennen nach Abschluss des A33-Baus jedenfalls keine Gefahr mehr.

Jens Reichenbach

Blitzer Bernhard hat im Tempo-50-Abschnitt an der Osnabrücker Straße viele Autofahrer erzürnt. - © Jens Reichenbach
Blitzer Bernhard hat im Tempo-50-Abschnitt an der Osnabrücker Straße viele Autofahrer erzürnt. (© Jens Reichenbach)

Bielefeld. Blitzer Bernhard hat in Bielefeld und diesmal auch in Steinhagen zahlreiche Autofahrer in Rage gebracht. Seit Beginn vergangener Woche stand gegenüber von Zweischlingen an der Osnabrücker Straße der mobile Blitzer-Anhänger und erfasste Hunderte von Temposündern.

Kommen hier überhaupt noch Lkw heraus? Als hier der Sand für die A33 abgefahren wurde, wechselten viele Lkw auf die Osnabrücker Straße. - © Jens Reichenbach
Kommen hier überhaupt noch Lkw heraus? Als hier der Sand für die A33 abgefahren wurde, wechselten viele Lkw auf die Osnabrücker Straße. (© Jens Reichenbach)

Auf der Osnabrücker Straße zwischen Quelle und Steinhagen gilt hauptsächlich Tempo 70. Doch auf Höhe der Baustellenausfahrt zum Quelle-See ist das anders. Dort herrscht Tempo 50. Eingerichtet wurde das Tempolimit, als der Sandabbau für die neue A 33 eine tatsächlich große Menge an Lastwagenverkehr verursacht hatte.

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Doch die Autobahn zwischen Bielefeld und Osnabrück ist längst eröffnet und der Sandabbau am Quelle-See sei nur noch „marginal im Vergleich zu der heißen Phase des Autobahnbaus", sagt Rolf Meyer zu Bentrup, Geschäftsführer des Campingplatzes Quelle, zu dem der neue Baggersee gehört.

"Da ist keine Gefahrenstelle mehr erkennbar"

Ein 73-jähriger Autofahrer aus Steinhagen hat den grünen Blitzer, der direkt vorm Gebüsch gut versteckt steht, gerade noch entdeckt und seine Frau rechtzeitig gewarnt. Trotzdem ist er erbost: „Der Blitzer spült an dieser Stelle richtig Geld in die leeren Corona-Kassen." Weil für die Autofahrer die Notwendigkeit des Tempolimits nicht mehr ersichtlich sei: „Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wann hier das letzte Mal ein Lastwagen aus der Ausfahrt kam."

Gut versteckt: Der mobile Blitzer schmiegt sich an der Baustellenausfahrt zum Quelle-See gut ins Grün der Büsche ein. - © Jens Reichenbach
Gut versteckt: Der mobile Blitzer schmiegt sich an der Baustellenausfahrt zum Quelle-See gut ins Grün der Büsche ein. (© Jens Reichenbach)

Und das ist, was den 73-Jährigen daran ärgert: „Ich habe nichts gegen Kontrollen vor Kitas, Schulen und Seniorenheimen. Aber hier, wo seit der Fertigstellung der A 33 keine Gefahrenstelle mehr zu erkennen ist, da erinnert man sich in irgendeiner Behörde an die alte Geschwindigkeitsbegrenzung, um jetzt wie verrückt zu kassieren."

Tempolimit gilt noch bis Oktober 2021 - Sandabbau noch zwei bis drei Jahre lang

Mehr als 400 Fahrzeuge seien dort an nur einem Tag erfasst worden, geht aus Medienberichten hervor. Beobachter berichten vor allem bei Dunkelheit von zwei bis drei Blitzen pro Ampel-Welle. Vor allem die Steinhagener, die täglich nach Bielefeld pendeln, verfluchten die Kontrolle.

Doch das Tempolimit für die Baustellenausfahrt gilt noch bis Oktober 2021. Laut Meyer zu Bentrup werden darüber hinaus „bestimmt noch zwei bis drei Jahre lang Sandladungen vom Quelle-See abgefahren". Nach Ansicht der Stadt bestehe dort aber auch bei wenig Lkw-Verkehr eine erhöhte Unfallgefahr. Die schweren sandbeladenen Baufahrzeuge schafften es nun mal nicht in drei Sekunden auf 70 km/h.

"Der Lkw-Betrieb ist lächerlich gering"

Rolf Meyer zu Bentrup hält den Blitzer trotzdem für reine Abzocke: „Warum sollte es an der Stelle eine Gefahr geben? Der Lkw-Betrieb ist lächerlich gering. Und außer dem Zweischlingen auf der gegenüberliegenden Seite ist dort sonst nichts." Seit Corona sei selbst dort der Betrieb reduziert.

Nach einer Woche an der strittigen Baustellenausfahrt wird Blitzer Bernhard ohnehin umgesetzt. Das heißt, die Bußgeld-Gefahr ist gebannt. Doch die Kritik an der Kontrolle bleibt.

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