Region657 Corona-Fälle: Shutdown für Tönnies, Schulen und Kitas werden geschlossen

Nicole Donath, Anja Hustert

Auf dem Firmengelände in Rheda-Wiedenbrück - © Florian Gontek
Auf dem Firmengelände in Rheda-Wiedenbrück © Florian Gontek

+++ UPDATE+++ Die Kreisverwaltung teilt mit: Für die vom Kreis veranlassten Testungen auf dem Gelände der Firma Tönnies liegen neue Zwischenstände vor: 983 Befunde liegen jetzt vor, davon sind 657 positiv und 326 negativ.

Kreis Gütersloh. Schocknachricht für den Kreis Gütersloh: 1.000 Mitarbeiter des Fleischriesen Tönnies wurden am Dienstag durch den Kreis auf das Coronavirus getestet. Das Ergebnis der ersten 500 Tests am Mittwochmorgen: 400 davon sind positiv. Die übrigen 500 Ergebnisse stehen noch aus.

„Das ist der Hammer", zeigte sich Landrat Sven-Georg Adenauer fassungslos über die Nachricht, die ihn am Mittwochvormittag erreichte. Erst am Dienstag hatte er Clemens Tönnies ins Kreishaus einbestellt, um mit ihm Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung zu besprechen. Adenauer geht davon aus, dass bei den ausstehenden 500 Tests ähnliche Ergebnisse zu erwarten sind.

Magdalena Sawatzky und ihre Söhne Florian (5) und Jonas (3) - © Florian Gontek
Magdalena Sawatzky und ihre Söhne Florian (5) und Jonas (3) (© Florian Gontek)
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In einer unmittelbar einberufenen Krisenstabssitzung ab 10 Uhr am Mitwochmorgen wurden Maßnahmen festgelegt, um die Gefahr einer Weiterverbreitung des Virus unverzüglich zu minimieren. Sven-Georg Adenauer hatte eigens einen Termin in Dortmund dafür abgebrochen und war umgehend zurück nach Gütersloh gereist. An der Sitzung des Krisenstabes hatten außerdem Vertreter der drei hauptsächlich betroffenen Kommunen Rheda-Wiedenbrück, Verl und Gütersloh teilgenommen. Für die Tönnies-Unternehmensgruppe war unter anderem Konzernchef Clemens Tönnies anwesend.

Schulen und Kitas werden geschlossen

Nachdem am späten Vormittag bereits die unverzügliche Schließung aller Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh bis zum 26. Juni bekanntgegeben wurde, folgte am frühen Nachmittag eine weitere Entscheidung: Der Kreis Gütersloh hat der Firma Tönnies die unverzügliche Schließung des Schlachtbetriebes angeordnet.

Alle Infizierten und direkten Kontaktpersonen werden außerdem unter Quarantäne gestellt, teilte die Kreisverwaltung ferner mit. Die Maßnahme wird vorrangig in den bisher genutzten Wohnungen und Unterkünften erfolgen. Soweit diese nicht genügen sollte, werden kurzfristig Überlaufkapazitäten geschaffen. Darüber hinaus wird der Kreis Gütersloh kurzfristig alle noch nicht getesteten und auf dem Betriebsgelände tätigen Personen bei Tönnies unter Quarantäne stellen und testen.

Kein allgemeiner Lockdown geplant

Einen allgemeinen Lockdown im Kreis Gütersloh wird es trotz des Corona-Ausbruches nicht geben. Dies hatten Landrat Sven-Georg Adenauer und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gemeinsam festgelegt. Das war zunächst nicht selbstverständlich. Denn laut einer Bund-Länder-Vereinbarung sind Kontaktbeschränkungen zu prüfen, wenn sich mehr als 50 Personen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen neu mit Corona infiziert haben – ein Wert, der für den Kreis bei 182 erreicht ist und der aktuell bereits weit überschritten ist.

Die Firma Tönnies war vom Krisenstabsleiter des Kreises Gütersloh unmittelbar nach dem Bekanntwerden der ersten Ergebnisse darüber informiert worden, dass von den ersten 500 Befunden rund 400 positiv ausgefallen war. Die Firma Tönnies hatte daraufhin schon von sich aus die Anlieferung weiterer Schweine gestoppt. Die Werkvertragsnehmer der Firma Tönnies, die Beschäftigte in der Zerlegung einsetzen, wurden ebenfalls informiert und angewiesen, dass ihre Beschäftigten und alle nahen Kontaktpersonen bis auf Weiteres ihre Wohnungen und Unterkünfte nicht verlassen dürfen.

Die Laborergebnisse betreffen vorrangig Personen, die im Kreis Gütersloh gemeldet sind. Soweit Personen in anderen Kreisen und kreisfreien Städten (wie zum Beispiel die Kreise Warendorf, Paderborn, Soest etc.) betroffen sind, werden die zuständigen Gesundheitsämter kurzfristig informiert.

Jetzt gelte es zu schauen, wo die Betroffenen untergebracht sind, und wo auch die Kinder der betroffenen Mitarbeiter untergebracht sind, fuhr Adenauer fort. „Wir werden sicher einige Dinge schließen", so der Landrat. Aber in Rheda-Wiedenbrück müssten sicher andere Maßnahmen getroffen werden als beispielsweise in Borgholzhausen, meinte er.

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