WertherLesung mit Gockel abgesagt

Gastgeber distanzieren sich von ideologischer Nähe zur AfD

1204ÿDetlef Hans Serowy

Abgesagt: Hans-Hermann Gockel (links) liest nicht aus seinem Buch. Gastgeber Udo Heidemann (rechts) sah sich massiver Kritik ausgesetzt. - © Foto: Anja Hanneforth
Abgesagt: Hans-Hermann Gockel (links) liest nicht aus seinem Buch. Gastgeber Udo Heidemann (rechts) sah sich massiver Kritik ausgesetzt. © Foto: Anja Hanneforth

Werther. Die Lesung mit Hans-Hermann Gockel im Walbaum’schen Haus findet nicht statt. Am Samstag, 5. März, hatte der Bielefelder TV-Journalist und Autor aus seinem Buch »Finale Deutschland« dort vortragen sollen. Nachdem die Lesung öffentlich angekündigt worden war, sah sich Veranstalter Udo Heidemann nach seinen Angaben mit einer „starken und sehr polarisierenden Resonanz" konfrontiert.

„Aufgrund des entstandenen Diskurses in Öffentlichkeit und sozialen Medien sagen wir hiermit die Veranstaltung ab", erklärte Heidemann am Montagmorgen in einer Presseemitteilung. Im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt berichtete er von „massiver Kritik" an der Lesung, die sich vor allem an Auftritten des Autors bei AfD-Veranstaltungen entzündet habe.

Im Dezember 2015 hatte Hans-Hermann Gockel sein Buch auf einer AfD-Veranstaltung in Schloß Holte-Stukenbrock vorgestellt. Dort sagte er: „Bleiben Sie bei Ihrer Meinung, bleiben Sie Ihrer Linie treu. Dann werden Ihre Wahrhaftigkeit und der Mut, für die ich Sie bewundere, dauerhaft Bestand behalten bei den Bürgern."

Kommentar

Ein Bärendienst für die Demokratie

VON DETLEF HANS SEROWY

Hans-Hermann Gockel wird in Werther nicht lesen. So verständlich die Absage durch Udo Heidemann ist, so bedauerlich ist die Tatsache, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Autor und seinen Thesen nun nicht stattfindet. Man kann über Gockel, sein Buch und seine Auftritte bei der AfD denken, wie man will. Jede sachlich begründete Kritik an ihm und seinen Thesen wäre zulässig und in unserem demokratischen Gemeinwesen auch notwendig gewesen. Wenn unliebsame Meinungen und Einstellungen in der Weise unterdrückt werden, dass öffentlicher Druck eine solche Veranstaltung verhindert, dann ist das im Zweifel Wasser auf die Mühlen derjenigen, die am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums unterwegs sind. Die Äußerungen von Hans-Hermann Gockel erfüllen keinen Straftatbestand. Deshalb muss eine ordentliche politische Debatte über seine Thesen geführt werden. Im Ringen mit Argumenten um den richtigen Weg liegt ein Wesenskern der Demokratie. Wer sich dem Diskurs verweigert und den eigenen Standpunkt damit absolut setzt, erweist der Demokratie einen Bärendienst.

„Wir distanzieren uns von einer ideologischen Nähe zur AfD"

Diese Aussage und seine Lesungen im AfD-Umfeld werden von Michael Pusch kritisiert. Der Sprecher der Linken im Kreis Gütersloh sieht in Gockel einen „innigen Unterstützer der AfD" und betrachtet die reine Ankündigung der Lesung bereits als „rassistische Propaganda". Gockel schreibe außerdem für die Wochenzeitung »Junge Freiheit« und die gelte als Leitmedium der »Neuen Rechten« in Deutschland, schreibt Pusch an diese Zeitung.

Udo Heidemann zeigte sich entsetzt davon, dass ihm rechtspopulistisches Gedankengut und eine ideologische Nähe zur AfD unterstellt wurden. „Wir distanzieren uns ausdrücklich von solchem Gedankengut und von einer ideologischen Nähe zur AfD", betonte er. Als liberaler Gastgeber habe er die Diskussion und kritische Reflexion von Politik und aktuellem Zeitgeschehen im Sinn gehabt.

Heidemann bedauert, dass es im Zusammenhang mit der Lesung zu Missverständnissen gekommen und dass eine solche Diskussion zum gegenwärtigen Zeitpunkt offenbar nicht möglich sei. „Die starke und sehr polarisierende Resonanz zu diesem Thema zeigt die Notwendigkeit gemeinsamer Gespräche. Leider sehen wir uns nicht in der Lage, diese auf unserem Rücken unter persönlichen Beleidigungen auszutragen."

In seinem Buch »Finale Deutschland« setzt sich Hans-Hermann Gockel sehr kritisch mit der aktuellen Flüchtlings- und Asylpolitik auseinander. Er unterstellt den politisch Handelnden „Gedankenfaulheit", sobald die Themen Asyl, Islam und Innere Sicherheit angesprochen würden. Gockel unterstellt außerdem, dass die Bürgerinnen und Bürger systematisch von der Politik getäuscht und belogen würden.

Der Autor kritisiert die Medien für ihre aus seiner Sicht wenig rühmliche Rolle in der öffentlichen Diskussion. Insbesondere die Berichterstattung über die Partei AfD sei vielfach tendenziös und häufig schlicht falsch, so der frühere TV-Moderator in seinem Buch.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.