VersmoldAltstadthotel schließt: Familie Nagel begründet dies jedoch nicht mit Corona

Der Vier-Sterne-Betrieb mitten in der Innenstadt schließt zum Monatsende. Der Versuch, das Traditionshaus zukunftsfähig aufzustellen, ist damit gescheitert. Die Corona-Krise tut ihr Übriges.

Tasja Klusmeyer

Die Türen des Altstadthotels bleiben nach dem 31. März geschlossen. Die wirtschaftliche Situation, die sich durch die Corona-Krise nochmals verschärft hat, führt zu diesem Schritt. - © Michael Adamski
Die Türen des Altstadthotels bleiben nach dem 31. März geschlossen. Die wirtschaftliche Situation, die sich durch die Corona-Krise nochmals verschärft hat, führt zu diesem Schritt. © Michael Adamski

Versmold. Fünf Jahre, nachdem das Hotel-Restaurant Froböse seine Türen schloss, verliert Versmold sein größtes Hotel. Wie das Unternehmen am Montagnachmittag mitteilt, stellt das Altstadthotel zum 31. März den Betrieb ein. Die Nachricht kommt überraschend – für die Inhaberfamilie Nagel ist die Schließung offenbar seit längerer Zeit Thema. Die Auswirkungen der Corona-Krise hätten nun dazu geführt, dass dieser Schritt „um einige Wochen vorgezogen“ werde, heißt es in der Pressemitteilung.

Geplant war er demnach ohnehin. Ausschlaggebend für die Entscheidung sei nicht zuletzt die Tatsache, dass der Vier-Sterne-Betrieb mit seinen 42 Zimmern in der heutigen Zeit nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne. Besonders die Übernachtungszahlen durch Geschäftsreisende seien seit Jahren rückläufig. „Das Aufkommen an anderen Übernachtungsgästen wie beispielsweise Touristen ist in Versmold zu gering, um ein Hotel dieser Größenordnung wirtschaftlich betreiben zu können.“

In den vergangenen Jahren habe die Betriebsgesellschaft auf verschiedene Weise versucht, dem Haus eine gute Zukunft zu geben. Unter anderem ist der Saal grundlegend modernisiert worden, um dem Publikum sowohl für Tagungen als auch für Feste und Feiern zur Verfügung zu stehen.

31 Mitarbeiter sind betroffen

Mitten in der großen Umbauphase gab es einen personellen Wechsel an der Spitze. Im Oktober 2017 folgte Ludger Henneken dem langjährigen Geschäftsführer Karl Heinz Gerlach als Hoteldirektor. Der versierte Hotelfachmann sollte neue Akzente setzen und das Haus, das sich seit 1983 in Händen der Familie Nagel befindet, zukunftsfähig gestalten. Aus persönlichen Gründen entschied sich Henneken im Sommer 2019 für eine berufliche Veränderung. Seitdem ist Vasilena Yordanova an der Spitze – an die Öffentlichkeit ist die Chefin dabei nicht groß getreten. Offenbar aus gutem Grund.

Die bittere Erkenntnis: Die Nachfrage nach Übernachtungen und Saalnutzung sei viel zu gering gewesen, um den Betrieb noch länger zu rechtfertigen. Gleiches gelte für den Betrieb der Tenne sowie für den Biergarten und die Kachelstube. „In Zeiten sich verändernder Freizeitgestaltung hat das Publikum die klassischen Angebote des Altstadthotels nicht mehr in dem Maße angenommen, das notwendig gewesen wäre. Das gilt es nun zu respektieren“, heißt es in der Pressemitteilung.

Was passiert mit dem Standort in zentraler Lage?

Die wirtschaftliche Situation hat sich zuletzt verschärft. Aufgrund der Corona-Krise ist der Übernachtungsbetrieb seit Wochen stark rückläufig. Zudem mussten zum Schutz der Gäste wie auch des Personals alle geplanten Veranstaltungen abgesagt werden. Die Altstadthotel GmbH & Co. KG zieht vorzeitig die Reißleine.

31 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen. „Letztlich konnte trotz all ihrer Mühe keine Lösung gefunden werden, die den Betrieb des Hauses wirtschaftlich nachhaltig gemacht hätte“, schreibt das Unternehmen. Die Mitarbeiter seien über die neue Situation informiert worden; ihnen wurde zum Monatsende gekündigt. Ein besonderes Augenmerk gelte nun den drei Auszubildenden. Diese würden je nach Ausbildungsfortschritt noch bis zur bald anstehenden Abschlussprüfung begleitet beziehungsweise bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsunternehmen unterstützt.

Versmold verliert Arbeitsplätze und eine Traditionsadresse. Die Schließung trifft die Stadt wahrlich mitten ins Herz. Über die künftige Nutzung des Areals ist derweil, so heißt es, noch keine abschließende Entscheidung gefallen. „Hier soll eine langfristige Lösung gefunden werden, die zu der zentralen Lage im Stadtkern passt und wenn möglich zu einer positiven Stadtentwicklung beiträgt.“

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