VersmoldNagel-Group: Was steckt hinter dem großen Immobilien-Verkauf?

Der Konzern hat 34 Gebäude in Deutschland und Dänemark an zwei verschiedene Investoren veräußert, um sie langfristig anzumieten. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Geschätzt dürften rund 250 Millionen Euro geflossen sein

Nicole Donath

Große Ziele: Die Versmolder Nagel-Group will das Geld aus Immobilienverkäufen nutzen, um in Digitalisierung und Weiterentwicklung zu investieren. - © www.andrezelck.com
Große Ziele: Die Versmolder Nagel-Group will das Geld aus Immobilienverkäufen nutzen, um in Digitalisierung und Weiterentwicklung zu investieren. © www.andrezelck.com

Versmold. Diese Nachricht hat in der Belegschaft wie auch in der gesamten Logistikbranche am Mittwochmorgen für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt: Nachdem die Nagel-Group bereits große Teile des Fuhrparks sowie Vermögensgegenstände der Betriebs- und Geschäftsausstattung – das können Mobiltelefone, Rechner oder Mobiliar sein – verkauft und zurückgeleast hat, wurde jetzt bekanntgegeben, dass auch 34 Logistikimmobilien verkauft wurden. Dabei bleiben die Standorte für die Nagel-Group erhalten: Sie wurden langfristig wieder angemietet.

Welche Standorte betroffen sind, wurde nicht mitgeteilt. Nur so viel, dass es sich um 260.000 Quadratmeter Gesamtfläche handelt – verteilt auf 26 Gebäude in Deutschland und acht in Dänemark. Ausgehend von branchenüblichen fünf Euro Mietpreis pro Quadratmeter, einer Vertragslaufzeit von zehn Jahren und einem bestimmten Restwert der Immobilien nach Ablauf dieser Zeit, dürften nach dieser Rechnung rund 250 Millionen Euro geflossen sein.

„Konzentration auf die logistischen Kernkompetenzen"

Große Pläne: CEO Carsten Taucke. Foto: Andre Zelck - © Andre Zelck
Große Pläne: CEO Carsten Taucke. Foto: Andre Zelck (© Andre Zelck)

CEO Carsten Taucke begründete den Deal gegenüber den Medien und in einem Rundschreiben an alle Landesgeschäftsführer so: „Die Nagel-Group hat einen umfassenden Modernisierungskurs eingeschlagen. Teil unserer Neuausrichtung ist die Anpassung unserer eigenen Assets, damit wir uns auf unsere logistischen Kernkompetenzen fokussieren können."

Weiter heißt es in der Erklärung, dass das Unternehmen „einen langfristigen strategischen Ansatz" verfolge, um sich auf „die Herausforderungen des Marktes" einzustellen: „Als Bindeglied in der Lieferkette will die Nagel-Group in der Lage sein, logistische Prozesse schnell und agil anpassen zu können", so Taucke, der seit Dezember 2018 an der Spitze des Unternehmens steht. Nicht zuletzt erhöhe der Verkauf der Immobilien die Investitionsfähigkeit der Nagel-Group: „Durch den Verkauf stehen zusätzliche Mittel zum Beispiel für die Digitalisierung, Automatisierung und Weiterentwicklung unseres Kerngeschäfts zur Verfügung", heißt in dem internen Rundschreiben. „Nagel richtet sich auf die Zukunft aus."

Innerhalb der Branche hegte man am Mittwoch indes mancherorts Zweifel daran, dass dies der einzige Grund für den Immobiliendeal sei. Denn nachdem erst große Teile des Fuhrparks verkauft worden seien und jetzt noch ein großer Anteil der Immobilien, würde sich die Frage stellen, ob Nagel dieses Geld brauche. Ein Sprecher des Logistikriesen bezieht dazu Stellung: „Nein, diese Schlussfolgerung ist nicht richtig. Die Entscheidung für das Sale-and-lease-back-Modell wurde vor dem Hintergrund strategischer Überlegungen gefällt." Auf die Frage, ob noch weitere Immobilienverkäufe geplant seien, erklärt er: „Wir verfolgen den Ansatz, eine wirtschaftlich und strategisch sinnvolle Mischung aus gemieteten, gemeinsam mit Projektentwicklern gebauten und eigenen Immobilien zu nutzen. Derzeit gibt es aber keine weiterführenden Pläne, an unserer Immobilienstruktur weitere Anpassungen vorzunehmen."

Gebäude der Zentrale in Versmold wurde verkauft

Welche Objekte zu den 34 verkauften Immobilien gehören, hat die Nagel-Group nicht öffentlich gemacht. Vorliegenden Informationen zufolge ist aber belegt, dass auch die Zentralverwaltung mit den umliegenden Gebäuden an der Friedrich-Menzefricke-Straße veräußert wurde – und zwar schon 2017. Hier kommt neben den beiden Investoren CCP 5 LL und Barings Real Estate allerdings ein dritter Investor ins Spiel: die »Devotar Grundstücksverwaltungsgesellschaft mbH & Co. Objekt Versmold KG« aus Mainz. Und in der Bilanz der Nagel-Group für 2017 ist noch die Beteiligung von weiteren Leasingunternehmen aufgelistet – unter anderem werden die Phormium Grundstücksverwaltungsgesellschaft aus Mainz oder die Maxima Grundstücksverwaltungs GmbH & Co. Vermietungs-KG Pullach genannt.

„Abbau von 32 Arbeitsplätzen in Versmold geplant"

Aber welches Signal sendet Nagel aus, wenn die Keimzelle des europaweit agierenden Logistikspezialisten nicht mehr zum Eigentum gehört? Bekennt sich Nagel noch klar zum Standort Versmold, oder ist mittelfristig eine Verlegung des Sitzes denkbar? Die Antwort des Konzerns auf eine entsprechende Anfrage des HK: „Diese Frage stellt sich heute nicht."

Unterdessen bestätigte der Konzern, dass die Verhandlungen mit dem örtlichen Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan abgeschlossen wurden. „Im Rahmen unseres umfassenden Modernisierungskurses verschlanken wir unsere Verwaltung. Ein Schwerpunkt liegt hierbei in unserer Verwaltung in Versmold, wo rund 40 Stellen abgebaut werden. Derzeit werden die betroffenen Mitarbeiter persönlich informiert", so der Sprecher.

In einem Papier, das der HK-Redaktion vorliegt, ist aktuell nur noch von 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Rede. Dabei soll der Personalabbau teilweise durch die Nichtverlängerung von befristeten Arbeitsverträgen, den Abschluss von freiwilligen Aufhebungsverträgen und/oder den Ausspruch von betriebsbedingten Kündigungen erfolgen.

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