Alle Flüge gestrichen: Steinhagener Familie sitzt in Marokko fest

Frank Jasper

Mehr als 200.000 Reisende wurden bisher in Folge der Corona-Krise aus dem Ausland zurück nach Deutschland geholt. Familie Fathi aus Steinhagen war nicht darunter. Die Stimmung ist zunehmend verzweifelt.

Familie Fathi sitzt seit dem 6. März in Marokko fest. - © Privat
Familie Fathi sitzt seit dem 6. März in Marokko fest. (© Privat)

Steinhagen/Rabat. Zusammen mit seiner Frau Hanane und den Töchtern Lina und Yassmin war Hicham Fathi am 6. März in Rabat, der Hauptstadt von Marokko, gelandet. „Von da aus sind wir zu meinen Schwiegereltern in El Jadida gefahren. Unsere zweite Station sollte Agadir an der südlichen Atlantikküste sein. Doch daraus ist aufgrund der Corona-Pandemie schon nichts mehr geworden", berichtet Hicham Fathi dem Haller Kreisblatt. Denn in Marokko herrschte zu diesem Zeitpunkt bereits Ausnahmezustand.

Familie Fathi beschloss, zurück nach Deutschland zu fliegen. Doch das war inzwischen unmöglich geworden. Denn Marokko hat den internationalen Flug- und Fährverkehr bereits Mitte März eingestellt. Die Landesgrenzen sind geschlossen. „Eine Ausreise ist de facto nicht mehr möglich", heißt es dazu von der deutschen Botschaft in Rabat. Das musste auch die Familie aus Steinhagen erfahren.

Es gibt keine Flüge mehr aus dem Land heraus

„Hier gilt täglich ab 18 Uhr eine Ausgangssperre. Jede Stadt in Marokko hat jetzt einen Grenzübergang, der von der Polizei bewacht wird. Um von Stadt zu Stadt zu gelangen, braucht man einen Passierschein", berichtet Hicham Fathi, der beim Haller Pharmaproduzenten Baxter Oncology als Mechaniker arbeitet. Ein entsprechendes Papier hat die deutsche Botschaft der Familie inzwischen ausgestellt. Die Bescheinigung sollte den Steinhagenern helfen, die Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen. Doch Familie Fathi musste die bittere Erfahrung machen, dass selbst dieses offizielle Dokument nicht überall eine Durchreise erlaubt. „Es liegt immer im Ermessen der Kontrollen, einen Grenzübergang – auch von einer Stadt zur anderen – zu ermöglichen", so Hicham Fathi. Und wohin überhaupt?

„Die Fluggesellschaft Ryanair wird voraussichtlich erst im Juni wieder Flüge anbieten", hat Hicham Fathi herausgefunden. Eine Möglichkeit, auf eigene Faust zurück nach Deutschland zu kommen, hält er für ausgeschlossen, da alle Mobilitätsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Jetzt hofft die Familie auf das Rückholprogramm des auswärtigen Amtes. „Wir haben uns auf der entsprechenden Seite registriert", berichtet Hicham Fathi. Doch bisher wurden er und seine Familie nur vertröstet.

Die deutsche Botschaft in Rabat lässt wenig Raum für Hoffnung: „In einer enormen Kraftanstrengung haben wir und das auswärtiges Amt in der vergangenen Woche 13 Rückholflüge für 3.488 Passagiere organisiert. Weitere Flüge wird das auswärtige Amt nicht anbieten können." Die Botschaft verweist auf den marokkanische Luftraum, der seit dem 22. März in Folge der Pandemie komplett gesperrt sei. Ein Passagierflugverkehr fände nicht mehr statt. „Für alle in Marokko festsitzenden Deutschen bemühen wir uns um eine Lösung", versichert die deutsche Botschaft. Doch wie die aussehen könnte, bleibt für die betroffenen Deutschen ungewiss, zumal ein Kontakt zur Botschaft zunehmend schwierig wird. Denn in Folge der Coronakrise hält die Einrichtung nur noch einen Notbetrieb aufrecht.

Durchhalteparolen von der deutschen Botschaft

Am Wochenende wandte sich der deutsche Botschafter Götz Schmidt-Bremme über Facebook an seine Landsleute. In seiner Nachricht stimmt er die in Marokko verbliebenen Deutschen darauf ein, dass weder Fähren noch Flugzeuge das Land in naher Zukunft verlassen werden. Nur noch in wenigen Ausnahmen seien Evakuierungen aus Casablanca möglich. Diese seien ausschließlich für Touristen gedacht. Darunter fallen laut Botschafter nicht diejenigen, die in Marokko familiäre Wurzeln haben. Für die gestrandeten Urlauber und alle anderen Deutschen, die das Land lieber verlassen möchte, gibt es Durchhalteparolen:

„Richten wir uns mit der Lage vor Ort ein, haben wir Verständnis und Geduld miteinander und in unseren Kontakten nach außen", schreibt der Botschafter. Der Ausnahmezustand und die Suspendierung des internationalen Flug- wie auch Fährschiffsverkehrs seien zunächst bis zum 30. April begrenzt. Wie es danach weitergehen wird, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Familie Fathi ist zunehmend verzweifelt. „Unser Geld wird immer knapper und die Sorgen immer größer", so Hicham Fathi. „Zurzeit sind wir bei meinen Schwiegereltern untergebracht, da unsere finanziellen Mittel ausgeschöpft sind. Ich hoffe jeden Tag, etwas positives zu hören. Bisher vergebens."

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