Giftköder in Steinhagen: Junge Katzen schon dreimal vergiftet

Die beiden kleinen Katzen von Barbara und Axel Gutmann wurden schon dreimal vergiftet. Nun dürfen sie nicht mehr raus. Wer legt das Gift aus?

Anke Schneider

Lizzy und Smoky leben noch. Das ist einem Schutzengel und der Aufmerksamkeit ihrer Besitzer Barbara und Axel Gutmann zu verdanken. - © Anke Schneider
Lizzy und Smoky leben noch. Das ist einem Schutzengel und der Aufmerksamkeit ihrer Besitzer Barbara und Axel Gutmann zu verdanken. (© Anke Schneider)

Steinhagen. Lizzy und Smoky sind zwei junge Katzen, die neugierig ihre Welt erobern. Gern sitzen sie auf der Fensterbank und schauen in den Garten. Raus dürfen sie nicht, denn dort ist es viel zu gefährlich für sie. Das war aber nicht immer so.

„Wir haben die beiden Katzen im August aus dem Tierheim geholt – da waren sie ein halbes Jahr alt", erzählt Katzenpapa Axel Gutmann. „Sie sind von ihrer Mutter verlassen worden und wurden mit der Hand aufgezogen", ergänzt seine Ehefrau Barbara. Die Katzen sollten als Freigänger gehalten werden, so die Vorgabe des Tierheims. In der Siedlung rund um die Marienburger Straße, wo die Gutmanns wohnen, eigentlich kein Problem.

Im September wurden die beiden Stubentiger kastriert, vier Wochen später durften sie zum ersten Mal raus. „Am 9. Oktober kam Lizzy mit einem kleinen Beutel im Maul zurück", so Barbara Gutmann. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich der Beutel als Rattenköder. Das Gift trägt den Namen Rodentizid und ist ein Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren. Es gehört in die Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten und hemmt die Blutgerinnung. Bei Einnahme verbluten die Tiere innerlich nach einigen Tagen.

Köder könnten im Sandkasten landen

Die Gutmanns schafften beide Tiere sofort in die Tierklinik, wo sie Dank des schnellen Eingreifens gerettet werden konnten. Ein Bluttest zeigte, dass sich beide Katzen eine Vergiftung zugezogen hatten. Zwei Wochen lang mussten die Katzen ein Vitamin-Präparat nehmen.

Familie Gutmann wurde aktiv – wandte sich an die Polizei und an das Ordnungsamt. „Wenn die Köder so leicht zugänglich sind, dann können sie von Katzen oder anderen Tieren auch mal ins Freie geschleppt werden und möglicherweise in einem Sandkasten landen", beschreibt Axel Gutmann die Gefahr, die von ungesicherten Giftködern ausgeht. Das Ordnungsamt der Gemeinde wurde tätig und erstellte Flyer, die über den Giftfund aufklärten, die Gefahren für Wildtiere und Menschen aufzeigte und Tipps zur sicheren Rattenbekämpfung gaben. Axel Gutmann klapperte dennoch die Nachbarschaft ab, um die Anlieger eindringlich darum zu bitten, die Augen offen zu halten.

Mit gutem Gefühl ließ das Paar seine Katzen nach deren Genesung wieder ins Freie. „Zwei Stunden später kamen sie erneut mit diesen Ködern an", berichtet Barbara Gutmann. Mit großer Bestürzung fuhren die Gutmanns erneut zur Tierklinik. Die ganze Prozedur musste wiederholt werden. Wieder besuchte Axel Gutmann die Nachbarn und die Menschen in den umliegenden Häusern. Niemand wollte jedoch der Verursacher dieses Dramas sein.

Smoky kämpft sich zurück ins Leben

Vor einigen Tagen dann der Schock: Die Katzen brachten dieses Mal von ihrem Ausflug einen Giftköder mit dem Namen Cumarax-Mäuseköder mit. Als Wirkstoff wird der Blutgerinnungshemmer Warfarin verwendet. Der Kater Smoky zeigte deutliche Krankheitszeichen, war benommen und ließ sich nicht anfassen. In der Tierklinik kamen Krämpfe dazu und der Tierarzt machte dem Paar aus Steinhagen wenig Hoffnung. Smoky kämpfte sich jedoch zurück ins Leben und ist inzwischen wieder fit. Nur die kahl rasierten Stellen an seinen Beinen erzählen von ein paar qualvollen Tagen für Katze und Katzenhalter.

„Ich weiß nicht mehr, was wir noch machen sollen", sagt Barbara Gutmann. Das Paar stellt sich die Frage, ob die Köder einfach nur gedankenlos ausgelegt wurden, um Mäuse und Ratten fernzuhalten, oder ob die Giftköder vielleicht ein gezielter Anschlag auf Haustiere sind.

Das Ordnungamt hat 160 Flyer verteilt. Doch die Köder liegen immer noch aus

Ersteres erscheint den beiden inzwischen wenig realistisch, da Axel Gutmann mehrere Male durch die Nachbarschaft gewandert ist und das Ordnungsamt 160 Flyer großräumig verteilt hat. „Wenn jemand die Köder gegen Nager ausgelegt hat, müsste er doch nun wissen, dass sie für andere Tiere leicht zugänglich sind", so Axel Gutmann.

Das vorläufige Ende des Liedes ist, dass die Gutmanns über 700 Euro Tierarztkosten hatten und die beiden Kätzchen nun nicht mehr raus dürfen. Die Wohnung wurde mit allerlei Spielzeug ausgestattet, damit die kleinen Tiger ihren Freiheitsdrang nicht so sehr spüren. Für Axel und Barbara Gutmann ist es allerdings schmerzhaft, wenn die beiden Seite an Seite am Fenster sitzen und die Natur draußen nur noch durch eine Glasscheibe betrachten können.

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