25-jähriger Architekturstudent gründet Hilfsprojekt im Senegal

Ungewöhnliches Projekt: SteinGy-Absolvent Pascal Völz gründet mit anderen Studenten die Initiative »Schulen für die Welt«. Mittlerweile koordiniert der 25-Jährige schon 130 ehrenamtliche Mitarbeiter. Bald geht es wieder in den Senegal

Jonas Damme

Pause auf dem Bus: Pascal Völz (Zweiter von rechts) und seine Kommilitonen nutzen das Fahrzeugdach um etwas frische Luft zu bekommen. Fotos: Schulen für die Welt - © Schulen für die Welt
Pause auf dem Bus: Pascal Völz (Zweiter von rechts) und seine Kommilitonen nutzen das Fahrzeugdach um etwas frische Luft zu bekommen. Fotos: Schulen für die Welt (© Schulen für die Welt)
Überzeugungsarbeit: Projektchef und Professor Manfred Lux erklärt lokalen Politikern die Baupläne. - © Schulen für die Welt
Überzeugungsarbeit: Projektchef und Professor Manfred Lux erklärt lokalen Politikern die Baupläne. (© Schulen für die Welt)

Steinhagen/Senegal. Dass es ihn schon bald in den Senegal treiben wird, hatte Pascal Völz, als er 2013 am Steinhagener Gymnasium sein Abitur machte, nicht erwartet. Ein Architekturstudium war eigentlich sein Plan. Trotzdem gründete er 2016 mit einigen seiner Kommilitonen das Hilfsprojekt »Schulen für die Welt«. Im Februar wollen die Nachwuchsarchitekten den ersten Stein setzen.

„Angefangen hat alles in unserem Lehrgebiet", berichtete der junge Entwicklungshelfer im HK-Gespräch. Die Uni habe sich mit nachwachsenden Rohstoffen beschäftigt. „Wir wollten mehr über Schilf herausfinden", so der 25-Jährige. Die Rohrkolben seien ein faszinierender, nachwachsender Baustoff. „Am Senegal-River ist die Pflanze sogar fast eine Plage." Im Rahmen eines Projektes seien mehrere Forscher dafür sogar nach Westafrika gereist, in die Stadt Saint Louis. „Dort haben uns Senegalesen angesprochen, ob wir für sie nicht eine Schulerweiterung planen könnten."

Info
Mehr zur Schulbau-Initiative unter www.schulen-fuer-die-welt.de. Auf der Internetseite zeigt ein Film anschaulich das Projekt.
Engagierter Student: Pascal Völz baut eine Schule. Foto: Damme - © Jonas Damme
Engagierter Student: Pascal Völz baut eine Schule. Foto: Damme (© Jonas Damme)

Tatsächlich eine gar nicht so abwegige Idee, gibt es in der Detmolder Abteilung für Architektur der Technischen Hochschule OWL doch etliche Studenten, die sich über eine konkretes Projekt freuen, an dem sie ihr Erlerntes ausprobieren können.

„Also haben wir mit Studenten Entwürfe geplant und die stärksten herausgesucht", berichtet der gebürtige Künsebecker, der heute in Bielefeld lebt. Die Vorgaben waren indes nicht nur stilistische, sondern Nachhaltigkeit, Umsetzbarkeit, Kosten. „Uns ist wichtig, dass wir mit regionalen Rohstoffen bauen", so Völz. „Reetdächer werden dort zum Beispiel schon immer verwendet, das wollen wir auch machen. Außerdem verwenden wir Lehm, der ist nebenbei sehr günstig."

Reet statt afrikanischem Blechdach: Die Studenten stellen hohe Ansprüche an das neue Schulgebäude, stilistisch wie ökologisch. Trotzdem soll das Gebäude bezahlbar bleiben. - © Schulen für die Welt
Reet statt afrikanischem Blechdach: Die Studenten stellen hohe Ansprüche an das neue Schulgebäude, stilistisch wie ökologisch. Trotzdem soll das Gebäude bezahlbar bleiben. (© Schulen für die Welt)

Das Projekt, das der Student mit nur sechs Kommilitonen und einem Professor gründete, trifft einen Nerv: Mittlerweile koordinieren Völz – der für die interne Organisation zuständig ist – und Co. schon 130 Studenten. Anfragen kommen nicht mehr nur aus dem Senegal, auch eine indische Einrichtung meldete sich vor kurzem. Bevor die Sache allerdings ausufert, wollen die jungen Planer erstmal ihre erste Schule fertig haben. Und die existiert vorerst nur auf dem Papier. Das Grundstück ist mittlerweile zwar gesichert, der Baubeginn steht aber noch bevor. „Wir haben einen Vertrag mit der Stadt senegalesischen Hafenstadt Saint Louis und der Bildungsministerin", erklärt der Ex-Gymnasiast. So solle sichergestellt werden, dass das Gebäude auch langfristig als öffentliche Schule genutzt werde und dass der Staat Senegal sich um ausreichend Lehrkräfte kümmert. Im Februar sollen die Bauarbeiten beginnen, mit viel Eigeninitiative – einerseits um Geld zu sparen, andererseits, weil es ja auch ums eigene Lernen geht.

Und dann? „Eine Waldorfschule im Senegal möchte mit uns arbeiten. Die haben sogar schon das Geld." Die Finanzen sind bei der Studenten-NGO natürlich existenziell. Das Geld ist knapp.

Zusammenarbeit mit dem SteinGy angestrebt

Auch bei der Finanzierung der Schule in Saint Louis stehen erst etwa zwei Drittel. Über Akquiseveranstaltungen, Weihnachtsmarktstände und Partnerschaften füllt »Schulen für die Welt« seine Kasse. Auch mehrere Firmen hätten sich bereits zu Partnerschaften bereiterklärt, berichtet Pascal Völz.

Die Flüge zahlen die Studierenden trotzdem zum Großteil aus eigener Tasche. Unterstützung gibt es auch von der Hochschule selbst: Die führt die Initiative als Forschungsprojekt. „So nimmt sie uns viel Bürokratie ab, stellt die Versicherung und einiges mehr", so der 25-Jährige, der in den vergangenen Jahren erst lernen musste, wie viel Aufwand hinter Entwicklungshilfe steckt – und das alles neben dem Studium.

Auch einen Austausch mit dem Steinhagener Gymnasium kann sich Völz gut vorstellen. So könnten die Schüler bei den Bauarbeiten helfen, Schüler aus dem Senegal kennenlernen und ganz nebenbei den Horizont erweitern. Erste Gespräche mit der Lehrerschaft hätten bereits stattgefunden. „Das SteinGy will uns langfristig unterstützen", sagt der Student.

Und wie soll es nun für Pascal Völz selbst langfristig weitergehen, Architekturbüro oder NGO? „Ich bleibe da auf jeden Fall mit drin", ist sich der junge Mann sicher. Gerade denke er über eine Doktorarbeit im Bereich des nachhaltigen Bauens nach.

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