Nach Übergriffen im Rathaus: Zehn Anzeigen gegen randalierenden Flüchtling

Anke Schneider

Krawall im Rathaus Foto: Frank Jasper - © Frank Jasper
Krawall im Rathaus Foto: Frank Jasper (© Frank Jasper)

Steinhagen/Halle. Der Angeklagte hatte die Polizei, Mitarbeiter der Ausländerbehörde und andere Amtsträger Ende vergangenen Jahres durch sein aggressives Verhalten in Atem gehalten. Von sich reden machte er vor allem durch seine Ausbrüche im Rathaus gegenüber verschiedenen Angestellten. Die Gemeindeverwaltung beauftragte daraufhin zum Schutz der Mitarbeiter einen Sicherheitsdienst.

Im Oktober und November kamen zehn Strafanzeigen zusammen, von denen nun neun Gegenstand der Anklage sind. Der Beschuldigte hatte sich Ende des Jahres in die Schweiz abgesetzt, fiel dort im Januar durch Schwarzfahren auf. Es wurde ein Haftbefehl erlassen und der 26-Jährige wurde von den Schweizer Behörden nach Deutschland überstellt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Zum Auftakt des Prozesses behandelten Richterin und Staatsanwaltschaft zunächst einen Vorfall vom 19. Oktober in einem Einkaufsmarkt in Steinhagen. Passanten hatten die Polizei gerufen, weil sie den 26-Jährigen als Täter eines Übergriffs auf zwei Frauen wiedererkannt hatten. Der Angeklagte hatte die Frauen angegriffen, weil sie ihn darauf hingewiesen hatten, dass es verboten ist, in der Öffentlichkeit zu urinieren.

Enorme Kräfte und kein Schmerzempfinden

Die Polizeibeamten berichteten, dass sie den Mann aus dem Kassenbereich herausgeholt haben und seine Personalien überprüfen wollten. Da der Asylbewerber keinen Ausweis herausgab, wurde er durchsucht. Dadurch eskalierte die Situation und der Beschuldigte griff nach der Dienstwaffe und zog daran. Die Waffe war jedoch in der Halterung gesichert und die Polizisten reagierten sofort. Der Asylbewerber wurde mit vereinten Kräften fixiert und nach draußen getragen. Alle drei Zeugen berichteten jedoch, dass der junge Mann über enorme Kräfte verfügte und offenbar kein Schmerzempfinden habe.

„Alle Techniken, die man als Polizist so lernt, funktionierten nicht", sagte ein 47-jähriger Polizeibeamter aus Halle. Besonders unangenehm sei ihm der Menschenauflauf gewesen, den der Vorfall auslöste. „Polizisten, die auf einem Afrikaner liegen, der »Fucking Nazis« brüllt, erregen nun mal Aufsehen", sagte er. „Das war eine sehr belastende Situation."

Der zweite Vorfall ereignete sich im Steinhagener Rathaus am 29. November. Nach Pöbeleien gegenüber den Mitarbeitern hatten Rathaus-Mitarbeiter die Polizei gerufen. Die Ordnungshüter trafen den aufgebrachten Mann vor dem Rathaus an. Wieder gebärdete er sich äußerst aggressiv, ließ er sich nicht widerstandslos mitnehmen und ergriff die Flucht. Mit herbeigerufener Verstärkung gelang es, den 26-Jährigen zu stellen. Auch dieses Mal hatte der Vorfall eine enorme Außenwirkung. „Vor dem Rathaus wurde gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut", sagte einer der Zeugen.

Am nächsten Tag erschien der Beschuldigte auf der Polizeiwache und gab an, dass sein Handy bei dem Einsatz am Vortrag verloren gegangen sei. Das Anliegen wurde aufgenommen und der Asylbewerber sollte sie Wache verlassen. Das tat er aber nicht – wurde stattdessen erneut aggressiv. Zwei Polizisten, die aus Gütersloh zur Verstärkung herbei gerufen worden waren, berichteten von Handgreiflichkeiten, in deren Verlauf der Angeklagte einen der Polizisten an der Krawatte zu Boden riss, die sich durch das Ziehen zuzog.

Um den Kollegen aus dieser gefährlichen Situation zu befreien, schlugen die Polizisten auf den Mann ein. Auch dieses Mal berichteten die Beamten von außergewöhnlicher Kraft und scheinbar fehlendem Schmerzempfinden bei dem Angeklagten. „Nur unter erheblichem Kraftaufwand konnten wir den Mann fixieren", sagte ein 52-jähriger Polizist.

Eine Einlassung von Seiten des Angeklagten gab es am Freitag, 22. März, nicht. Der Prozess wird am 5. April fortgesetzt. Dann sollen die Mitarbeiter des Steinhagener Rathauses als Zeugen vernommen werden.

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