HalleAktivisten verjagen die Grünen: Partei ist enttäuscht

Heiko Kaiser

Die Grünen Jochen Stoppenbrink und Frank Winter sprechen zu den Besetzern. Die erklären, dass sie unerwünscht seien. - © Heiko Kaiser
Die Grünen Jochen Stoppenbrink und Frank Winter sprechen zu den Besetzern. Die erklären, dass sie unerwünscht seien. © Heiko Kaiser

Halle. Am Tag danach bittet die Fraktion der Grünen zum Pressetermin. Die Erklärung von Storck am Donnerstagnachmittag, bis Ende Februar keine Maßnahmen im Zuge der Laibachverlegung vornehmen zu wollen, nutzen fünf Grünen-Vertreter, um am Stand von Fridays For Future noch einmal ihren Alternativvorschlag für die Laibachtrasse zu erläutern. Daraus wird nichts. Eine Sprecherin von Fridays For Future erklärt, FFF sei politisch unabhängig, der Termin nicht abgesprochen und bittet daher, den Ort zu wechseln. Massiver stellen sich die Waldbesetzer der Grünen-Abordnung in den Weg. Sie konfrontieren sie mit dem Vorwurf, nicht konsequent gegen die Storck-Erweiterung gestimmt zu haben. „Was wollt ihr hier? Geht doch rüber zu Storck, wenn ihr was zu sagen habt", ruft ein Aktivist.

"Es ist nicht Ihr Wald"

Jochen Stoppenbrink bleibt ruhig, erklärt gegenüber FFF, es sei unglücklich gewesen, dass man sich nicht vorher abgesprochen habe – und in Richtung der Waldbesetzer: „Es ist nicht Ihr Wald. Aber wir können gerne ein Stück weitergehen, um zu reden." Frank Winter, der den zivilen Ungehorsam der Aktivisten am Mittwoch im Rat (siehe unten) noch toleriert hat, schüttelt den Kopf angesichts der Aktion: „Da reicht man ihnen die Hand. Dann so etwas."

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Keine Gewalt dulden


Die tragende Säule von zivilem Ungehorsam ist die Gewaltfreiheit. Darin sind sich beispielsweise Befürworter wie der Philosoph Jürgen Habermas oder die Publizistin Hannah Arendt einig. Bislang war den Besetzern in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen. Allerdings beteiligen sie sich an einem Wettbewerb, der sich Riot Award nennt und Aktionen im Rahmen von Waldbesetzungen mit Punkten honoriert. Kein Problem, wenn Riot nicht auch brennende Polizeifahrzeuge bepunkten würde. Donnerstag nun hat ein Aktivist, nachdem ein Einbruch in die Storck-Villa gemeldet worden war, beim Award angefragt, ob es nicht für Villa squatten (besetzen) auch Punkte gebe. Auf die sollten die Aktivisten besser verzichten. Sonst distanzieren sich auch diejenigen, die zumindest die Motive ihrer Aktion grundsätzlich befürworten.

So ziehen die Grünen 200 Meter weiter an den Ententeich. Sie erklären, man freue sich, dass Storck sich kompromissbereit zeige, und hoffe, dass sich auf dieser Grundlage noch etwas bewege. Veronika Karpf erinnert an den im Umweltausschuss vorgetragenen Alternativvorschlag der Grünen, den Laibach nur wenige Meter weiter westlich zu verlegen, dabei die Zufahrt zur Storck-Villa zu nutzen und so das jetzt besetzte Waldstück zu erhalten. Sie erklärt: „Wir als Ratsmitglieder halten uns an Gesetze und besetzen keine Bäume. Wir aber haben die Möglichkeit, dem Umweltschutz durch unser Abstimmungsverhalten im Rat Nachdruck zu verleihen."

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