"Wir haben immer noch uns" - Kommentar zur Corona-Krise im Altkreis Halle

Nicole Donath

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Altkreis Halle. Redaktionsleiterin Nicole Donath kommentiert die aktuelle Situation:

"Die Rasanz, mit der die Coronakrise in den vergangenen Tagen auch den Altkreis Halle erreicht hat und das öffentliche Leben einschränkt, muss man tatsächlich erst einmal begreifen. Neue Nachrichten, vorwiegend schlechte, werden gerade im Stundentakt gemeldet. Dasselbe gilt für die Maßnahmen, mit denen man der Verbreitung des Virus entgegentreten will.

Auch deshalb sei allen Menschen für den Augenblick eine Phase der Rekonvaleszenz zugestanden. Denn wohl niemand hier hätte noch vor wenigen Wochen für möglich gehalten, dass die Lage in Wuhan – zunächst nur eine Meldung in den Abendnachrichten – auch uns betreffen wird. Dass auch zwischen Steinhagen, Halle und Versmold Schulen und Sportstätten und städtische Einrichtungen geschlossen oder reihenweise Veranstaltungen abgesagt werden. Dass Menschen plötzlich Hamsterkäufe tätigen und es Instastorys vom Marktkauf gibt, in denen Mitarbeiter mit Hubwagen voller Toilettenpapier durch die Graebestraße ziehen, um Nachschub sicherzustellen. Oder dass in vielen Läden plötzlich Mengenrationierungen gelten.

Ja, all das braucht erst einmal etwas Zeit und Ruhe und Abstand, um in diesem sehr surrealen Zustand wieder klare Gedanken fassen zu können. Dabei sind diese klaren Gedanken genau jetzt gefordert, denn wir sind darauf angewiesen, jede Menge positive Energie zu sammeln, um nicht nur wohlbehalten durch diesen Ausnahmezustand zu kommen, sondern uns auch auf die Zeit danach zu fokussieren. Auf jene Zeit, die schon bald wieder kommen wird – auch wenn man das bisweilen mitunter aus dem Blick verliert.

Die Menschen sind mehr denn je füreinander da

Während die verheerenden Buschbrände in Australien oder das Elend der Menschen in Syrien, der Türkei und Griechenland zwischen Krieg und Kälte, Armut und Gewalt kaum mehr nennenswerte Erwähnung finden, haben wir immer noch alles. Wir können in Frieden nach draußen gehen und gerade schönstes Frühlingswetter genießen. Wir haben am Ende immer noch ausreichend zu essen. Und: Die Menschen sind mehr denn je füreinander da und versichern sich gegenseitig ihre Unterstützung, gründen dazu Facebook-Gruppen, kaufen für andere ein, betreuen Kinder und Tiere. Welch eine unschätzbare Basis dafür, diese Zeit gemeinsam zu schaffen! Gefühlt gab es diesen Zusammenhalt lange nicht, nicht so intensiv. Und vielleicht führt der Ausnahmezustand am Ende sogar zu einer gewissen Demut, die uns gut tut, und viele Dinge wieder neu schätzen lehrt.

Nicole Donath - © Nicole Donath
Nicole Donath (© Nicole Donath)

Natürlich bedeutet das nicht, dass all die Sorgen und Ängste, die uns rund um das Thema Corona beschäftigen, etwa unberechtigt wären und sich mit einem Spaziergang in der Sonne erledigen. Dass sie von einem Lied fortgetragen werden könnten, oder vielleicht auch von einer Liebesnacht. Nein, so einfach ist es nicht. Jede(r) muss in diesen Zeiten besondere Aufgaben bewältigen und das kostet Kraft. Aber diese Herausforderungen lassen sich eben besser mit Zuversicht und Optimismus und der Bereitschaft, auch schöne Momente zuzulassen, meistern.

Altkanzler Helmut Schmidt sagte einst: „In der Krise beweist sich der Charakter." Daran sollten wir uns messen. Das Gute daran: Wir haben alle Möglichkeiten, genau diesen Charakter zu zeigen."

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.