Künsebecker ärgern sich über Deponie-Konzept

Uwe Pollmeier

Mülldeponie Künsebeck - © Herbert Gontek
Mülldeponie Künsebeck (© Herbert Gontek)
Mit der Aussicht auf Fördergelder hat ein Essener Planungsbüro eine Eventfläche skizziert. Von den Ideen für ein ruhiges Wandergebiet, welche die Künsebecker fünf Jahre zuvor in Workshops erarbeitet hatten, fehlt fast jede Spur. - © Planungsbüro DTP
Mit der Aussicht auf Fördergelder hat ein Essener Planungsbüro eine Eventfläche skizziert. Von den Ideen für ein ruhiges Wandergebiet, welche die Künsebecker fünf Jahre zuvor in Workshops erarbeitet hatten, fehlt fast jede Spur. (© Planungsbüro DTP)

Halle-Künsebeck. Die Künsebecker sind sauer. 33 Jahre lang hat man den Müll vor ihrer Haustür abgeladen und nun, wo sie kurz davorstehen, die Fläche der früheren Deponie zurückzubekommen, fühlen sie sich verschaukelt. Ihre 2013 in Workshops entwickelten Ideen für das Areal seien verpufft. Schließlich habe der Naturpark »TERRA.vita« für den landesweiten Wettbewerb »Naturpark.2021.NRW« in der Hoffnung auf Fördergelder einen Plan eingereicht, dessen Inhalte fast gar nichts mit den alten Ideen gemeinsam hätten.

„Damals war eine stille Naherholung geplant, nun ist die Rede von Wohnmobilstellplätzen, Veranstaltungsflächen und einem Jugendcamp", sagt Hermann Künsemöller, dem ein Teil der nun in den Fokus geratenen Fläche gehört. „So kann man mit uns nicht umspringen, das ist doch alles nur Beschwichtigungspolitik", sagt er auch mit Blick auf die Infoveranstaltung am kommenden Montag. Diese soll eigentlich die Wogen zwischen den Künsebeckern und der GEG, dem Kreis Gütersloh sowie der Stadt Halle glätten. Allerdings droht dort neuer Ärger.

Links zum Thema
Mehr über die Mülldeponie

"Wir wollen keine Informationen vorenthalten"

Offiziell eingeladen ist zu diesem Termin nur ein ausgewählter Personenkreis, bestehend aus Anwohnern, Vertretern der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) und früheren Workshopteilnehmern. Da sich das Thema in Halles größtem Ortsteil aber längst rumgesprochen hat, werden weitaus mehr Bürger kommen als erwartet. „Die Reaktion der Künsebecker hat uns überrascht und erschrocken. Wir wollen keine Informationen vorenthalten", beruhigt Sabine Lubeley, Pressesprecherin der Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen Kreis Gütersloh (GEG). Man werde keine Interessenten an der Tür abweisen, aber prinzipiell sei das Treffen nichtöffentlich. Jedoch habe sich die Sache verselbstständigt, so dass man umziehe. Statt bei Dröge trifft man sich nun bei Jäckel.

„Wir möchten den Künsebeckern etwas zurückgeben und sie mitentscheiden lassen", sagt Lubeley. Die Planung sei nicht fix und man wolle den Weg, der noch nicht zu Ende sei, mit den Bürgern gemeinsam gehen. Bleibt zu hoffen, dass sich auf diesem Weg niemand verläuft, denn Stand gestern wusste nicht einmal Hermann Künsemöller als einer der Grundstückseigentümer von dem neuen Veranstaltungsort.

„Wir wissen bisher von nichts", bekräftigt dieser. Er habe längst den Eindruck, dass man bewusst auf kleiner Flamme koche. Er wolle die Schuld nicht alleine auf die GEG schieben, schließlich seien viele Institutionen beteiligt. „Aber ich bin sauer und viele Künsebecker sind es auch", sagt Künsemöller. Es gebe nur wenige, die das Projekt in der jetzigen Form gut fänden.

Anfang Dezember fällt die Entscheidung

„Es war wichtig, in dieses Förderprogramm hineinzukommen", sagt Wilhelm Gröver, Abteilungsleiter Umwelt beim Kreis Gütersloh. Der Zeitplan sei äußerst straff gewesen, man habe von der Kenntnis des Wettbewerbs bis zum Bewerbungsschluss Mitte August nur rund acht Wochen Zeit gehabt. Mitte Oktober werde es nun eine Jurysitzung geben, in der man sich die einzelnen Projekte des landesweiten Wettbewerbs genau anschaut.

Anfang Dezember werde dann bekannt gegeben, welche Projekte der insgesamt zwölf NRW-Naturparke Gelder erhalten. Im Erfolgsfall könnte es für das rund 350.000 Euro teuere Projekt 245.000 Euro geben, was 70 Prozent der Kosten bedeutet. Die restlichen 105.000 Euro wären dann vom Kreis, von der GEG und von der Stadt Halle zu leisten. Sollte man den Zuschlag erhalten und die daran anschließenden Arbeiten nach Plan verlaufen, würde die Maßnahme »Großer Künsebecker Berg« Anfang 2021 eröffnen.

Künsemöller sieht das Projekt, so wie es auf den Skizzen des Planungsbüros DTP aus Essen vorgezeichnet ist, mit Sorge. „Da oben ist doch keine Nordseeluft", sagt Künsemöller. Wegen der austretenden Deponiegase müsse man höllisch aufpassen. „Man darf ja jetzt dort oben nicht mal mit dem Handy telefonieren", sagt der Eigentümer. Nun sei die Rede von Jugendgruppen, Campern und Eventflächen. „Ich sehe die ganze Angelegenheit daher sehr kritisch", betont der Anlieger.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.