Abschied mit Stil: Über den roten Teppich mit Brötchentüte ins Rathaus

Manfred Warias leitete jahrzehntelang das Ordnungsamt der Stadt Borgholzhausen. Da geht es oft um Falschparken, Graffiti und Hundesteuer. Für ihn war immer der Dialog mit den Bürgen besonders wichtig.

Andreas Großpietsch

Standesgemäßer Auftritt: Manfred Warias auf dem roten Teppich, den Ralf Vieweg als Fahrer der wimpelgeschmückten Limousine ausgerollt hat. - © Andreas Großpietsch
Standesgemäßer Auftritt: Manfred Warias auf dem roten Teppich, den Ralf Vieweg als Fahrer der wimpelgeschmückten Limousine ausgerollt hat. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Eigentlich war es am Montag so wie an jedem anderen Morgen in den letzten 30 Jahren: Die wimpelgeschmückte schwarze Limousine hielt vor dem Haupteingang des Rathauses, der formell gekleidete Fahrer holte den roten Teppich und die Aktentasche aus dem Kofferraum und öffnete den Wagenschlag. Manfred Warias stieg aus, in der Hand die Brötchentüte, und betrat unter dem herzlichen Applaus der Kollegen das Rathaus. Vielleicht mag aber auch die Tatsache, dass er seinen letzten Arbeitstag im Dienst der Stadt absolvierte, der Grund für den großen Auftritt gewesen sein.

Wer Manfred Warias kennt – und wer kennt ihn nicht in Borgholzhausen? – der weiß, dass der 63-Jährige solcherart Personenkult nur zum Spaß und nur an einem ganz besonderen Tag mitmachen würde – seinem letzten im Amt.

Aufgabenvielfalt gefiel ihm besonders

Davor liegt eine große Zahl von Tagen, an denen er zu Fuß zum Dienst kam – 43 Jahre lang, 33 davon als Leiter des Ordnungsamts. „Wenn es später war, bin ich auch mal mit dem Fahrrad gekommen", sagt er. Aber auch in solchen Fällen verzichtete er nahezu nie auf den kleinen Abstecher zur Bäckerei Welpinghus.

Mit viel Fantasie hatten die Kollegen das Büro für den letzten Arbeitstag geschmückt. - © Andreas Großpietsch
Mit viel Fantasie hatten die Kollegen das Büro für den letzten Arbeitstag geschmückt. (© Andreas Großpietsch)

Einerseits empfinde er schon ein wenig Wehmut, gab Manfred Warias zu Protokoll. „Andererseits habe ich es ja so gewollt", stellt er fest. Nach dem Abitur begann er im Borgholzhausener Rathaus 1977 ei-ne Ausbildung als Verwaltungsangestellter, absolvierte dann Bundeswehr und ein Studium an der Bielefelder Fachhochschule für öffentliche Verwaltung. Um dann als Beamter wieder zur Stadt Borgholzhausen zurückzukehren. Zunächst in der Finanzverwaltung. Auch die gefiel ihm, obwohl der damalige Vorgesetzte die Bitte um Anschaffung einer Rechenmaschine ablehnte. Mit Hinweis auf die Schulbildung, die Manfred Warias genossen hatte. 1987 wechselte Warias ins Ordnungsamt.

Manfred Warias im Eingangsbereich des Rathauses. - © Andreas Großpietsch
Manfred Warias im Eingangsbereich des Rathauses. (© Andreas Großpietsch)

Die Einrichtung seines Büros stammt wohl noch aus davorliegenden Zeiten und wurde jetzt kurzerhand für museumsreif befunden. Modern ist dagegen sein offizieller Titel. Manfred Warias ist Vertreter des Fachbereichsleiters des Fachbereichs Bürgerdienste und daselbst verantwortlich für das Team Ordnung. Oder eben Ordnungsamtsleiter, wie es eigentlich nicht mehr heißt, aber von jedem gesagt wird.

Bürgermeister war einst sein Zivi

Graffiti und Falschparken, Abfallgebühren und Hundesteuer – das sind nur einige der Aufgaben dieses Fachbereichs, den wiederkehrende Reformen immer wieder verändert haben. Was übrigens kein Umstand ist, der Manfred Warias gestört hätte. „Mir hat immer gefallen, dass die Aufgabe so abwechslungsreich ist", erklärt er, warum er sich nie auf eine andere Stelle im Hause beworben hat.

Die Veränderungen waren erheblich: „Anfangs gehörte der Umweltbereich zu meinen Aufgaben", erinnert sich Warias. Da waren zum Beispiel auch die Zivildienstleistenden zu betreuen. Einer von denen, an die er sich besonders gut erinnert, ist bis Montag sein Vorgesetzter gewesen: Bürgermeister Dirk Speckmann.

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