Naturdenkmale in Borgholzhausen: Älteste Eiche schon fast 500 Jahre alt

In Borgholzhausen gibt es zehn Sehenswürdigkeiten der Natur – Stieleichen, Steinbrüche und ein Findling. Eine Eiche sticht wegen ihres hohen Alters hervor. Doch es gibt auch verstorbene Exemplare

Ekkehard Hufendiek

Gestorben: Zwei alte, solitäre Linden sind vor einigen Jahren im Auftrag der Unteren Landschaftsbehörde gefällt worden. Im Landschaftsplan Osning sind sie immer noch als Naturdenkmale verzeichnet. Ines von Kerssenbrock zeigt auf deinen der langsam zerbröselnden Baumstümpfe. - © Ekkehard Hufendiek
Gestorben: Zwei alte, solitäre Linden sind vor einigen Jahren im Auftrag der Unteren Landschaftsbehörde gefällt worden. Im Landschaftsplan Osning sind sie immer noch als Naturdenkmale verzeichnet. Ines von Kerssenbrock zeigt auf deinen der langsam zerbröselnden Baumstümpfe. (© Ekkehard Hufendiek)
Stieleiche am Landweg: Bei einem Stammumfang von knapp vier Metern liegt ihr geschätztes Alter bei fast 300 Jahren. Doch noch beeindruckender dürfte wohl die schöne Krone mit den weit ausladenden Ästen sein. - © Ekkehard Hufendiek
Stieleiche am Landweg: Bei einem Stammumfang von knapp vier Metern liegt ihr geschätztes Alter bei fast 300 Jahren. Doch noch beeindruckender dürfte wohl die schöne Krone mit den weit ausladenden Ästen sein. (© Ekkehard Hufendiek)

Borgholzhausen. Der Besuch der Naturdenkmale in Pium beginnt mit einer Enttäuschung: Zwei alte Hoflinden, die die Einfahrt zum wunderschönen Wasserschloss Brincke seit Jahrzehnten wie zwei stämmige Posten bewachten, sind schon vor mehreren Jahren gefällt worden. Ein Pilz habe sie ausgehöhlt und anfällig gemacht für Windbruch, erzählt Schlossherrin Gräfin Ines von Kerßenbrock. Im Landschaftsplan Osning sind die zwei alterswürdigen Sommerlinden zwar noch als Naturdenkmale verzeichnet, doch längst sah sich Hans-Martin Bröskamp gezwungen, der Naturdenkmalbeauftragte der Unteren Landschaftsbehörde in Gütersloh, ein Unternehmen mit den Fällarbeiten zu beauftragen. Vermutlich rechtzeitig, denn als einer der Stämme auf das Kopfsteinpflaster krachte, so erzählte es jetzt der Verwalter des Anwesens, sei der gesamte morsche Stamm auseinandergebrochen wie Porzellan.

Jetzt verrotten zwei mächtige Baumstümpfe neben dem Wassergraben am Schloss und zeugen von der einstigen Pracht der beiden Linden. Gräfin Ines von Kerßenbrock hat zwei junge Ahornbäume neben die Stümpfe gesetzt. In rund 200 Jahren könnten auch sie einen besonderen Schutzstatus erhalten. Im niedersächsischen Königslutter hingegen gibt es die sogenannte Kaiser-Lothar-Linde, deren Alter auf fast 900 Jahre geschätzt wird.

Ein Baum dieser Größenordnung liefert Atemluft für elf Menschen

Die Enttäuschung weicht beim Blick auf zwei alter Stieleichen am Landweg, die Luftlinie nur etwa einen Kilometer entfernt vom Schloss Brincke unter Schutz gestellt sind. Die zwei Exemplare bestechen durch ihre ausladenden Äste. Ihre mächtigen Kronen scheinen den gesamten Hof zu überspannen. Etwa 300 Liter Wasser täglich verdunstet allein einer der zwei Baumriesen über seine geschätzt fast eine Millionen Blätter. Im Gegenzug produziert der Baum dieser Größenordnung Atemluft für rund elf Menschen am Tag. Dabei zählen die Bäume mit ihrem Stammumfang von etwa vier Metern zu den jüngeren denkmalgeschützten Stieleichen im Altkreis.

Borgholzhausens Naturdenkmale: Ein Findling und viele alte Eichen sind unter Schutz gestellt. - © Ekkehard Hufendiek
Borgholzhausens Naturdenkmale: Ein Findling und viele alte Eichen sind unter Schutz gestellt. (© Ekkehard Hufendiek)

Eine der ältesten Bäume, der als Einzelexemplar einen besonderen Schutz genießt, wächst südlich der B 68 an der Torausfahrt des Hofes Pettker. Die Stieleiche besitzt einen in Brusthöhe gemessen Stammumfang von genau sechs Metern. Damit kommt sie auf ein geschätztes Alter von mehr als 470 Jahren. Möglicherweise hat sie ihre Triebe schon Richtung Himmel gestreckt kurz nachdem Christoph Kolumbus Amerika entdeckte und den Kontinent für Indien hielt. Der Baum zeigt allerdings schon Spuren von Zersetzung. Ganz sicher zumindest ist der Stamm innen hohl. Nahezu unzerstörbar indes erweist sich ein anderer Zeuge aus noch weiter zurückliegenden Tagen: ein Findling, der etwa 1,50 weit aus der Erde ragt und fast drei Meter lang ist. In einer der letzten Eiszeiten hat ihn ein Gletscher bis nach Borgholzhausen geschoben. Als das Eis schmolz, blieb der Brocken liegen. Er ist jetzt das einzige Naturdenkmal in Pium, das als steinernes geomorphologischer Zeugnis dient. Eigentlich schreibt der Landschaftsplan vor, dass im Umkreis von zwei Metern des Findlings kein Gehölz eingebracht werden darf. Doch der Findling auf dem Foto ist von Eiben umschlossen. Das ist vermutlich in Ordnung. Denn damit sich die Hofeigentümer nicht zu sehr gegängelt fühlen, drückt die Behörde immer wieder ein Auge zu bei der Umsetzung des Schutzstatus – zurecht, denn schließlich helfen die Privatleute andererseits auch bei die Pflege und den Erhalt der Naturdenkmäler. Woran es hingegen im Altkreis mangelt ist eine deutliche Kennzeichnung der Naturdenkmale: Hier hat die Untere Landschaftsbehörde noch Nachholbedarf.

Borgholzhausens Naturdenkmale: Ein Findling und viele alte Eichen sind unter Schutz gestellt. - © Ekkehard Hufendiek

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