Selbst genähte Masken: Schützen sie uns wirklich vor dem Coronavirus?

Weil es zu Lieferengpässen kommt, werden Ärzte in Niedersachsen aufgefordert, Masken selbst zu nähen - etwa aus Bettlaken. Auch in Gütersloh versuchen Ärzte sich so zu helfen. Aber ist das wirklich sicher?

Lena Vanessa Niewald

Gütersloh. Sie sind derzeit Mangelwaren: Desinfektionsmittel und Schutzmasken. Die Apotheken haben schon seit Wochen keine mehr – und auch bei vielen Ärzten wird es knapp. Wenn sie denn überhaupt je im Besitz welcher waren.

Helge Braun, Chef des Bundeskanzleramts betonte in der ARD-Corona-Diskussionsrunde bei Anne Will am Sonntagabend, dass Ärzte schon bald Nachschub an Masken und Co. bekommen werden. Und auch vom Hausärzteverband Westfalen-Lippe heißt es am Montag auf Nachfrage: "Die Belieferung der Praxen mit Schutzkleidung ist angekurbelt.”

Aber wie lange müssen Praxen noch warten? Der Hausärzteverband in Niedersachsen handelt selbst. Er hat hat jetzt eine Nähanleitung für einen Behelf-Mund-Nasen-Schutz an Ärzte verschickt. Mit dieser sollen sie Schutzmasken selbst herstellen.

"Um uns selbst und andere in Zeiten von Lieferengpässen zu schützen, haben wir diese Nähanleitung recherchiert und empfehlen, Ihre Patientinnen und Patienten in die Produktion einzubinden und Ihrer Praxis zur Verfügung zu stellen”, heißt es in dem Rundschreiben.

So sollen die Masken gemacht werden:

Hergestellt werden sollen die Masken aus einem atmungsdurchlässigen Baumwollstoff, zum Beispiel aus einem Geschirrtuch, einem Bettlaken oder einem T-Shirt ohne Elastan.

  • Dann zeichnet man ein 20 x 20 Zentimeter großes Stofftuch an und schneidet es aus. Eine Seite wird umgenäht, die gegenüberliegende Seite zusammen mit Draht ebenfalls.
  • Das Textilstück wird gefaltet; die Falten lässt man auffallen. Das Stoffstück wird mit der Außenseite aufgelegt und in vier gleiche Teile nach innen gefaltet (Buchfaltung).
  • Die Falten werden geöffnet. „Jeweils an die äußere Falte legen und bügeln, auffalten, äußere Falte nach innen legen und bügeln", heißt es weiter.
  • Das gefaltete Textilstück wird mit Stecknadeln fixiert.
  • Dann braucht man zwei Streifen Schrägband aus Baumwollstoff; 90 Zentimeter lang und zwei Zentimeter breit. Beide Streifen werden halbiert, das Textilstück eingeschoben und festgenäht.

Das sagt ein Arzt:

Klingt im ersten Moment einfach – aber schützen diese selbstgemachten Masken uns überhaupt wirklich? Pascal Czekala ist Hausarzt in Gütersloh. Bis vergangene Woche hatte er in seiner Praxis an der Bonifatiusstraße keine einzige Maske. "Es ist einfach falsch, wenn überall derzeit die Rede davon ist, dass Hausärzten die Masken ausgehen. Viele von uns hatten nie welche.”

Erst vor wenigen Tagen haben Czekala und sein Team zwölf Masken bekommen – darunter auch Varianten der Schutzklasse FFP2 und 3. "Trotzdem ist noch immer ein Riesenbedarf da. Auch bei meinen Kollegen in der Stadt. Masken und Desinfektionsmittel sind derzeit Mangelware.” Die Idee, Masken jetzt selbst zu nähen, findet Pascal Czekala gut. Zumindest in Anbetracht der momentanen Lage, in der sich Ärzte befinden.

"Das Schlechteste ist derzeit das Beste. Es ist einfach ein Notbehelf.” Seine Frau habe gemeinsam mit einigen Kolleginen einen ganzen Rutsch Masken genäht – nach Anleitung des niedersächsischen Hausärzteverbandes. Damit versuche man jetzt erstmal die Strecke bis zur Lieferung der professionellen Masken zu überbrücken. "Natürlich ist das kein richtiger Schutz. Aber es ist besser als nichts.”

Das sagt ein Apotheker:

Auch der Gütersloher Apotheker Olaf Elsner betont ganz deutlich: "Eine solche selbstgenähte Maske ist definitv kein Virenschutz.” Der eingenähte Draht führe zwar dazu, dass diese Alternative ähnlich wie eine professionelle Maske dicht am Gesicht anliege – es fehle aber der Fließstoff. "Der hat eine wichtige Filterfunktion, die das einfache Gewebe etwa von alten T-Shirts auf keinen Fall hat.”

Darüber hinaus sei die Luft, die der Mensch ausatme, feucht, sodass die Schutzmasken schnell durchfeuchten würden. Das geschehe bei Varianten aus Laken und Co. aut Elsner viel schneller als bei den professionellen mit Fließstoff.

Eine so wie in Niedersachsen empfohlene, selbsthergestellte Maske könne zwar helfen, dass man sich nicht wie sonst üblich zwischen 250 und 300 Mal ins Gesicht fasse –vor Coronaviren schütze eine solche selbstgemachte Maske aus alten Laken und Co. aber nicht.

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