AWO will Waldkindergarten schließen

Zu wenig Anmeldungen

Heiko Kaiser

AWO-Waldkindergarten: 2014 feierte die Einrichtung ihr zehnjähriges Bestehen. Die zweite Null wird sie nach derzeitigen Planungen nicht erreichen. - © Foto: Anja Hanneforth
AWO-Waldkindergarten: 2014 feierte die Einrichtung ihr zehnjähriges Bestehen. Die zweite Null wird sie nach derzeitigen Planungen nicht erreichen. (© Foto: Anja Hanneforth)

Werther. In Werther herrscht ein Mangel an Kita-Plätzen. Das ist im jüngsten Anmeldeverfahren deutlich geworden.Für das Kindergartenjahr 2017/18 denken Stadtverwaltung und Kreisjugendamt deshalb an die Einrichtung einer Betreuungsgruppe in den dann leer stehenden Containern an der AWO-Kita Speckfeld. Zudem sieht der Plan der Kreisverwaltung für Werthers Kinderbetreuungslandschaft die Errichtung einer komplett neuen Kindertageseinrichtung vor. Vor diesem Hintergrund irritiert die Meldung, dass die Arbeiterwohlfahrt die Schließung des Waldkindergartens am Teutoburger-Wald-Weg plant.

„Es stimmt, dass es von Seiten des Trägers Überlegungen gibt, den Waldkindergarten zu schließen", bestätigte Guido Neugebauer von der Stadt Werther. Der Grund liegt in der fehlenden Auslastung der Einrichtung am Teutoburger-Wald-Weg. Für das kommende Kindergartenjahr liegen derzeit nur 13 Anmeldungen vor. Die Einrichtung umfasst hingegen 20 Ü 3-Plätze. Einen Engpass gab es bei der Stadt Werther zuletzt besonders im U 3-Bereich. Der Waldkindergarten bietet jedoch lediglich Plätze für drei- bis sechsjährige Kinder.

Inzwischen hat die AWO die Eltern im Rahmen einer Elternversammlung über die Planungen informiert, die Einrichtungen zum Kindergartenjahr 2018/2019 zu schließen. Sabine Schubert, Fachberaterin beim AWO Bezirksverband OWL, erklärte dort man plane, alle eingruppigen Einrichtungen zu schließen. Darunter falle eben auch der Waldkindergarten. Der Grund ist die fehlende Rentabilität. „Die Finanzierungsstruktur im Kinderbildungsgesetzt macht es praktisch unmöglich, eingruppige Einrichtungen zu tragen", sagt Schubert. In den vergangenen acht Jahren habe der Waldkindergarten Defizite zwischen 6000 und 25000 Euro pro Jahr produziert und fügte hinzu: „Das ist einfach nicht mehr zu verantworten."

Weiterführung als Elterninitiative ist denkbar

Um den Waldkindergarten mit seinem besonderen naturnahen Angebot zu erhalten, haben sich die Eltern inzwischen an die Stadt gewandt und angeregt, die Einrichtung solle in anderer Trägerschaft weitergeführt werden. Sabine Schubert hat indes vorgeschlagen, dass die neue Kita, um deren Trägerschaft sich die AWO bewirbt, den Schwerpunkt Wald- und Naturpädagogik erhält. Die Waldgruppe soll dann dort eingegliedert werden. Sie gibt zu, dass ein derartiges Konzept nur am Standort Blotenberg mit seiner Nähe zum Wald zu realisieren sei. „Im Industriegebiet Rodderheide wird das auch mit viel gutem Willen nicht umzusetzen sein", sagt Schubert.

Die Fachberaterin zeigte eine weitere Möglichkeit auf, den Waldkindergarten zu erhalten: „Eltern könnten die Einrichtung in einer Elterninitiative weiterführen. Die AWO würde das unterstützend begleiten, so dass eine übergangslose Fortführung des Waldkindergarten möglich wäre."

Dass die Nachfrage nach Waldkindergärten rückläufig ist, kann Hermann Bußmeyer, Abteilungsleiter für die Bereiche Jugend, Soziales und Senioren bei der Stadt Halle, nicht bestätigen. „Das Interesse an Plätzen im Waldkindergarten in Halle ist ungebrochen. Es musste dort sogar eine geringe Zahl an Kindern abgewiesen werden", sagte Bußmeyer. Allerdings sei Halle von der Einwohnerzahl auch doppelt so groß wie Werther, stelle aber die gleiche Anzahl an Waldkindergartenplätzen.

Ob die AWO den Kindergarten schließen kann, ist auch eine rechtliche Frage. Nach Angabe von Guido Neugebauer hat die Stadt Werther einen Vertrag mit der Arbeiterwohlfahrt über die Trägerschaft abgeschlossen. Dieser Vertrag laufe noch zwölf Jahre. Sabine Schubert sieht das anders: „Unser Jurist hat das geprüft und sieht keine Probleme."

Am 3. April steht in der Sitzung des Ausschusses für Ausschuss für Soziales, Generationen, Schule und Sport die Einrichtung einer achten Kita in Werther auf der Tagesordnung. Dabei ist geplant, dass die Bewerber um eine Trägerschaft ihre Konzepte vorstellen. Ein Thema wird in diesem Zusammenhang sicherlich auch die geplante Schließung des Waldkindergartens sein.

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