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„Das ist jetzt ein bisschen blöd“

Sanierung der Nordstraße nimmt kein Ende

Detlef Hans Serowy

Kein Ende in Sicht: Die Eröffnung der Nordstraße zögert sich weiter hinaus. - © Foto: Kerstin Spieker
Kein Ende in Sicht: Die Eröffnung der Nordstraße zögert sich weiter hinaus. (© Foto: Kerstin Spieker)

Halle. Heute hätte die Not aus Sicht von Angela Schwentker und Ralf Schwarte enden können. Die Nordstraße zwischen Halle und Werther sollte nach der Sanierung wieder befahrbar sein. So stand es im Haller Kreisblatt, weil der Wertheraner Bauamtsleiter Jens Kreiensiek den dortigen Planungsausschuss am 24. November davon unterrichtet hatte. Die Öffnung fällt aus. „Witterungsbedingt“ verzögert sich die Fertigstellung auf Freitag, 9. Dezember.

Zu früh gefreut: Angela Schwentker hoffte auf die heutige Öffnung der Nordstraße. Daraus wird nichts. - © Foto: Detlef Hans Serowy
Zu früh gefreut: Angela Schwentker hoffte auf die heutige Öffnung der Nordstraße. Daraus wird nichts. (© Foto: Detlef Hans Serowy)

Aus Sicht der Haller Rechtsanwältin passt das ins Bild. Mit ihrem Mann wohnt sie in an der Nordstraße 1 und betreibt dort auch ihre Kanzlei. Seit 82 Tagen leben die Eheleute und viele Anlieger der Nordstraße heute in der Vollsperrung. Angela Schwentker schwankt zwischen Wut und Galgenhumor. Sie ärgert sich über massive Verspätungen („am 21. Oktober sollten die Bauarbeiten beendet sein“) und schlechte Kommunikation der Baufirma Strabag.

Der Höhepunkt ist aus Sicht von Angela Schwentker an einem Freitagmorgen erreicht. Mit ihrem Mann will sie zu einer Beerdigung fahren, als einer der Bauarbeiter das Paar anspricht. „Ihr müsst ja heute hier nicht mehr raus, oder?“, fragt der Mann. Das sei jetzt ein bisschen blöd, kommentiert er die anstehende Beerdigung. „Wir haben euch da gerade eine hohe Kante hingefräst und da kommt ihr mit dem Auto nicht hoch.“

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Ralf Schwarte besitzt einen kleinen Geländewagen und „irgendwie“ erreichen die Eheleute „auf abenteuerlichem Wege“ die Westumgehung, ohne die Nordstraße zu nutzen. Am Ärger von Angela Schwentker ändert das nichts. „Kann man bei solchen Aktionen nicht vorher Bescheid sagen?“, will sie wissen. Die Zufahrt zum Haus bleibt das Wochenende über abgeflattert und gesperrt.

„Das ist kein haltbarer Zustand und keine Art“, kritisiert Sven Johanning das Verhalten der Baufirma in dieser Situation. Es gehe nicht an, Tatsachen zu schaffen und hinterher zu informieren, so der Sprecher von Straßen.NRW. „Die Baufirmen haben von uns den Auftrag, Anlieger zeitgerecht zu informieren und dieses Ereignis werden wir nacharbeiten“, kündigt Johanning an.

Gleichzeitig wirbt er um Verständnis für die erneute Verspätung bei der Nordstraße. „Der Wintereinbruch kam und hat uns zurückgeworfen.“ Es sei zu kalt zum Asphaltieren gewesen. „Dort fehlen und noch Marierungen und Leitpfosten und deshalb werden wir bis Ende kommender Woche brauchen“, erläutert Sven Johanning.

Verständnis hat er auch für den Wunsch von Angela Schwentker nach einem Schild »Anlieger frei bis Baustelle« an der Einfahrt zur Nordstraße. Einigermaßen rüde sei dieser Wunsch von einem Straße.NRW-Mitarbeiter zurückgewiesen worden, beklagt die Juristin. „Wenn wir so ein Schild hinstellen, dann haben wir alle da drin“, begründet Sven Johanning die Ablehnung. Natürlich hätten Anlieger die Straße befahren können.

Angela Schwentker ärgert sich weiter darüber, dass die Informationen der Strabag häufig nicht stimmten. „Am 28. Oktober gab es eine Info zu Vollsperrungen und am Anfang stimmte das auch.“ Dann sei das Wetter in die Quere gekommen und die Anlieger hätten sich von Tag zu Tag hangeln müssen. „Weitere Informationen gab es nicht.“ Sie werde nach Ende der Sperrung drei Kreuze machen. „Ich habe viele Termine mit Mandanten umlegen müssen und meine Mülltonne von Sammelstellen abgeholt.“

„Wir haben Hochkonjunktur bei Bau“, betont indes Sven Johanning. Die Firmen seien ausgelastet und beim Baumaterial könne es zu Engpässen kommen. „Wir können auch nicht alle Arbeiten im Sommer durchführen.“ Die Baufirmen müssten das ganze Jahr über ausgelastet sein und irgendwann wollten deren Beschäftigten auch in den Urlaub gehen.

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