Fresspornos im Rathaus

Ausstellung mit ungewöhnlichen Kunstwerken

Andreas Großpietsch

Auch sie liebt Lebensmittel: Christine Kriegerowskis künstlerisches Schaffen hat in den meisten Fällen mit dem Thema Essen zu tun. Ab dem 21^. August stellt sie im Borgholzhausener Rathaus aus. Das Bild entstand im heimischen Edeka-Markt. - © Foto: Andreas Großpietsch
Auch sie liebt Lebensmittel: Christine Kriegerowskis künstlerisches Schaffen hat in den meisten Fällen mit dem Thema Essen zu tun. Ab dem 21^. August stellt sie im Borgholzhausener Rathaus aus. Das Bild entstand im heimischen Edeka-Markt. (© Foto: Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Auf den ersten Blick wirkt alles ein wenig verrückt. Doch der erste Blick ist zu wenig, um sich dem Werk der Berliner Künstlerin Christine Kriegerowski zu nähern. Ihr geht es um nicht weniger als das richtige Leben – das aber eine Utopie bleibt. »Es gibt kein richtiges Leben im falschen«, lautet eine berühmte Sentenz des deutschen Philosophen Theodor W. Adorno. Was ziemlich klug klingt, aber bei näherem Nachdenken auch ziemlich hoffnungslos wirkt.

Christine Kriegerowski ist sich der Widersprüche des modernen Lebens bewusst. Besonders beim Thema Essen: „Mangos aus Brasilien sind immer teurer als Äpfel aus Brandenburg", ist einer ihrer Beobachtungen. Und sie zieht daraus den Schluss: „Ich weiß genau, dass das eigentlich völlig verantwortungslos ist, und ich möchte eine unangreifbare Haltung einnehmen, ich möchte nicht predigen, ich will nur immer wissen, dass ich im falschen Leben falsch lebe."

Damit auch andere Menschen über diese Zusammenhänge nachdenken können, ist sie vielfältig künstlerisch aktiv. Dazu zählen Ausstellungen wie die in Borgholzhausen, die vom 21. August bis zum 28. September in der Rathausgalerie zu sehen sein wird, aber auch ihre selbst erschaffene Kunstrichtung des »Analogen Foodbloggens«, die unter kriegerowski.org im Internet zu finden ist.

„Es ist ein Bekenntnis zur guten Handzeichnung und zum guten Essen", beschreibt sie diese Darstellungsform. Die meist nicht von den perfekt aussehenden, normierten Lebensmitteln unserer Zeit ausgeht, sondern von dem inspiriert wird, was die Zeit aus ihnen macht.

»Essoziationen«  von Heinz Flottmann

Wie zum Beispiel bei dem Bild mit den längst über den spätestmöglichen Verzehrtermin gereiften Himbeeren in ihrer appetitlichen Pappschachtel, bei denen die farblichen Veränderungen zur Inspiration wurden. Auf ihren Internetseiten und bald auch im Rathaus zeigt sie auch säuberlich gezeichnete schräge Ideen mit Bananen und Auberginen.

„Ich mag den Begriff Fressporno. Wenn man Porno hört, erwartet man keine Feinfühligkeit", erklärt Kriegerowski. »Food porn« ist der englische Ausdruck für das beständige Ablichten von Mahlzeiten, einem der merkwürdigsten Auswüchse des Internet-Zeitalters. Oft würden dabei Leckereien angepriesen, „die mit ihrem hohen Fettgehalt und ihrer Möglichkeit prahlen, die Aterien zu verstopfen", sagt sie.

Die Ausstellungseröffnungen des Kulturvereins ziehen immer viele Besucher an. Am Sonntag, 21. August, ab 11.15 Uhr werden es sicher noch ein paar mehr sein, denn es gibt einen prominenten Redner. Der Bielefelder Kabarettist Heinz Flottmann hat sich angekündigt und will ein paar »Essoziationen« zur Einführung ins Thema beisteuern.

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