LokalsportWarum dieser Tennisprofi bei den Noventi Open einen Heimvorteil hat

Dank einer Wild Card schlägt Rudi Molleker am Samstag in der Qualifikation des ATP-Rasenturniers auf. Zu Halle hat er nicht nur deshalb eine besondere Beziehung.

Christian Helmig

Rudi Molleker, hier bei den Noventi Open 2019, hat sich vor zwei Monaten der Haller Breakpoint Base angeschlossen. - © GERRY WEBER OPEN / KET
Rudi Molleker, hier bei den Noventi Open 2019, hat sich vor zwei Monaten der Haller Breakpoint Base angeschlossen. © GERRY WEBER OPEN / KET

Halle. Am Mittwoch reiste Rudi Molleker vom ATP-Turnier in Stuttgart nach Halle. „Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde ich wieder nach Hause kommen", sagt der 20-Jährige. Den Weg in die Lindenstadt findet die aktuelle Nummer 262 der Tennis-Weltrangliste mittlerweile aus allen Himmelsrichtungen, seit er sich vor zwei Monaten der hier ansässigen Breakpoint Base angeschlossen hat. „Ich war auf der Suche nach einem Coach, der mich versteht", erzählt Rudi Molleker.

Fündig wurde er bei Jan de Witt. Unter den Fittichen des erfahrenen Tennislehrers, der von Halle aus schon Asse wie Gilles Simon, Gael Monfils oder Nikoloz Basilashvili betreut und in die Weltspitze geführt hat, fühlt sich Rudi Molleker wohl. „Er hat mir viele Dinge gezeigt, die neu für mich waren. Körperlich und spielerisch kann ich hier viel lernen", sagt der Mann, der einst als eines der größten Talente im deutschen Tennis galt.

Bis 2019 schien seine Karriere auf dem richtigen Weg. Mit Platz 146 verbuchte der gebürtige Ukrainer im Juli seine bislang höchste Weltranglistenplatzierung. Doch dann warfen ihn Verletzungen zurück, 2020 kam die Corona-Pandemie hinzu. „Ich habe ein schweres Jahr hinter mir", bilanziert Molleker. Er gibt zu, dass es irgendwann auch „Motivationsprobleme" waren, die seinen Weg nach oben ausbremsten.

"Ich bin ein sehr emotionaler Spieler"

Mittlerweile, so versichert er, ist sie aber wieder da, die Lust am Tennisspielen. Dass Molleker nach wie vor mit den Großen der Zunft mithalten kann, deutete er am Dienstag in Stuttgart an. Mit einer Wild Card ins Hauptfeld gekommen, bot er Marin Cilic – vor sieben Jahren immerhin Champion der US Open – beim 5:7, 3:6 einen harten Kampf. „Nach einem verlorenen Match kann man nie zufrieden sein. Aber ich hatte meine Chancen. Insgesamt war das schon ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Molleker.

In Halle möchte er an diesen Aufwärtstrend anknüpfen. Schließlich hat er hier noch etwas gutzumachen: „Die Noventi Open sind das einzige deutsche Turnier, bei dem ich noch nie ein Spiel gewonnen habe", blickt er auf seine beiden bisherigen Auftritte im Hauptfeld zurück. 2018 verlor er in Runde eins gegen Basilashvili, ein Jahr später war gegen Sergej Stakhovsky in drei Sätzen Schluss.

Dass es diesmal „nur" für die Qualifikation gereicht hat, ist für Rudi Molleker zweitrangig. „Ich bin für jedes Match dankbar, dass ich auf Rasen spielen darf und schaue, was dabei herauskommt", sagt er. Etwas traurig ist er allerdings, dass er vor leeren Rängen spielen muss. „Ich bin ein sehr emotionaler Spieler und mag es, wenn mich das Publikum unterstützt."

In Halle gewann er schon 2011 ein Turnier

Dass Rudi Molleker in Halle durchaus Matches, ja sogar Turniere gewinnen kann, hat er schon vor zehn Jahren bewiesen. 2011 triumphierte er auf den Ascheplätzen des TC BW Halle beim Deutschland-Finale der Nike-Junior-Tour. „Auf der Anlage hat sich seitdem kaum etwas verändert", stellte er jetzt bei seiner Rückkehr fest.

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„Eine coole Sache" war es für Rudolf Molleker, als er im Appartementhaus hinter dem Stadion Fotos von seinem damaligen Turniersieg entdeckte. Hier bezieht er während seiner Trainingsphasen und auch in der Turnierwoche Quartier. Und ein bisschen fühlt es sich schon wie sein neues Zuhause an.

Info
• Die dritte und letzte Wild Card für das Hauptfeld der Noventi Open geht an Gael Monfils. „Gael ist einer der interessantesten und faszinierendsten Spieler auf der Tour. Wir hoffen, dass er in Halle zu alter Stärke zurückfinden kann", begründet Turnierdirektor Ralf Weber seine Entscheidung für den Weltranglisten-15. aus Frankreich.
• Der Norweger Casper Ruud und Cristian Garin aus Chile haben ihre Teilnahmen abgesagt. Nachrücken werden der US-Amerikaner Sam Querrey (ATP 66) und Gilles Simon (ATP 68) aus Frankreich.
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