LokalsportFast neun Monate ohne Wettkampf: Wie sehr leiden die Schwimmer unter der Krise?

Vor ziemlich genau einem Jahr sorgte der SC Steinhagen-Amshausen bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin noch für Furore. Seitdem ist viel passiert, das den Verein vor große Herausforderungen stellt. Wie geht der SCSA mit dieser Situation um?

Dennis Bleck

SCSA-Vorzeigeschwimmerin Karolin Kuhlmann startete erfolgreich ins Jahr - dann bremste sie Corona aus. - © Dennis Bleck
SCSA-Vorzeigeschwimmerin Karolin Kuhlmann startete erfolgreich ins Jahr - dann bremste sie Corona aus. © Dennis Bleck

Steinhagen/Amshausen. Es herrscht Aufbruchstimmung im deutschen Schwimmerlager – Im November 2019 berichtet das Haller Kreisblatt fast euphorisch von den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin. Sarah Köhler, eine der besten Langstrecken-Schwimmerin der Nation, stellt rund ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio über 1.500-m-Freistil einen neuen Weltrekord auf. Mitten drin: Auch der SC Steinhagen-Amshausen, der mehr als nur eine Statistenrolle einnimmt: Karolin Kuhlmann schwimmt über 50-m-Schmetterling auf Platz vier in Deutschland. Die 50-m-Freistil-Staffel der Frauen landet auf Platz sechs. Dass für den SCSA auf nationaler Ebene bis heute keine neuen Erfolg dazukommen, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Die vorerst letzten Erfolge

Denn bis Februar 2020 bereitet sich der Club auf eine ganz normale Saison vor. Die ersten Wettkämpfe des Jahres sind bereits vorbei: Von den OWL-Titelkämpfen kommen die Schwimmer mit zahlreichen Podestplatzierungen zurück. Bei den deutschen Mannschaftswettbewerben halten die Frauen des SCSA als Aufsteiger die 2. Liga. Kuhlmann gewinnt die Wahl zur Altkreissportlerin des Jahres. Schon früh im Jahr unterbietet die Vorzeigeschwimmerin außerdem die Qualifikations-Norm für die nächste Deutsche Meisterschaft. „Die Weichen für ein wieder starkes Jahr 2020 schienen gestellt", sagt Trainer Klaus Völcker. Bis am „schwarzen Freitag" (Völcker) im März das Steinhagener Hallenbad für lange Zeit geschlossen wird.

Dann kommt die Krise

Die Corona-Pandemie hat Deutschland plötzlich voll im Griff. Kontaktbeschränkungen beherrschen das alltägliche Leben. Die nächsten Schwimm-Wettbewerbe fallen aus oder werden auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Steinhagener setzen das Team-Training aus. Auch die geplante Osterferien-Freizeit nach Ungarn muss der Verein absagen. Völcker und die übrigen Trainer des Clubs verfolgen die nächsten Wochen und die Entscheidungen der Politik. Gemeinsam erarbeiten sie Konzepte, die das individuelle Training ermöglichen: Trockenübungen für die sonst so wasserfreudigen Schwimmer.

Not macht erfinderisch: Weil die Schwimm- und Hallenbäder lange Zeit geschlossen sind, erarbeiten die Schwimmtrainer ein alternatives Trainingsprogramm auf dem Trockenen. - © SCSA
Not macht erfinderisch: Weil die Schwimm- und Hallenbäder lange Zeit geschlossen sind, erarbeiten die Schwimmtrainer ein alternatives Trainingsprogramm auf dem Trockenen. (© SCSA)

Anfang Mai, bei strahlendem Sonnenschein und geschlossenen Steinhagener Bädern, planen die SCSA-Trainer im Garten der Sportlichen Leiterin Nicola Winkler, was bis zu den Sommerferien an Training möglich ist. Sowohl an Land als auch im Wasser. „Uns war wichtig, dass die Motivation der Sportler nicht komplett verloren ging", sagt Völcker. Wettkämpfe sind schließlich weiter nicht in Sicht.

Hoffnungsschimmer

Hoffnung kommt dann im Sommer auf. Weil die Corona-Fallzahlen zurückgehen und die Politik deshalb immer mehr Lockerungen zulässt, können auch die Schwimmer des SCSA wieder ins Wasser. Das Verler Freibad öffnet als eins der ersten – ein Großteil der Leistungsgruppe kauft sich daraufhin eine Saisonkarte und macht sich mehrmals pro Woche zum Training auf den Weg. „Nicht in Gruppen sondern anhand von Einzelplänen", wie Völcker klarstellt.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Jarle Brinkmann (links) und Tim Kuhaupt. - © SCSA
Ein Bild aus besseren Zeiten: Jarle Brinkmann (links) und Tim Kuhaupt. (© SCSA)

Mitte Juli stehen für die Schwimmer und Wasserballer dann jeweils zwei einstündige Trainingstermine pro Woche im Waldbad zur Verfügung. Als es im August im Waldbad etwas kälter wird, verlagert Völcker die Übungseinheiten nach Werther ins Freibad. Ende August öffnet dann auch das Steinhagener Hallenbad, das die Schwimmer mit einem von Nachwuchstrainerin Ulrike Cordes entwickelten Meldesystems nach mehrmonatiger Pause nun wieder besuchen dürfen – Bis die Corona-Zahlen wieder steigen.

Weitere Absagen

Wettkämpfe, die im Herbst stattfinden sollen, fallen nun endgültig aus: Die offenen Deutschen Meisterschaften, die zunächst vom Frühling in den Oktober verlegt worden waren, sind mittlerweile ersatzlos gestrichen. Auch die NRW- und Deutschen Jahrgangsmeisterschaften fallen der Corona-Pandemie zum Opfer. Veranstaltungen in Paderborn, Braunschweig und Erfurt müssen zum Teil nur wenige Tage vor Beginn abgesagt werden. Anfang November steht fest: Im Jahr 2020 wird es keine Schwimmwettkämpfe mehr geben. Auch die Hallenbäder sind mittlerweile wieder geschlossen – und bleiben es auch bis mindestens zum Jahresende. Das hat Politik beim Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch beschlossen.

Immerhin: Am letzten Wochenende vor dem neuen Lockdown Ende Oktober testen die SCSA-Schwimmer in Trainingswettkämpfen ihre Form. Und die ist, laut Trainer Völcker, überraschend gut. Dass einige Schwimmer ihre Bestzeiten verbesserten, führt er auf das intensive Athletik-Training zurück.

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