Handball-Länderspiel: Kehrmann erwartet sicheren Sieg für Deutschland

Der Ex-Nationalspieler ist am Samstag im Gerry Weber Stadion zu Gast. Im Interview verrät er, was er vom Länderspiel gegen Polen erwartet.

Nicole Donath

Vor zwölf Jahren: Mit der deutschen Nationalmannsckaft verlor Florian Kehrmann in Halle das WM-Vorrundenspiel gegen Polen. - © Rolf Uhlemeier
Vor zwölf Jahren: Mit der deutschen Nationalmannsckaft verlor Florian Kehrmann in Halle das WM-Vorrundenspiel gegen Polen. (© Rolf Uhlemeier)

Florian, in welcher Funktion kommen Sie nach Ihrem Karriereende als Handball-Nationalspieler und Trainer des TBV Lemgo am Samstag zum Länderspiel?

Florian Kehrmann: Ich werde einfach als Fan in Halle sein, die Jungs ordentlich anfeuern und die schöne Atmosphäre genießen.

Sind solche Länderspiele Anlass dafür, sich mit ehemaligen Mannschaftskollegen zu verabreden, gemeinsam zu gucken und dabei alte Zeiten zu feiern?

Kehrmann: Nein, ich schaue mir das Spiel mit meinen beiden Kindern an. Trotzdem trifft sich unsere Mannschaft von damals – also die Weltmeister von 2007 – immer wieder mal. Zuletzt haben wir uns bei der WM-Zwischenrunde in Köln gesehen. Und bestimmt fährt Samstag auch der ein oder andere ehemalige Spieler nach Halle, das sehen wir dann.

Kommen bei solchen Gelegenheiten die Anekdoten und Erlebnisse von damals auf den Tisch? Die chaotische Zugfahrt nach dem großen Sturm Kyrill vom Eröffnungsspiel in Berlin nach Ostwestfalen, wo nicht mal alle Spieler einen Sitzplatz hatten? Oder die Pizza-Affäre rund um Dominik Klein hier im Sportpark-Hotel? Oder die spontane Nachnominierung von Christian Schwarzer?

Kehrmann: Klar werden solche Geschichten immer mal wieder erzählt! Obwohl das alles natürlich auch schon wieder lange her ist – zwölf Jahre immerhin.

Das stimmt. Sind zwölf Jahre mittlerweile auch zu viel, um Erfahrungen aus spielerischer Hinsicht weiterzugeben? Beispielsweise an jemanden wie Tim Suton, dem aktuell einzigen Nationalspieler beim TBV Lemgo?

Kehrmann: Natürlich kann ich Tim immer noch Tipps aus meiner Zeit als Nationalspieler geben und ihn mit meinen Erfahrungen unterstützen. Und wenn er zu Lehrgängen fährt, lasse ich an dem Staff der Nationalmannschaft auch regelmäßig Grüße ausrichten. Aber in die Lehrgänge selbst hänge ich mich dann nicht rein. Und die individuellen Gründe, warum wir in der WM-Vorrunde 2007 im Gerry Weber Stadion gegen Polen verloren und das WM-Finale in Köln dann gewonnen haben, werden Tim am Samstag nur bedingt helfen. Dafür hat sich die Spielweise über die Zeit auch zu sehr verändert.

Aktuell: Florian Kehrmann ist Trainer beim TBV Lemgo - © Henrik Martinschledde
Aktuell: Florian Kehrmann ist Trainer beim TBV Lemgo (© Henrik Martinschledde)

Was erwarten Sie von dem Auftritt im Gerry Weber Stadion?

Kehrmann: Ich glaube, wir werden die Polen sicher schlagen, und die Stimmung im Stadion wird dabei ohnehin wieder großartig. Allein die jüngste Handball-WM hat unserem Sport wieder jede Menge Aufwind gegeben, das sieht man ja alleine daran, dass das Spiel schon seit langem ausverkauft ist. Überhaupt ist es in Halle immer so gewesen, dass viele Emotionen rüberkamen und das Publikum die Spieler mit großer Begeisterung unterstützt hat – das ist bestimmt auch Samstag wieder so. Ich freue mich darauf!

Und wie wird Patryk Rombel, der polnische Nationaltrainer, sein Team wohl einstellen?

Kehrmann: Schwer zu sagen. Die Polen haben sich sehr verändert, es hat einen großen Umbruch gegeben, auch viele Wechsel auf der Trainerbank. Sagen wir so: Ich erwarte eine junge, hungrige Mannschaft und zumindest auch die ein oder andere Überraschung.

Eine Überraschung war für Sie wahrscheinlich auch die wirtschaftliche Entwicklung der Gerry Weber International AG bis hin zur Insolvenz in Eigenverwaltung?

Kehrmann: Ja, das war es. Natürlich haben wir das in Lemgo mitbekommen und auch verfolgt. Schließlich haben wir in Halle nicht nur mit der Nationalmannschaft, sondern auch mit dem TBV viele außergewöhnliche Spiele vor großer Kulisse erlebt und tolle Erinnerungen an die Zeit. Dasselbe gilt für die GWO: Auch hier war ich oft Gast und habe sogar ein paar Mal beim Prominenten-Doppel mitgespielt. Dass Gerry Weber in diese Krise gerutscht ist, tut mir sehr leid – vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen wir ja auch einige persönlich kennen gelernt haben. Aber auch das Lebenswerk von Gerhard Weber wird gerade mit Füßen getreten. Und das ist ohne Frage wirklich traurig mit anzusehen.

Was denken Sie, wie es in Halle weitergeht?

Kehrmann: Das kann ich nicht beurteilen und da möchte ich mich auch nicht an Spekulationen beteiligen. Aber auch für den Fall, dass die Sport- und Eventarena sowie das Turnier künftig unter einem anderen Namen laufen sollten, hoffe ich, dass die Strahlkraft der Marke Gerry Weber erhalten bleibt – für Halle und die gesamte Region. Allein die Gerry Weber Open sind eine Institution und es wäre schön, wenn es sie mitsamt des Stadions auch in Zukunft geben würde.

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