Ironman: Zwei Altkreis-Sportler auf Hawaii

Dennis Bleck

Startnummer 2397: Amadeus Hegenbarth vom LC Solbad zeigt stolz auf seinen Namen. - © Katharina Weets
Startnummer 2397: Amadeus Hegenbarth vom LC Solbad zeigt stolz auf seinen Namen. (© Katharina Weets)

Altkreis Halle/Hawaii. Für gewöhnlich ist Kaiula-Kona ein verschlafenes Örtchen. Die knapp 12.000 Einwohner der hawaiianischen Insel leben vom Tourismus, Kaffee und Fischfang. Aufregung kommt dort selten auf. Außer im Oktober, dann herrscht plötzlich Hektik: Es ist Triathlon-Jahreszeit und mehr als 2.000 Athleten fallen in den Ort ein, um an der Ironman-Weltmeisterschaft teilzunehmen. Unter ihnen in Amadeus Hegenbarth (24) und Heiko Lewanzik (36) auch zwei »Eisenmänner« aus dem Altkreis.

Zwölf Stunden Zeitunterschied

Seit fast einer Woche sind Lewanzik und Hegenbarth mit Familien und Trainern vor Ort, gewöhnen sich an das Klima, an die Zeitumstellung. Zwölf Stunden liegt Hawaii hinter der deutschen Zeit. Temperaturen um die 30 Grad und die hohe Luftfeuchtigkeit bringen die Sportler gerade auf dem Fahrrad und beim Marathon an ihre Grenzen. Lewanzik und Hegenbarth strahlen dennoch Zuversicht aus.

Freut sich auf seinen zweiten Ironman: Christoph Lewanzik. - © HK
Freut sich auf seinen zweiten Ironman: Christoph Lewanzik. (© HK)

Beide wissen, dass sie sich auf die 3,8 Kilometer Schwimmen, die 180 Kilometer Radfahren und den abschließenden Marathon bestens vorbereitet haben. Die Ergebnisse des Sommers zeigen, die Form stimmt. Mit 9:06:12 Stunden landete der Steinhagener Lewanzik in Zürich auf Rang 16, holte sich den begehrten Hawaii-Startplatz. Hegenbarth sicherte sich das WM-Ticket beim Ironman in Frankfurt. Der 24 Jahre alte Triathlet vom LC Solbad Ravensberg kam nach 9:56:26 Stunden ins Ziel, gewann die Altersklasse 18-24. „Frankfurt zählt zu den härtesten Langdistanzrennen. Wenn Amadeus diesen Auftritt wiederholen kann, ist ein Platz unter den Top sechs in seiner Altersklasse drin", sagte Vater und Trainer Holger Steuer nach Hegenbarths Coup in der hessischen Millionen-Metropole.

Der Marathon soll nicht leiden

Der Student, der im August seine Masterarbeit fertigstellte, will sich aber nicht auf Zeiten oder Positionen festlegen. „Ich möchte vor allem eines erreichen", sagt der 24-Jährige. „Nämlich die Ziellinie überqueren." Eine besondere Strategie verfolge er nicht. „Dafür sind die Bedingungen zu unberechenbar", erklärt Hegenbarth. Er wolle locker durch das Schwimmen kommen, so wenig Salzwasser wie möglich schlucken und auch das Radfahren entspannt angehen. „Damit der Marathon nicht leidet", sagt der LC-Athlet. Denn auf der etwa 42 Kilometer langen Laufstrecke möchte Hegenbarth auf der „zweiten Hälfte möglichst wenig Zeit verlieren".

Der Solbader reist zum ersten Mal nach Hawaii. Lewanzik, der in diesem Jahr mit Trispeed Marienfeld die Meisterschaft in der NRW-Liga feierte, startet hingegen schon zum zweiten Mal. Vor zwei Jahren trotze er einer zwei Tage zuvor eingefangenen Erkältung. Seine verschnupft erzielten 9:46:54 Stunden (Rang 297) will der Sport- und Chemielehrer jetzt am Samstag (Start: 18:25 MESZ) steigern.

Lewanziks Ziel sind die Top 100

Dabei hatte ihn ein doppelter Bänderriss im Frühjahr zumindest läuferisch einige Wochen aus der Bahn geworfen. Und im Mai war er zum zweiten Mal Vater geworden, was das Freischaufeln von Trainingszeiten nicht einfacher machte. Trotzdem hat der Steinhagener, der mittlerweile in Köln lebt, klare Vorstellungen davon, auf welchem Platz er am Ende landen will: „Das Ziel sind klar die Top 100", sagt Lewanzik. Dafür müsse er eine Zeit um die 9:20 Stunden laufen.

Mit Prophezeiungen, inwieweit ihm das gelingt, hält sich Lewanzik zurück. Auch er hält das Klima und die äußeren Bedingungen der Pazifikinsel für unberechenbar. Die Schwimmstrecke ist der Trispeed-Athlet am Mittwoch abgeschwommen, blieb dabei unter einer Stunde und wurde kurzzeitig von einem Delfin begleitet. „Da ist noch Luft nach oben", sagt Lewanzik, als er aus dem Wasser stieg.

Beobachtet wurde er dabei auch von vielen Einheimischen, die die Athleten herzlich aufnehmen. „Der Spirit ist hier ganz besonders", betont Hegenbarth. Es scheint so, als würden die Hawaiianer den Trubel genießen, der noch bis Sonntag herrscht. Dann kehrt in Kaiula-Kona wieder Ruhe ein. Zumindest vorerst. Bis zum nächsten Jahr. Bis zur nächsten WM.

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