Ungewöhnliche Disziplin: Antje Strothmann vom LC Solbad läuft rückwärts

Claus-Werner Kreft

Antje Strothmann beim 30. Oesterweger Feuerwehrlauf 2017. - © Claus Meyer, HK
Antje Strothmann beim 30. Oesterweger Feuerwehrlauf 2017. (© Claus Meyer, HK)

Borgholzhausen. Retrorunning, das Rückwärtslaufen also, hat nicht den Bekanntheitsgrad großer Sportarten, ist aber anspruchsvoll, was Geschicklichkeit und Koordination angeht. Im LC Solbad Ravensberg hat »Retro« eine gewisse Tradition, seit der Verein 2009 die DM im Ravensberger Stadion ausrichtete. Als Lokalmatadorin beeindruckte Antje Strothmann damals unter anderem mit einer 800-m-Zeit von 3:13,86 Min.

Jahrelang war sie als Läuferin erfolgreich, stellte schon als Jugendliche einen Westfalenrekord über 5.000 m auf und gewann 1989 den DM-Juniorinnentitel im Berglauf. 1997 erzielte sie mit 1:17:16 Std. einen Halbmarathon-Kreisrekord, der bis heute Bestand hat. In den »Neunzigern« avancierte sie auch zu einer Top-Duathletin, die EM- und WM-Medaillen sammelte. 2016 in Essen debütierte sie bei der alle zwei Jahre ausgetragenen Retrorunning-WM, über 1.500 m dominierte sie mit 20 Sekunden Vorsprung.

Nun reiste die Borgholzhausenerin nach Italien, um bei der WM 2018 in Bologna zu starten. Doch nach einer Flugverspätung geriet sie unter Druck, auf der überfüllten Autostrada Adriatica kam das Taxi nicht recht voran und erreichte erst kurz vor dem 800-m-Start das Stadion. Hastig streifte sie ihr Trikot über, befestigte zwischen Tribüne und Laufbahn die Startnummer. „Das alles war schon kurios", blickt sie zurück.

In der zweiten Runde des 800-m-Wettbewerbs fand sie ihren Rhythmus und löste sich von einer polnischen Konkurrentin. Mit 3:55 Minuten gewann sie nicht nur ihre Masters-Klasse, sondern war als 49-Jährige sogar Gesamtschnellste. „Normalerweise wäre eine Zeit zwischen 3:30 und 3:40 Minuten möglich gewesen", meint sie. Tags darauf gelang ihr mit 7:43 Min. über 1.500 m (Gesamtplatz 2) ein weiterer Klassensieg. Ihr drittes Gold holte sie als Mitglied der deutschen 4 x 400-m-Hauptklassenstaffel, deren Zeit um sieben Minuten (das offizielle Ergebnis liegt noch nicht vor) eine Weltbestmarke sein dürfte.

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