Gütersloh/Berlin"Ihr Moslems gehört nicht in unser Land": Elvan Korkmaz-Emre erhält Hassbrief

Die 34-Jährige Bundestagsabgeordnete reagiert geschockt auf die Zeilen, beschließt dann aber, den Brief zu veröffentlichen. Sie betont: "Ich habe keine Angst."

Lena Vanessa Niewald

Archivbild - © Marion Bulla
Archivbild © Marion Bulla

Gütersloh/Berlin. Es sind deutliche, hasserfüllte Worte, die ein anonymer Schreiber an die SPD-Bundestagsabgeordnete Elvan Korkmaz-Emre in einem langen Brief richtet. "Verschwinden Sie aus unserem Land. Gehen Sie dahin, wo Sie hergekommen sind. Sie gehören doch zu den getarnten Mördern und Messerstechern. Ihr Moslems gehört nicht in unser Land."

Worte, die die 34-Jährige schockieren. Und das, obwohl es nicht das erste Mal ist, dass sie ein solcher Hass-Brief erreicht. "Negative, auch manchmal wütende und anonyme Zuschriften bekommen sicherlich alle Abgeordneten und das ist ja auch in Ordnung. Aber so viel blanker Hass hat schon eine andere Qualität", sagt Korkmaz.

"Was dieses Land nicht braucht, ist braune Hetze"

Im ersten Moment habe sie sich natürlich gefragt, wieso ausgerecht ihr solch ein Hass entgegenschlägt. Beim zweiten Lesen seien ihr dann die vielen Rechtschreibfehler aufgefallen und auch, dass sich die Postkarte an einen Herrn Korkmaz richtet. "In diesem Fall hat jemand nicht gut recherchiert und schließt von einem Namen auf eine Person, die er wohl hassen muss. Das macht es natürlich nicht besser."

Sie habe trotzdem ein mulmiges Gefühl. Und die Erfahrungen ihrer Kollegen würden zeigen, dass es nicht immer nur bei solchen anonymen Briefen bleibe. "Ich habe aber keine Angst und werde meine politische Arbeit entschlossen fortsetzen." Vor allem die starke Solidarität aus dem Kreis Gütersloh, von Kollegen aus dem Bundestag und auch von anderen Parteien helfe ihr, solche Anfeindungen nicht zu stark an sich heranzulassen.

Mittlerweile hat Korkmaz-Emre sich entschlossen, die Zeilen des anonymen Schreibers zu veröffentlichen. Auf ihrem Facebook-Profil postet sie ein Foto des Briefs mit dem Kommentar: "1. Was dieses Land nicht braucht, ist braune Hetze, Hass und Populismus. 2. Solche Briefe bestärken mich darin, mich weiter für ein buntes Land in Vielfalt einzusetzen. 3. Ich bin eine Frau." Eine ganz bewusste Entscheidung.

Es bleibt nicht immer nur bei hasserfüllten Worten

Bis jetzt habe sie zwar immer von Veröffentlichungen abgesehen, weil sie Hass und Hetze keine Bühne geben wollte. Solche Nachrichten würden allerdings nicht nur Bundestagsabgeordnete wie mich, sondern auch normale Bürger, Kommunalpolitiker oder Ehrenamtliche erreichen, so Korkmaz-Emre. "Die Tat in Halle hat nochmal deutlich gemacht, dass Hass in der Sprache und durch Worte auch zu Taten führt. Und die Hemmschwelle sinkt."

Als Demokrat dürfe man deshalb nicht zulassen, dass Hassbotschaften oder andere Anfeindungen normal werden. Natürlich könne man solche Post auch einfach wegwerfen oder ignorieren - Korkmaz-Emre glaubt aber nicht, dass sich dadurch etwas verändern würde. Die zahlreichen positiven Kommentare unter dem Hassbrief bestätigen die Bundestagsabgeordnete und geben ihr ein gutes Gefühl, das richtige getan zu haben.

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Einer ihrer Anhänger schreibt etwa: "Danke für deine Arbeit. Es ist so wichtig zu wissen, dass du das Bild von einer offenen, freien, vielfältigen Gesellschaft, in der jede und jeder Raum hat, und in der Menschen miteinander leben und nicht gegeneinander, in den öffentlichen und politischen Raum trägst und vertrittst." Eine Partei-Kollegin kommentiert: "Gut, dass du mit einem solchen Schreiben umgehen kannst. Bleib standhaft und tapfer."

Korkmaz-Emre wird keine AfD-Politiker wählen

Korkmaz-Emre bedankte sich am Mittwochabend für all' die aufmunternden Worte. "Die Solidarität tut gut", sagt sie, "es tut vor allem gut, zu sehen, dass so viele Menschen eben nicht einfach mit den Achseln zucken und sowas einfach hinnehmen. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken."

Rechte Parolen dürften in unserer Gesellschaft nicht unwidersprochen bleiben und schon gar nicht salonfähig werden, so Korkmaz-Emre. Und das hätte Gütersloh in diesem Jahr auch schon mehrfach bewiesen - etwa als ein breites Bündnis gegen die Kundgebung der AfD demonstriert hat. Korkmaz-Emre betont in diesem Zusammenhang nochmals, dass sie auch weiterhin keine AfD-Politiker wählen wird.
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