Unikat auf vier Rädern: Hägeraner baut historisches Wohnmobil um

Detlef Hans Serowy

Einzigartig: Wolfgang Lamek ist stolz auf sein Wohnmobil vom Typ Peugeot J 7, Baujahr 1976 . - © Detlef Hans Serowy, HK
Einzigartig: Wolfgang Lamek ist stolz auf sein Wohnmobil vom Typ Peugeot J 7, Baujahr 1976 . (© Detlef Hans Serowy, HK)

Werther-Häger. „Das ist mein Entschleunigungsmittel", sagt Wolfgang Lamek und lacht. Sein Wohnmobil vom Typ Peugeot J 7 könnte zwar 95 Stundenkilometer Spitze erreichen, doch so schnell fährt der selbstständige Grafik-Designer nie. „Viel zu laut" sei der Motor dabei, der direkt vor den Füßen des Fahrers arbeitet. Lamek lässt es bei Tempo 70 bewenden und entdeckt dabei seine Umwelt „ganz intensiv".

Auf der Autobahn geht das nicht. Ein einziges Mal will der 63-Jährige eine Strecke dort abkürzen. Sogar die Lkw fahren ihm dicht auf und drängeln. „Nie wieder", steht für den Hägeraner fest. Seine Tagesreichweite im J 7 ist seitdem auf 250 Kilometer begrenzt, weil er keine Lust hat, länger als vier bis fünf Stunden hinter dem Steuer zu sitzen. Scheint die Sonne, darf Wolfgang Lamek sogar mit offener Fahrerschiebetür fahren.

Vom Typ des Peugeot-Transporters J7 sind sehr viele Exemplare gebaut worde. Das Wohnmobil wurde aber genau nach den Wünschen der Erstbesitzer ausgebaut und ist deshalb in dieser Form ein Unikat. - © Detlef Hans Serowy, HK
Vom Typ des Peugeot-Transporters J7 sind sehr viele Exemplare gebaut worde. Das Wohnmobil wurde aber genau nach den Wünschen der Erstbesitzer ausgebaut und ist deshalb in dieser Form ein Unikat. (© Detlef Hans Serowy, HK)

Das ist nur eine der Besonderheiten des Wohnmobils vom Baujahr 1976. Doch von all dem weiß sein heutiger Eigentümer 2008 noch nichts. „Meine Frau Iris Menzel und ich waren früher viel mit dem Zelt unterwegs, und dazu hatte ich keine Lust mehr." Ein einfaches Wohnmobil soll her, aber die Recherche verläuft zäh. „Was ich gefunden habe, wollte ich nicht."

Auf einer Internetplattform entdeckt

Auf einer Internetplattform entdeckt Wolfgang Lamek schließlich den J 7 und fährt nach Limburg an der Lahn. Dort steht das Wohnmobil bei einer freien Kfz-Werkstatt für 6.000 Euro zum Verkauf. „Der Inhaber hatte es sich selbst gekauft und später festgestellt, dass nur zwei Schlafplätze vorhanden sind." Davon profitiert der Hägeraner. Er hat von Autos zwar „keine Ahnung", kauft den Wagen aber trotzdem.

Damit ist der Oldtimer erst in dritter Hand. „Ein Ehepaar aus Bayern hat ihn sich in Paris nach seinen Vorstellungen ausbauen lassen und ist damit einmal im Jahr nach Österreich in den Urlaub gefahren." Das erklärt auch die niedrige Laufleistung von 73.000 Kilometern. Der individuelle Ausbau macht den J 7 auch zum Unikat. „Den gibt es so nicht noch einmal", weiß Wolfgang Lamek.

Schritt für Schritt fuchst sich der 63-Jährige in die Technik seines Wohnmobils hinein. Ein Frontmotor mit 1,6 Litern Hubraum und 54 PS treibt das unbeladen zwei Tonnen schwere Fahrzeug an. Rund zehn Liter Benzin verbraucht das Wohnmobil auf 100 Kilometern. Drei Werkstätten schrauben für den Hägeraner daran, „je nachdem, welches Problem ich habe".

"Deiner hat Charakter"

Markante Stilelemente: Wolfgang Lamek liebt die Details seines Wohnmobils. Zwar sind vom Peugeot-Transporter viele Exemplare gebaut worden. Doch durch individuelle Ausbauten durch die Erstbesitzer fährt es in dieser Form kein zweites Mal auf der Welt. - © Detlef Hans Serowy, HK
Markante Stilelemente: Wolfgang Lamek liebt die Details seines Wohnmobils. Zwar sind vom Peugeot-Transporter viele Exemplare gebaut worden. Doch durch individuelle Ausbauten durch die Erstbesitzer fährt es in dieser Form kein zweites Mal auf der Welt. (© Detlef Hans Serowy, HK)

Viele Probleme hat er aber nicht. Fensterdichtungen müssen erneuert und etwas Rost beseitigt werden. Rund 3.500 Euro steckt Wolfgang Lamek im Lauf der Jahre in den Wagen. Das Fenster über der Küchenzeile lässt er mit Holz einfassen. „Jetzt habe ich damit für immer Ruhe." Rund 2.000 Kilometer fährt der Hägeraner damit pro Jahr. Meist allein. „Meine Frau hat keinen Spaß daran."

Lamek selbst hat dagegen umso mehr Freude an seinem Entschleunigungsmittel. Einmal steht er auf einem Campingplatz „neben einem Wohnmobil für eine halbe Million Euro". Das Paar stammt aus dem Ruhrgebiet und man kommt ins Gespräch. „Meiner hat an Ausstattung einfach alles", sagt der Mann und fügt hinzu: „Deiner hat Charakter." Lamek strahlt.

Neben dem vierflammigen Gasherd, einem Kühlschrank, Beleuchtung und Ausstellfenstern kann der J 7 tatsächlich mit sehr guter Verarbeitung und geschmackvollen Details punkten. Eine Designleuchte mit Kippschalter oder Ornamentarbeiten auf den Türen der Stauräume zeugen ebenso von Stil wie die hellen Polster und der gleichfarbige Teppichboden. Ein Unikat eben.

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