WertherZirkus ohne Zelt: Zwei Wertheraner sind als Straßenartisten weltweit unterwegs

Uwe Pollmeier

Glupo Group Astrid Schöne und Albert Wittbrock 2018 - © Uwe Pollmeier
Glupo Group Astrid Schöne und Albert Wittbrock 2018 © Uwe Pollmeier

Werther. Emma steht wie angewurzelt auf der Bahnhofstraße, während einige Keulen vor und hinter ihrem Kopf hin- und herfliegen. Geschützt ist die neunjährige Besucherin des Stadtfestes Haller Willem lediglich durch einen fragwürdigen Helm, geformt aus einem länglichen rosafarbenen Luftballon. Vermutlich fragt sie sich gerade, ob sie den beiden Artisten im gelb-grünen Satinkostüm vertrauen kann.

Alles geht gut, die Keulen halten ausreichend Abstand zum Kopf und spätestens, wenn Emma diesen Artikel liest, dürfte ihr klar sein, dass sie kürzlich Komparsin zweier top ausgebildeter Straßenkünstler gewesen ist. Denn hinter dem Künstlernamen Glupo-Group verbergen sich Astrid Schöne und Albert Wittbrock, die seit einem Jahr in Werther leben und bereits seit rund fünf Jahren Stammgast beim Haller Stadtfest sind.

Beruflich und privat zusammengefunden

Hoch hinaus: Die Glupo-Group alias Astrid Schöne und Albert Wittbrock versteht ihr Handwerk. Die beiden sind längst schon Stammgäste beim Haller Willem. - © Foto: Uwe Pollmeier
Hoch hinaus: Die Glupo-Group alias Astrid Schöne und Albert Wittbrock versteht ihr Handwerk. Die beiden sind längst schon Stammgäste beim Haller Willem. (© Foto: Uwe Pollmeier)

„In den vergangnen Jahren waren wir als Inge und Albert mit dem verrückten Trabi da, zuvor schon mal als Stelzenläufer und mit den Riesenkinderwagen", erzählt Albert Wittbrock kurz vor dem diesjährigen Einsatz im Warteraum des Haller Rathauses. Neben ihm sitzt Astrid Schöne, seit 27 Jahren seine berufliche und seit kaum weniger Jahren auch seine private Partnerin. „Wir haben uns während des Studiums an der Universität Bielefeld kennengelernt", sagt Schöne, die gebürtig aus Rostock kommt und mehrfache DDR-Meisterin der Sportakrobatik ist. Albert Wittbrocks Geburtsstadt ist Paderborn und somit ist er selbst Bestandteil dieses ostwestfälischen Völkchens, das trotz Rüdiger Hoffmann, Ingo Oschmann oder Abdelkarim nach wie vor als äußerst zurückhaltende und zum Lächeln gern in den Keller gehende Spezies gilt.

„Man muss den Ostwestfalen erst einmal direkt ansprechen, dann läuft es auch ganz gut", bricht Wittbrock eine Lanze für seine Landsleute. Allerdings gebe es schon Unterschiede bei den Menschen. So sei es etwa kürzlich beim Auftritt in einer mittelgroßen Stadt am Rande des Sauerlands „etwas schwieriger" gewesen, wie Astrid Schöne gesteht.

Da die beiden Artisten auch ab und zu im Ausland unterwegs sind, wissen sie inzwischen, wie die Japaner humormäßigticken. „Ich war beim ersten Mal ganz überrascht. Die Japaner sind sehr begeisterungsfähig und lachen fünf Mal über denselben Witz", sagt Albert Wittbrock.

Insgesamt haben die beiden Wertheraner pro Jahr rund 100 Auftritte auf Stadtfesten, Firmenjubiläen oder auch mit speziellen Kinderprogrammen. „Meistens sind wir am Wochenende unterwegs, so dass wir das Berufliche mit dem normalen Leben vor Ort gut vereinbaren können", sagt Astrid Schöne. Dieses Ziel haben sie beibehalten, auch wenn die beiden Söhne mit 16 und 26 Jahren aus dem Gröbsten raus sind.

Glupo Group Astrid Schöne und Albert Wittbrock 2018 - © Uwe Pollmeier
Glupo Group Astrid Schöne und Albert Wittbrock 2018 (© Uwe Pollmeier)

„Wir haben wirklich unser Hobby zum Beruf gemacht", sagt Albert Wittbrock, der ebenso wie seine Partnerin auch als Zirkuspä-dagoge arbeitet. Die offizielle Berufsbezeichnung der beiden Vollblutartisten ist behördenkonform »freischaffende Künstler im darstellenden Bereich«.

Er hat seinen Bereich eher in der Jonglage, sie in der Akrobatik, aber oftmals verwischen diese Grenzen auch. Schaut man auf Repertoire und Rollen, welche die beiden einnehmen können, glaubt man kaum, dass es sich um ein Zwei-Personen-Unternehmen handelt. Um potenzielle Kunden nicht gänzlich zu verwirren, haben die zwei sich drei Künstlernamen zugelegt: Als »Schlickenspitz« bieten sie das Kinderprogramm an, als »Duo Agil« treten sie mit artistischen Darbietungen bei Firmenjubiläen auf und zur »Glupo-Group« gehören sie, wenn sie als Walkact durch Stadtfeststraßen ziehen. „Wir ändern aber auch immer wieder unsere Inhalte. Einige Dinge gehen auch nicht mehr so gut, wie vor 20 Jahren", sagt Albert Wittbrock und spielt damit auf die eigenen körperlichen Fähigkeiten an. „Wir sind beide 49 Jahre alt, allerdings jeweils und nicht zusammen", sagt Wittbrock.

Damit sind sie aber altersmäßig noch weit entfernt von der Personengruppe, an der man sich humormäßig schon mal so richtig die Zähne ausbeißen kann. „Die Gruppe der über 70-Jährigen ist schwer zu begeistern", sagt Wittbrock. Sie seien zunächst einmal stets sehr skeptisch. „Und dann sind da natürlich noch die Jugendlichen", ergänzt Schöne. Die seien halt sehr speziell und würden die Künstler auf der Straße oft bewusst oder unbewusst gar nicht wahrnehmen.

Aber was ist eigentlich, wenn man selbst einmal nicht gut drauf ist und einem eigentlich so gar nicht der Sinn danach steht, andere zu bespaßen? „Das gibt es eigentlich nicht. Es ist ein Handwerk, wie bei Schauspielern", sagt Albert Wittbrock. Man müsse einfach den Schalter umlegen und dann laufe es wie von selbst. „Ein Kostüm ist allerdings oftmals hilfreich, um in eine bestimmte Rolle zu schlüpfen", verraten die beiden.

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