Darum reist dieses Versmolder Ehepaar mit 17 Feuerwehrhelmen

Ursula und Wolfgang Heß bereisen mit dem Wohnmobil zwei Monate das Baltikum. Anfangs müssen sie um die Tour durch Lettland, Litauen und Estland bangen.

Rita Sprick

Die Europakarte auf dem Wohnmobil fährt immer mit. Wolfgang Heß zeigt auf seinen Heimatort und Ehefrau Ursula Heß hat den Finger am Ankunftsort, die Hafenstadt Liepaja in Lettland. - © Rita Sprick, HK
Die Europakarte auf dem Wohnmobil fährt immer mit. Wolfgang Heß zeigt auf seinen Heimatort und Ehefrau Ursula Heß hat den Finger am Ankunftsort, die Hafenstadt Liepaja in Lettland. (© Rita Sprick, HK)

Versmold. „Es war wunderschön. Wir könnten schon morgen wieder hinfahren", geraten Ursula und Wolfgang Heß ins Schwärmen, als sie sich Fotos von ihrer Reise mit dem Wohnmobil durchs Baltikum anschauen. Gemeinsam haben sie mit dem Handy und dem Fotoapparat unzählige Motive von unberührten Naturparadiesen, sagenumwobenen Kleinoden, schmucken Städten, historische Bauten und von Begegnungen mit Einheimischen festgehalten.

Beide führten zudem ein Reisetagebuch, in das sie Fahrstrecken, beeindruckende Stationen und die schönsten Momente in Lettland, Litauen und Estland festhielten. Es war bereits die zweite Reise der Peckeloher, die nun insgesamt 16.700 Kilometer durch die einst sowjetisch besetzten Länder fuhren.

"Wir möchten die Freiheit genießen"

Vor zwei Jahren schaffte sich das Ehepaar das Zuhause auf vier Rädern an. Das Wohnmobil ist 7,30 Meter lang und 150 PS stark. „Wir wollten als Rentner unabhängig und flexibel sein. Wir möchten die Freiheit genießen und der Natur nah sein. So brauchen wir kein Hotel suchen und können an schönen Orten halten", begründet das Ehepaar die Entscheidung.

Reisen mit Wohnmobil oder Wohnwagen haben derzeit Hochkonjunktur. Vermutlich auch ein Resultat der Coronakrise. „Wir haben lange gebangt, ob wir wegen Corona überhaupt losfahren konnten", sagt Wolfgang Heß. Aber dann verlief die Tour problem- und pannenlos. Natürlich unter Einhaltung der geltenden hygienischen Sicherheitsmaßnahmen, aber ohne Quarantäne bei der Hin- und Rückreise.

Der Berg der Kreuze östlich der Fernstraße nach Riga ist ein katholischer Wallfahrtsort mit bewegter Geschichte. - © privat
Der Berg der Kreuze östlich der Fernstraße nach Riga ist ein katholischer Wallfahrtsort mit bewegter Geschichte. (© privat)

17 Kilometer am Stück über Schotter

Am 12. Juli starteten die Peckeloher abends zu ihrer Tour mit der Fähre ab Travemünde. 27 Stunden dauerte die Überfahrt bis zum lettischen Ostseehafen Liepaja in Lettland. Im Wohnmobil verstaut hatte das Ehepaar 17 Feuerwehrhelme für die Feuerwehr in Borgholzhausens Partnerstadt Naukseni. Das Ehepaar Heß unternahm später noch eine Rundreise mit einer Abordnung aus der Lebkuchenstadt, die zu der Zeit in Lettland weilte. Für Heß’ war jedoch die erste Station die lettische Ostseehafenstadt morgens um 3.30 Uhr.

Von dort steuerte Wolfgang Heß den im Gauja Nationalpark gelegenen Campingplatz an. „Es gibt dort einen einzigartigen Nationalpark mit riesigen Bäumen. Für den Umfang braucht man zwei bis drei Leute", beschreibt Wolfgang Heß die prächtigen Stämme. Für Wohnmobilstellplätze mussten zwischen 14 und 20 Euro pro Nacht bezahlt werden. Die Waschräume waren modern und sauber. Fast alle hatten WLAN. Viele Orte wie das Künstlerstädtchen Klypeda und Vilnus erkundete das Ehepaar auch mit dem Fahrrad.

Bedenken hatte der gelernten Kraftfahrzeugmeister an der einen oder anderen Stelle beim Fahrbahnbelag. „Wir sind einmal 17 Kilometer nur über Schotterbelag gefahren", beschreibt er eine Route im ländlichen Gebiet. Das Wohnmobil hat das gut weggesteckt.

Um die Gutmannshöhle im lettischen Sigulda am Ufer der Gauja ranken sich allerlei Geschichten und Legenden. - © privat
Um die Gutmannshöhle im lettischen Sigulda am Ufer der Gauja ranken sich allerlei Geschichten und Legenden. (© privat)

Eine Kirche als Kino und Sporthalle

„Wir haben überall freundliche Menschen getroffen. Viele von ihnen sprachen Deutsch und sie zeigten uns besondere Ort", erzählt Ursula Heß, die sich zum Beispiel gern an die Begegnung mit dem der Liebe wegen aus Schloß Holte-Stukenbrock ausgewanderten Wolfgang Hesse erinnert. Beeindruckt war sie auch von der Stadtgeschichte Kuldigas, die einst durch die Streichholz-und Nähnadelfabrik zu Wohlstand kam. Interessant fanden beide die Historie der Marienkathedrale St. Nikolaus in Liepaja. Die wurde als Gotteshaus, aber einst unter sowjetischer Besatzung auch als Kino und Sporthalle genutzt. Bewegend war für das Ehepaar der Besuch am Berg der Kreuze. Sie wurden unter sowjetischer Besatzung mehrfach von der Armee beseitigt. Aber danach stellte die Bevölkerung noch mehr im heutigen katholischen Wallfahrtsort an der Fernstraße nach Riga auf.

Unvergessen bleibt beiden der Besuch der heidnischen Kultstätten sowie der Anblick des breitesten Wasserfalls Europas am Fluss Venta im lettischen Kuldiga, die sagenumwobene Gutmanns-Höhle in Sigulda am Ufer der Gauja und die einst geteilte Stadt Valja. „Eine Seite gehörte zu Estland, die andere zu Lettland. Heute ist alles frei, aber es gibt zwei Marktplätze", beschreibt Heß.

Beim Erzählen und Zeigen von Fotos ist ein Wunsch deutlich zu spüren: „Wir unternehmen bestimmt noch eine dritte Reise mit dem Wohnmobil ins Baltikum."

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