Viele Nichtwähler: Was sagt das über das Wahlergebnis aus? Ein Kommentar

Tasja Klusmeyer

Wahlabend 2020: Michael Meyer-Hermann wird erneut zum Bürgermeister gewählt. - © Tasja Klusmeyer, HK
Wahlabend 2020: Michael Meyer-Hermann wird erneut zum Bürgermeister gewählt. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. 60 bis 73 Prozent der Wähler*innen haben dem Amtsinhaber Michael Meyer-Hermann seine Stimme gegeben. Ein Sieg auf ganzer Linie, von dem der Bürgermeister selbst in dieser Deutlichkeit etwas überrascht zu sein scheint. HK-Redakteurin Tasja Klusmeyer kommentiert das Wahlergebnis:

"Überraschend ist der Sieg von Michael Meyer-Hermann nicht, auch nicht in dieser Höhe. Mit mehr als 65 Prozent hat Versmolds Verwaltungschef fast so viele Stimmanteile geholt wie sein Borgholzhausener Amtskollege Dirk Speckmann – nur, dass dieser ohne Konkurrenz war.

Meyer-Hermann kann für sich beanspruchen, Versmold in den vergangenen sechs Jahren solide geführt zu haben. Die Corona-Pandemie, in der er als souveräner Krisenmanager punktete, hat ihm als Amtsinhaber Vorteile verschafft. Große Schnitzer hat er sich in seiner Amtszeit nicht geleistet.
Sein alleiniger Verdienst, so konnte man zuletzt den Eindruck in der öffentlichen Präsenz gewinnen, sind die Entwicklungen allerdings nicht. Viele Projekte sind von einer breiten Mehrheit im Stadtrat auf den Weg gebracht worden; die Mitarbeiter in der Verwaltung tragen ihren Teil zur Umsetzung bei.

Nur jeder zweite Versmolder gab seine Stimme ab

Bürgermeister und die CDU müssen nun aufpassen, dass sie angesichts des Wahlerfolges nicht zum Höhenflug ansetzen und andere Fraktionen am Sitzungstisch als reine Statisten betrachten. Immerhin: Die CDU ist auf die Stimmen einer anderen Partei angewiesen, um ihre Ideen durchzubringen.

Alle gemeinsam sollten sie selbstkritisch auf eine Zahl schauen: die sinkende Wahlbeteiligung. Nur jeder zweite Versmolder gab seine Stimme ab. Bezogen auf alle Wahlberechtigten kommt Meyer-Hermann auf 33 Prozent Zustimmung. Über die Gründe der Nichtwähler kann nur gemutmaßt werden: Gleichgültigkeit? Desinteresse? Oder vielleicht das Gefühl, ohnehin von jenen am Sitzungstisch nicht gehört zu werden? Das sollte zu denken geben."

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