VersmoldKündigungen bei Nagel - Betriebsrat geht von "harten Verhandlungen" aus

Mit Transformationskurs hat der Logistiker Nagel seine Neuausrichtung überschrieben. In diesem Zuge streicht das Unternehmen nun 100 Stellen. Der Betriebsrat geht von „harten Verhandlungen“ aus

Marc Uthmann, Nicole Donath, Tasja Klusmeyer

Umstrukturierung: In der Zentralverwaltung an der Friedrich-Menzefricke-Straße sollen zirka 40 Stellen wegfallen. Welche genau, ist noch unklar. - © Tasja Klusmeyer, HK
Umstrukturierung: In der Zentralverwaltung an der Friedrich-Menzefricke-Straße sollen zirka 40 Stellen wegfallen. Welche genau, ist noch unklar. © Tasja Klusmeyer, HK

Versmold. Seit dem 1. Dezember ist Carsten Taucke neuer CEO des europaweit agierenden Lebensmittellogistikers. Und er scheint zusammen mit den Geschäftsführenden Direktoren bei der Umsetzung des bereits Anfang 2018 gestarteten „Modernisierungskurses" aufs Tempo zu drücken. Die Maßnahme, die der Konzern per Pressemitteilung bekanntgab, bedeutet zunächst einmal Einschnitte für die Belegschaft.

Rund 100 Stellen sollen europaweit an diversen Standorten abgebaut werden – angesichts von 12.000 Mitarbeitern insgesamt eine vergleichsweise geringe Zahl. Aus Versmolder Sicht aber nicht unerheblich: Zirka 40 Stellen im Headquarter an der Friedrich-Menzefricke-Straße sollen wegfallen – das dürfte einer jährlichen Einsparung von rund 3,5 Millionen Euro entsprechen. In der Verwaltung am Stammsitz sind etwa 550 Personen beschäftigt. „Der Abbau von Arbeitsplätzen ist mit Blick auf die Mitarbeiter eine sehr schwierige Entscheidung gewesen", sagt Carsten Taucke. Die Neuausrichtung sei aber „dringend geboten, um den langfristigen Erfolg der Nagel-Group sicherzustellen", antwortete er auf die Frage, warum man den eingeschlagenen Kurs nun ändere.

CEO der Nagel-Group, Carsten Taucke. - © ANDRE ZELCK
CEO der Nagel-Group, Carsten Taucke. (© ANDRE ZELCK)

Die Einschnitte betreffen kaufmännische Mitarbeiter aus allen Bereichen, teilt das Unternehmen auf Nachfrage weiter mit. Management und Betriebsrat würden nun gemeinsam ausarbeiten, wie der Personalabbau konkret aussieht. „Da dieser Prozess noch andauert, kann aktuell keine Auskunft über die abschließende Verteilung gegeben werden", so Unternehmenssprecher Nils Ortmann. „Um den Mitarbeitern schnell Klarheit über die weitere Entwicklung und ihre Perspektive zu geben, ist die Nagel-Group bestrebt, den personellen Umbau bis Ende März abzuschließen." Schon jetzt steht fest, dass es auch betriebsbedingte Kündigungen geben wird.

Tiefgreifender Umbau des Unternehmens

Von einer „schmerzlichen Herausforderung" spricht Nils Ortmann. Sie sei aber alternativlos: „Dieser Neustart zielt auf einen tiefgreifenden Umbau des Unternehmens und damit einhergehend eine spürbare Verschlankung der Verwaltung." Der sich stetig ändernde Markt und die zugespitzte Wettbewerbssituation erzwängen ein Umdenken bisheriger Strukturen. Ausdrücklich will das Unternehmen die Modernisierung nicht als Sparprogramm verstanden wissen, sondern als „vollumfängliche Neuausrichtung, bei der die Nagel-Group massiv in die Zukunft investiert". Carsten Taucke verweist auf die Gründung der Fahrer-Akademie sowie Investition in Digitalisierung und Technik.

Die Geschäftsführung hat beim Konzernumbau offenbar schon gehandelt, so sind nach HK-Informationen der Leiter der Unternehmensentwicklung sowie der Chef des Komplettladegeschäftes entlassen worden. Über die Pläne zum Stellenabbau wurden die Mitarbeiter am Mittwoch offenbar per Rundschreiben informiert, für viele kamen die Nachrichten überraschend. Man werde sich zeitnah mit den Betroffenen in Verbindung setzen, hieß es – was in der Belegschaft offenbar für große Verunsicherung sorgte.

Der Betriebsrat will die Pläne genau prüfen: „Wir sind mündlich erstmals am 1. Februar informiert worden, seit Freitag liegt uns ein Entwurf zur Restrukturierung vor", sagt Ulrich Harbert, Betriebsratsvorsitzender am Standort Versmold, auf Anfrage des HK. Noch sei man keinesfalls vollumfänglich informiert worden, betont Harbert.

„Das ist für Nagel eine neue Vorgehensweise"

Zur Begründung des Unternehmens, man wolle sich neu ausrichten, gibt es eine Vorgeschichte. Erst 2016 war der Standort Versmold neu strukturiert worden, und zwar in drei strategische Einheiten: das »Corporate Headquarter«, das »Headquarter Deutschland« sowie das »International Business Service Center«. Damit sollte die Europäisierung des Konzerns forciert werden – das Personal in Versmold wuchs seit 2014 von 480 auf nun gut 550 Mitarbeiter in der Verwaltung am Stammsitz. „Im Rahmen der Neuorganisation ist vereinbart worden, dass es bis Dezember 2018 keine betriebsbedingten Kündigungen in Versmold gibt", erklärt Harbert. Diese Frist ist nun abgelaufen, zudem ist Carsten Taucke als Chef neu an Bord. „Wir haben den Eindruck, dass die strukturellen Änderungen nun wieder zurückgedreht werden sollen", sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Seit knapp 30 Jahren ist Ulrich Harbert bei Nagel, seit fünf Jahren Vorsitzender des Betriebsrates. „Dass die Geschäftsführung mit betriebsbedingten Kündigungen agiert, um das Unternehmen neu aufzustellen, ist zumindest bei der Nagel-Group eine neue Vorgehensweise", betont er. Zumal die Aussage, man fahre keinen Sparkurs, nicht so recht dazu passe, wie man agiere. Dass der Vorstand das Konzept möglichst noch im März verabschieden will, habe Gründe. „Dann könnten auch die Kündigungen langjähriger Mitarbeiter noch 2019 wirksam werden", sagt der Sprecher des Betriebsrates. Dieses Tempo will er jedoch nicht mitgehen. „Was die Beteiligung angeht, liegt noch viel Arbeit vor uns." Zunächst einmal werde der elfköpfige Betriebsrat am Dienstag tagen. „Dann werden wir eine Position finden und diese der Geschäftsführung mitteilen", sagt Ulrich Harbert.

Er geht von harten Verhandlungen über den Interessenausgleich und einen Sozialplan aus. „Denn uns geht es ja nicht schlecht. Gerade erst wurde uns mitgeteilt, das Unternehmen habe 2018 einen weiteren Schritt nach vorne gemacht." Worte, an denen der 63-Jährige und seine Mitstreiter den Vorstand messen wollen.