Schild beschmiert: 1.000 Blitzerfotos ungültig

Weil Unbekannte das Tempo-50-Schild an der Osnabrücker Straße zweimal mit Farbe beschmierten, kann das Ordnungsamt viele Temposünder nicht belangen.

Jens Reichenbach

Vom Samstag, 12. September, bis Freitag, 18. September, stand Blitzer Bernhard an der Osnabrücker Straße, wo wegen der Baustellenausfahrt zum Quelle-See maximal 50 km/h erlaubt sind. Rund 2.500 Tempoverstöße stellte er dort fest. Foto: Jens Reichenbach - © Jens Reichenbach
Vom Samstag, 12. September, bis Freitag, 18. September, stand Blitzer Bernhard an der Osnabrücker Straße, wo wegen der Baustellenausfahrt zum Quelle-See maximal 50 km/h erlaubt sind. Rund 2.500 Tempoverstöße stellte er dort fest. Foto: Jens Reichenbach (© Jens Reichenbach)

Steinhagen/Bielefeld. Die Kritik an den Blitzer-Messungen auf Höhe des Quelle-Sees an der Osnabrücker Straße (ehemalige B 68) war groß. In den sozialen Medien war von Abzocke die Rede. Steinhagenener, die täglich nach Bielefeld pendeln, schimpften auf die Kontrolle. Auch ein Anwohner kritisierte, dass die Geschwindigkeitsreduzierung an der Stelle nicht nötig ist.

Doch es gab nicht nur wörtliche Kritik. Unbekannte haben während der jüngsten Messungen von Blitzer Bernhard gleich zwei Mal das entscheidende Tempo-50-Schild, das in Fahrtrichtung Quelle einige Meter vor dem Blitzer stand, schwarz übermalt. Die Folge: Ein großer Teil der 2.500 Tempoverstöße wird jetzt kein Bußgeld zur Folge haben.

Mehrere Autofahrer dokumentierten das mit schwarzer Farbe besprühte Verkehrsschild an der Osnabrücker Straße. Foto: NW - © NW
Mehrere Autofahrer dokumentierten das mit schwarzer Farbe besprühte Verkehrsschild an der Osnabrücker Straße. Foto: NW (© NW)

„Wir müssen ungefähr 1.000 Vorgänge löschen", bestätigte Norman Rosenland, Leiter des Geschäftsbereichs Verkehrsordnungswidrigkeiten beim Ordnungsamt Bielefeld. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes überprüfen die Beschilderung an den Messstellen regelmäßig, jedoch sei es nicht rund um die Uhr möglich. Weil für zwei „nicht unerhebliche Zeiträume" nicht ausgeschlossen war, dass die Autofahrer das Tempolimit in Richtung Bielefeld-Quelle nicht richtig erkennen konnten, blieb dem Amt nichts anderes übrig, als die Bescheide in der fraglichen Zeit einzustampfen.

Blöd für die Täter: Diese Auswirkung gilt für die Zeit nach der Farbattacke

Blöd für die Täter: Diese Auswirkung gilt für die Zeit nach der Farbattacke, nicht davor. Denn es ist erfahrungsgemäß davon auszugehen, dass der Schmierer zuerst geblitzt wurde und nachträglich – quasi als Racheakt – zu einer Lacksprühdose griff.

Aufgestellt wurde Blitzer Bernhard an der Osnabrücker Straße (Höhe Zweischlingen/ Quelle-See) am Samstag, 12. September, um 17.30 Uhr. Um diese Uhrzeit war die Beschilderung einwandfrei, betont Rosenland. Das prüft und dokumentiert der Mitarbeiter, der den Blitzer aufstellt, immer automatisch.

Schon am Sonntag um 11 Uhr meldete ein Mitarbeiter aber das beschmierte Schild in Fahrtrichtung Quelle. Es wurde am Montagmorgen, 14. September, um 9 Uhr gereinigt. Bei der nächsten Kontrolle am Donnerstag, 17. September, um 9 Uhr war die Beschilderung immer noch einwandfrei. Das bedeutet, Temposünder haben bei Verstößen zwischen Montag- und Donnerstagmorgen auf jeden Fall mit Post zu rechnen.

Allerdings: Am Donnerstagnachmittag wurde das Schild dann ein zweites Mal beschmiert. Wieder ist das Verkehrszeichen in Richtung Quelle betroffen. Bis Blitzer Bernhard am Freitag, 18. September, abgeholt wird, blieb die Situation unverändert. Die letzten Messungen landen damit im Papierkorb.

Die Beschilderung in Richtung Steinhagen blieb übrigens in der ganzen Zeit unangetastet, sagt Rosenland. Denn Blitzer Bernhard blitzte in beide Richtungen.

Laut dem Leiter der Bußgeldstelle gab es noch keinen vergleichbaren Fall. Zwar hatte im Juni 2019 – ebenfalls in Quelle – ein „besonders cleverer Täter" versucht, mit einem gestohlenen Zusatzschild an der Carl-Severing-Straße die Gültigkeit der dauerhaften 30er-Zone auf Werktage zwischen 7.30 und 16.30 Uhr zu ändern. Doch das gelang ihm erst nach dem Abtransport des Blitzers. Das Ordnungsamt hatte entsprechende Beweisfotos. Für die Bußgelder hatte es damals keinerlei Einfluss.

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