Mit Video von der Sprengung: Bombenfund in der Volksbank

Jonas Damme

Möglicherweise wird in der Kiste gerade die Bombe abtransportiert. Das LKA hüllt sich zu Details in Schweigen.
Möglicherweise wird in der Kiste gerade die Bombe abtransportiert. Das LKA hüllt sich zu Details in Schweigen.

Steinhagen. Als die Volksbankmitarbeiter am Dienstagmorgen an ihren Arbeitsplatz kommen, ist ein Geldautomat aufgebrochen. Schnell zeigt sich, dass in dem Gerät neben der üblichen Technik ein kleiner Gegenstand angebracht ist, etwa in der Größe einer Zigarrenkiste. Aus dem Kasten ragen zwei Drähte.

Die Volksbank verständigt die Polizei, die Haller Beamten ziehen die Kollegen aus Gütersloh und schließlich das Landeskriminalamt aus Düsseldorf hinzu. Der Verdacht: eine Bombe. Der Bereich um die Volksbank – Woerdener Straße, Am Pulverbach, Marktplatz – wird weiträumig gesperrt, das große Gebäude in dem sich noch weitere Firmen, die Apotheke am Markt und viele Wohnungen befinden, evakuiert. Insgesamt 33 Menschen müssen sofort ihre Wohnungen verlassen. Darunter auch eine bettlägerige alte Frau, die per Rettungswagen abtransportiert werden muss. Alle Evakuierten werden vorübergehend in der Feuerwache hinter dem Rathaus versorgt.

Schnellstmöglich sichtet die Polizei mit dem Sicherheitsberater der Volksbank die Aufnahmen der Überwachungskameras. Fazit: Gegen vier Uhr nachts betraten mehrere Männer den Schalterraum und schoben den Gegenstand in den Automaten. Dann verließen sie das Gebäude.

Sprengstoffexperten untersuchen den Kasten

Um kurz vor 12 Uhr mittags geht dann der angeforderte Sprengstoffexperte aus Düsseldorf an die Arbeit. Ein weißes Pulver wird gefunden und analysiert. Entwarnung: Es wurde offenbar von den Gebäudereinigern hinterlassen, hat nichts mit dem Geldautomaten zu tun.Trotzdem zeigt sich, dass der Kasten tatsächlich Sprengstoff enthält. Die Kabel dienen mutmaßlich dazu, ihn zu zünden. Immer wieder betritt der Entschärfer in schwerer Schutzausstattung allein den Schalterraum, trägt Spezialausrüstung hinein. Zwischendurch bespricht er sich mit den Kollegen, der Volksbank und der Feuerwehr. Ein Angriffstrupp des Löschzugs Steinhagen steht in voller Atemschutzausrüstung vor der Schiebetür bereit, sollte es zum Äußersten kommen.

Bombenverdacht in der Volksbank Steinhagen

Nach einer knappen Stunde hat der Bombenfachmann den verdächtigen Kasten schließlich entfernt. Weil es zu gefährlich ist, die Bombe über weitere Strecken zu transportieren, entscheidet er, sie zu sprengen. Dafür wird zusätzlich der Bereich Detert, nördlich der Autobahn, gesperrt. Kurz vor 15 Uhr zündet der LKA-Beamte dann seinen Sprengkörper, der wiederum die Volksbank-Bombe zündet. Der Knall ist weithin zu hören, verletzt wird niemand.

Die Ermittlungen zu der Frage, warum die Bombe im Automaten lag, dauern an. Möglicherweise sollte der Geldautomat nachts gesprengt werden, die Einbrecher könnten aber gestört worden sein. Immer wieder gehen kriminelle Banden Geldautomaten auf diese Weise an, oft indem sie Gas einleiten und zünden, manchmal aber auch mit Festsprengstoff. Mit Details zur Technik hält sich die Polizei wie üblich, „aus ermittlungstechnischen Gründen" zurück. Die Sperrungen auf Woerdener Straße und Am Pulverbach sorgen in Verbindung mit der Großbaustelle auf der Bahnhofstraße für Staus. Mehrere Stunden lang ist der Bereich rund um den Markt nicht zugänglich. Die Volksbank-Filiale bleibt den Tag über geschlossen.

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