Gronemeyer & Banck-Insovenz: "Es reicht nicht für die Löhne"

Insolvenzverwalter erklärt: Die meisten Mitarbeiter von »Gronemeyer & Banck« werden im Januar zur Arbeitsagentur gehen müssen

Jonas Damme

Zahlungsunfähig: Im Januar beginnt das Insolvenzverfahren von Gronemeyer & Banck. - © Frank Jasper
Zahlungsunfähig: Im Januar beginnt das Insolvenzverfahren von Gronemeyer & Banck. (© Frank Jasper)

Steinhagen. „Am Montag fand eine Betriebsversammlung statt", erklärt Hans-Peter Burghardt, Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter des traditionsreichen Behälter- und Tankproduzenten an der Waldbadstraße. „Dort haben wir die Stilllegung des Geschäftsbetriebes mitgeteilt. Auch wenn uns klar ist, dass das vor den Feiertagen unglücklich ist, war es leider nicht mehr möglich, mit dem Betrieb fortzufahren." Für einen Großteil der rund 100 Mitarbeiter bedeutet das, dass sie zum Jahresanfang „freigestellt" werden.

„Das Insolvenzverfahren wird Anfang Januar eröffnet", so Burghardt. Dann würden die Mitarbeiter freigestellt, außerdem würden der Interessenausgleich und ein Sozialplan erarbeitet. Erst dann folgten betriebsbedingte Kündigungen. „Die Insolvenzmasse reicht leider nicht mehr aus, um Löhne und Gehälter zu zahlen", so der Insolvenzverwalter von der Herforder Kanzlei Burghardt – Ernst – Bagh. Deswegen würden die Gekündigten Arbeitslosengeld von der Agentur für Arbeit beziehen. „Es soll auch versucht werden, einige Restaufträge mit letzten Mitarbeitern abzuwickeln", so der Anwalt.

Die Schuld für die Insolvenz sei aus seiner Sicht nicht primär bei der Leitung des Unternehmens zu suchen. Vielmehr seien in letzter Zeit mehrere Unternehmen der Branche in die Insolvenz gerutscht. „Das kann man nicht an singulären Dingen festmachen", so Burghardt. Es sei eher ein Indikator für die Situation der Branche. „Diese Firmen hängen brutal an der Investitionsgüterindustrie." Rückläufige Aufträge und ein harter Konkurrenzkampf auch innerhalb Deutschlands hätten finanzielle Probleme verursacht.

Dass das »Eigenverwaltungsverfahren« – mit dem im November versucht worden war, das Unternehmen in Eigenregie zu sanieren – scheiterte, überrascht den Insolvenzprofi aus Herford nicht.

Geschäftsführer war im November noch optimistischer

„Das ist der Regelfall. Die meisten Eigenverwaltungsverfahren scheitern." Damals hatte sich Geschäftsführer Ernst Friedrich Banck vom Fachmedium »Insolvenz-Portal« noch mit den Worten zitieren lassen: „Die Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld gesichert."

Die Gronemeyer & Banck GmbH & Co. KG konstruiert Stahl- und andere Behälter. Sie existiert bereits seit dem Jahr 1881. Besonders durch die Schwertransporte, zum Beispiel von 100 Tonnen schweren Wärmespeicherkesseln, wie sie zuletzt im Juli spektakulär über Ascheloh abtransportiert worden waren, machte das Unternehmen zuletzt Schlagzeilen. Das Spektrum von Gronemeyer & Banck umfasste unter anderem verschiedene Druckbehälter und Silos aus Stahl, die zur Lagerung von Öl, Abwasser oder auch Lebensmitteln verwendet werden. Die Behälter wurden einzeln nach Kundenwunsch geplant und gefertigt.

Ernst Friedrich Banck war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.

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