Kinderpornografie: Verdacht gegen vorbestraften Haller nicht belegbar

Amtsgericht: Ein 48-jähriger Mann aus Halle wird freigesprochen. Es bleiben viele Fragen

Herbert Gontek

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Halle. „Mein Mandant kennt diese Dateien nicht, der Computer wurde von drei Leuten gemeinschaftlich benutzt", stellte gestern die Anwältin eines 48-jährigen Mannes aus Halle fest. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen kinderpornografische Dateien besessen zu haben.

Ein 55-jähriger Kripobeamter berichtete, er sei bei der Durchsuchung dabei gewesen und habe den Fall bearbeitet. Bei der Aufarbeitung der Dateien habe er schließlich drei Bilder gefunden, die kinderpornografischen Charakter hatten.

PC gebraucht gekauft

Aufgefallen war der Datenaustausch zwischen dem Haller Rechner und einem bekannten amerikanischen Portal, weil die Transaktion von amerikanischen Ermittlungsbehörden aufgezeichnet und dem Bundeskriminalamt gemeldet wurde. Die Anwältin argumentierte: „Das Bild trug ein Datum, das ausschließt, dass mein Mandant es geladen hat. Denn er war zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit der Frau zusammen, der der Rechner gehört. Damit hatte er auch keinen Zugriff darauf." Zudem sei der PC gebraucht gekauft worden und werde ferngewartet.

Die 48-jährige Wohnungsinhaberin und PC-Besitzerin berichtete, ihr Ex habe das in seiner Firma ausrangierte Gerät erworben und mitgebracht. Von einem Nachbarn sei das Gerät neu konfiguriert und auch ferngewartet worden. Sie selbst habe keine Ahnung von der Technik. Der Angeklagte und neue Lebensgefährte hätte ab 2014 Zugriff auf das Gerät gehabt.

Viele Ungereimtheiten

Der 48-Jährige hat eine einschlägige Vorstrafe, war schon einmal wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischer Bilder verurteilt worden. Die Staatsanwältin hielt es für erwiesen, dass der Angeklagte die Bilder geladen hat und forderte 90 Tagessätze á 40 Euro. Die Anwältin sagte, es gebe so viele Ungereimtheiten, dass ihr Mandant nicht verurteilt werden könne. Einzig die lange zurückliegende einschlägige Verurteilung nähre diesen Verdacht.

Das Urteil kam nicht überraschend. Die Richterin sprach den Mann frei, sie argumentierte, man könne dem Angeklagten nicht zweifelsfrei nachweisen, dass er die Bilder geladen habe. Allein die einschlägige Vorbelastung reiche nicht aus.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.