Wie die Deponie in Halle zum Wohlfühlberg wird

Der einstige Müllberg im wohl geplagtesten Haller Ortsteil soll künftig zum Anziehungspunkt werden. Jetzt gibt es grünes Licht für den Förderantrag. Die kritischen Stimmen werden indes bleiben

Marc Uthmann

Schützenswerter Blick: Am Rand der ehemaligen Mülldeponie in Künsebeck soll zumindet im kleinen Rahmen ein Gebiet zur Naherholung entstehen. - © Uwe Pollmeier
Schützenswerter Blick: Am Rand der ehemaligen Mülldeponie in Künsebeck soll zumindet im kleinen Rahmen ein Gebiet zur Naherholung entstehen. (© Uwe Pollmeier)

Halle-Künsebeck. „Nun ist es amtlich", verkündet Regionalmanagerin Mareike Bußkamp auf Anfrage des Haller Kreisblattes. Der erweiterte Vorstand der LAG GT 8 hat das Projekt zur naturnahen Umnutzung der Deponie Künsebeck noch kurz vor Pfingsten beschlossen.

Das bedeutet, dass die Lokale Arbeitsgemeinschaft, in der acht heimische Kommunen, verschiedene Institutionen der Heimatpflege und der freien Wohlfahrtsverbände vertreten sind (LAG GT 8), bald 150.000 Euro aus dem Förderprogramm »VITAL« des Landes NRW abrufen will. Inklusive des Eigenanteils von 80.000 Euro der Projektträger stünden dann 230.000 Euro zur Verfügung, um im Bereich der ehemaligen Mülldeponie ein kleines Naherholungsgebiet entstehen zu lassen.

Regionalmanagerin Mareike Bußkamp koordiniert seit Oktober 2017 die Projekte der LAG, die mit bis zu 65 Prozent oder maximal 250.000 Euro gefördert werden; bei integrativen Konzepten sind es maximal 80 Prozent oder 350.000 Euro.

Detailplanung soll nach den Sommerferien starten

Von den vor Monaten schwer umstrittenen Plänen für ein Gebiet mit Event-Charakter ist in Künsebeck nicht mehr viel übrig geblieben. Gezielte Akzente sollen viel vom natürlichen Charakter des Geländes bewahren und nicht die Massen anlocken: ein beschilderter Rundwanderweg, eine Sitzbank, eine Vitrine mit Steinen aus dem Steinbruch zum Betrachten – viel mehr soll es nicht werden.

Nun sind die Partner am Zug, die vorliegende Projektskizze weiterzuentwickeln: die Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen Kreis Gütersloh (GEG), der Kreis selbst, die Stadt Halle, die Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) sowie die Arbeitsgruppe von Anwohnern. Nach den Sommerferien steht das nächste Treffen an, mit ihm beginnt die Detailplanung.

Bis Ende des Jahres wolle man den Antrag auf die Umnutzung der Deponie bei der Bezirksregierung Detmold stellen, sagt Mareike Bußkamp: „Denn Ziel ist es ja, dass wir im Frühjahr 2020 mit den Arbeiten anfangen." Und die müssten auch vom Projektträger ausgeschrieben werden – womöglich wird dies die Deponiebetreiberin GEG sein.

"Diese Deponie ist eines unserer Markenzeichen"

Für Friederike Hegemann von der IGKB ist der Beschluss eine gute Nachricht. Dabei ist ihr wohl bewusst, dass einige Künsebecker immer noch sehr kritisch auf das schauen, was am ehemaligen Müllberg passiert. Nicht zuletzt die weiterhin austretenden Deponiegase (das HK berichtete) treiben viele Menschen im zusätzlich durch Industrie und Autobahn stark belasteten Ortsteil um. „Es gibt zu Recht immer noch kritische Stimmen, und die muss man ernst nehmen. Kreis und GEG sollten diese Ängste auch kennen", sagt Hegemann. Als Privatperson könne sie das durchaus nachvollziehen. „Aber als Privatperson sage ich auch: Wenn wir die Chance auf eine naturnahe Nachnutzung der Deponie haben, dann sollten wir die ergreifen."

Es gebe nun einmal wenig Natur in der Nähe für die Künsebecker. „Man muss es nehmen, wie es ist: Diese Deponie ist eines unserer Markenzeichen und das sollten wir im kleinen Rahmen nutzen." Zumal der Blick von dort oben „traumhaft" sei. Dass Naturschützer wie Marion Ernsting von der GNU dafür plädierten, das Gebiet sich selbst zu überlassen, kann Friederike Hegemann zwar verstehen, betont aber: „Es ist wichtig, einen Mittelweg zu finden." Auch wenn es also noch keine Details gibt, steht heute schon fest: Dieses Thema wird die Künsebecker weiter bewegen.

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