Deponiegase: Gefährdung für die Wanderer in Künsebeck?

Uwe Pollmeier

Idyllisch, aber auch ungefährlich?: Die aus diesem Blickwinkel vor dem aktiven Steinbruch gelegene stillgelegte Mülldeponie soll ein Wanderparadies werden. - © Uwe Pollmeier
Idyllisch, aber auch ungefährlich?: Die aus diesem Blickwinkel vor dem aktiven Steinbruch gelegene stillgelegte Mülldeponie soll ein Wanderparadies werden. (© Uwe Pollmeier)
Ist gegen die Pläne: Marion Ernsting von der GNU. - © HK
Ist gegen die Pläne: Marion Ernsting von der GNU. (© HK)

Halle-Künsebeck. Eine beeindruckende Flora und Fauna, eine Sicht weit über die Stadt hinweg bis zu den Beckumer Zementwerken und eine Ruhe, die zum Entspannen einlädt – die stillgelegte Mülldeponie in Künsebeck wirkt auf dem ersten Blick wie ein kleines Naturparadies. Die Kreisverwaltung Gütersloh plant schon länger, das Gelände zukünftig für Besucher zu öffnen, damit diese sich dann frei über das gut zwölf Hektar große Areal bewegen können.

Allerdings gibt es auch eine Schattenseite bei diesem geplanten neuen Wanderparadies. Unter der Abdeckschicht schlummern 1,8 Millionen Tonnen Müll, die giftige Gase produzieren, die in geringen Mengen ungefiltert an die Oberfläche gelangen. Zudem wird noch für mehrere Jahrzehnte ein Mitarbeiter der Betreibergesellschaft GEG vor Ort sein, um den Gasaustritt, der überwiegend abgesaugt und dem Betrieb des Blockheizkraftwerks zugeleitet wird, zu kontrollieren. Er selbst hält das Gebiet für gefährlich. Eine Aussage, die seinen Job rechtfertigt, aber zugleich auch eine Frage aufwirft: Warum sollten sich an solch einem Ort ungehindert Bürger aufhalten?

Ist sehr skeptisch: Anwohner Hermann Künsemöller. - © Ekkehard Hufendiek
Ist sehr skeptisch: Anwohner Hermann Künsemöller. (© Ekkehard Hufendiek)

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Genehmigung für einen uneingeschränkten Zugang auf das Gelände geben wird", sagt Anwohner Hermann Künsemöller. Die anfangs geplante Großfläche mit Eventcharakter sei glücklicherweise vom Tisch. Für sie hätte er keinerlei Verständnis gezeigt. „Mit der aktuellen Variante kann man leben", gibt er sich kompromissbereit. Von Begeisterung ist aber auch in diesen Worten wenig zu spüren. Die geplanten Drehkreuze begrüße er jedoch, um zumindest Radfahrer vom Gelände fernzuhalten.

„Es ist und bleibt eine Deponie und kein Luftkurort"

„Solange die Gase abgepumpt werden, kann man dort auch rumlaufen." Eine unmittelbare Gefahr gebe es daher nicht, allerdings seien Deponiegase, die in erster Linie aus Methan bestehen, stets mit Vorsicht zu genießen. Sicher ist jedenfalls, dass sie in jedem Fall sehr klimaschädlich sind. Auch das in den Mengen, die an verschiedenen Stellen einfach so durch das Gestein und die nicht kontrolliert abgesaugt werden. Dass diese Absaugung und der damit verbundene Betrieb des Blockheizkraftwerks reibungslos funktionieren, darum kümmert sich derzeit ein GEG-Mitarbeiter. Und nach dessen Pensionierung in einigen Jahren wird, so viel steht jetzt schon fest, ein Kollege den Job übernehmen.

„Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man das ganze Gelände für die Öffentlichkeit freigibt", sagt Künsemöller. Er kenne im größeren Umkreis auch kein Projekt, bei dem eine Mülldeponie zum Wanderparadies wurde. Schließlich müsse man sich eins ganz klar vor Augen führen: „Das hier ist eine Deponie und kein Luftkurort".

Ein in der ersten Planung angedachter Grillplatz wäre für ihn unvorstellbar. „Das geht gar nicht", sagt Künsemöller. Aber auch wenn es diesen nicht geben wird, wird so mancher Besucher gerne seinen Grill samt Auflagen den Hügel hochschleppen und ihn an der Stelle mit der besten Aussicht platzieren. „Den besten Blick hat man vom höchsten Punkt, aber genau dort strömt das meiste Methangas aus, da es sehr leicht ist und nach oben steigt", sagt Künsemöller. Die Vorstellung, dass dort Methangas auf Grillflammen stößt, ist alles andere als beruhigend.

Gase sind gefährlich und gesundheitsschädlich"

Klare Gegnerin der zukünftigen Nutzungspläne ist Marion Ernsting von der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) im Kreis Gütersloh. „Man sollte das Gelände in Ruhe lassen, damit es sich von selbst entwickeln kann", sagt Ernsting. Die genaue Zusammensetzung der Gase sei zwar nicht bekannt, sicher sei aber, dass sie gefährlich und gesundheitsschädlich sind.

Für Kreissprecher Jan Focken gibt es keine Gefahr auf der Ex-Deponie. „Das Thema ist hinlänglich bekannt und wurde bereits ausführlich in den Workshops besprochen", sagt Focken. Das Vorhandensein von Deponiegasen sei in den Konzepten berücksichtigt worden. Die Bereiche, in denen das Gas nicht abgesaugt werde, seinen nicht Bestandteil des Konzepts. „Diese Bereiche liegen außerhalb", sagt Focken. Die Nachnutzung für die Öffentlichkeit beziehe sich ohnehin nicht auf das gesamte Deponiegelände. Die wenigen dennoch verbleibenden Stellen, an denen kontrolliert oder unkontrolliert Gas austrete, werden eingezäunt. „Dies aber nicht, weil es dort so gefährlich ist, sondern um die Abluftventile vor Vandalismus zu schützen.

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