Forscherin, Unternehmerin, Mutter: Das treibt Nicole Hollenbach-Biele an

Nicole Donath

Führt beruflich ein Doppelleben: Nicole Hollenbach-Biele forscht für die Bertelsmann-Stiftung und ist zugleich Inhaberin des Geschäftes »HollisBest« an der Haller Allestraße. - © Foto: Nicole Donath
Führt beruflich ein Doppelleben: Nicole Hollenbach-Biele forscht für die Bertelsmann-Stiftung und ist zugleich Inhaberin des Geschäftes »HollisBest« an der Haller Allestraße. (© Foto: Nicole Donath)

Halle. Es ist Dienstag und eigentlich hat »HollisBest« da geschlossen. Trotzdem ist im Tresenbereich gerade kein Durchkommen – überall schweben Gasluftballons an der Decke. Zahlen, Schultüten, Bonbons oder Kugeln in allen Farben des Regenbogens und manchmal sind sie sogar mit Namen versehen. Passend zum Schulbeginn hat Nicole Hollenbach-Biele auf Wunsch eine Sonderschicht eingelegt und den Renner unter den Geschenken in ihrem Geschäft abholbereit vorproduziert. Indes, Ballons mögen zwar der Frequenzbringer an der Alleestraße sein, trotzdem sind sie nur Teil des Sortiments.

Die 44-Jährige hat an dem großen Holztisch in der Mitte des Geschäftes etwas Platz gemacht, zwischen besonderen Heften und Stiften, Tassen und Stickern. Und während sie auf einem ihrer Buchstabenhocker sitzt, schaut sie in die Runde. „Ein solcher Laden war immer mein Traum“, sagt sie dann und lächelt. Ein Farbtupfer, eine Herzensangelegenheit, wie die Mutter eines sechsjährigen Sohnes erklärt.

Aber abgesehen davon, dass sie sich gerade ein halbes Jahr Auszeit vom Hauptjob nimmt, ein XS-Sabbatical sozusagen, hatte sie nach dem Abitur einen ganz anderen Karriereweg eingeschlagen: Deutsch, Englisch und Pädagogik auf Lehramt. „Ich habe in Bielefeld und Dänemark studiert“, erzählt Nicole Hollenbach-Biele. In der Zeit bis zum Examen nahm sie außerdem jede Menge Nebenjobs an: im Ticketcenter bei Gerry Weber, in den Buchhandlungen von Gesine Klack oder als freie Mitarbeiterin beim Haller Kreisblatt.

An Forschung zur Pisa-Studie im Jahr 2000 beteiligt

Nach dem Examen entschied sich die gebürtige Versmolderin dann gegen ein Referendariat und für die Forschung. „An der Laborschule in Bielefeld habe ich die Absolventenstudie betreut und bin der Frage nachgegangen, was mit jenen passiert, die die Schule verlassen. Ich habe mit Lehrkräften zu Unterrichtsinhalten geforscht und war an der Forschung zur Pisa-Studie im Jahr 2000 beteiligt – hierzu habe ich auch promoviert“, gibt die Geschäftsfrau einen Überblick über ihr wissenschaftliches Engagement. „Konkret ging es um die Frage, wie es sein kann, dass Jungen von ihrem Können in der Schule überzeugt sind und Mädchen nicht – die Leistungen aber etwas anderes spiegeln.“

Nicole Hollenbach-Biele forschte in Großbritannien, Dänemark und Österreich. Und schließlich durfte sie wählen. „Ich wäre auch gerne Lehrerin geworden, aber am Ende habe ich mich für die Bertelsmann-Stiftung entschieden.“ Seitdem arbeitete sie zu Themen wie Bildung, Schoolmonitoring, Inklusion oder Ganztagsausbau. Dann kam Lukas auf die Welt – und die junge Mutter setzte einen Punkt in ihrem Leben. Die Frage war: Wie soll es jetzt weitergehen?

Nun, die Arbeit bei der Stiftung ging weiter. Aber im Haus ihrer Familie wurde auch der Laden frei – und die Zeit für den beruflichen Herzenswunsch war gekommen. Praktisch als Ergänzung zu der intellektuellen Herausforderung: Am 15. August 2017 schloss sie die Tür auf, ganz ohne Brimborium.

Hinter jedem Produkt steckt eine kleine Geschichte

Das Angebot hier ist vielfältig, fein und besonders, hinter jedem Produkt steckt eine kleine Geschichte. „Ich könnte echt zu allen Designern etwas erzählen“, sagt Nicole Hollenbach-Biele und lacht. Das betrifft die Designerin des nachhaltigen Geschenkpapiers ebenso wie die Hersteller von Buchstabenhockern oder ausgefallenen Kerzen, Papeterie, Wunschkästchen, ökologischen Büchern, nordischen Porzellanmarken, Karten, Taschen und und und.

„Halle hat das Angebot toll angenommen, die Kunden haben eine lange Verweildauer und die Gespräche sind oft sehr persönlich.“ Ob »HollisBest« irgendwann die ganze Woche geöffnet hat? Eher nicht. Denn da gibt es ja auch noch die intellektuellen Stärken von Frau Doktor. Aber Sonderöffnungen zu Weihnachten könnten drin sein – personalisierte Weihnachtskugeln inklusive.

Info
Serie "Wir sind Halle"

Vor ein paar Jahren hatten wir in unserer Serie "Wir sind Halle" die Geschäftsinhaber(innen) der Stadt porträtiert und teilweise Erstaunliches herausgefunden: Der eine wollte eigentlich Fußballprofi bei Arminia werden, der andere Kapitän zur See – trotzdem blieben sie hier. Mittlerweile wurden viele neue Läden eröffnet. Und auch ihre Inhaber haben spannende Geschichten, die wir hier erzählen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.