Fall Obst: Ehemann bleibt in Haft

Nicole Donath

Polizei ermittelt im Mordfall Gabriele Obst. - © Foto: Nicole Donath
Polizei ermittelt im Mordfall Gabriele Obst. (© Foto: Nicole Donath)

Halle. Dieser Fall hatte nicht nur in Halle für Trauer und Entsetzen gesorgt: Im April 2013 war die Zeitungsbotin Gabriele Obst zunächst als vermisst gemeldet worden. Zehn Tage später fand man die Leiche der Mutter zweier erwachsener Kinder in einer Mulde unterhalb des Kammweges an der Großen Egge. Die 49-Jährige war durch einen Schuss in den Kopf getötet worden, auf ihrem Körper lag das Gewehr ihres Ehemannes.

Für die Ermittler der Mordkommission »Stein« mit Kriminalhauptkommissar Ralf Östermann an der Spitze war bald klar: Der Ehemann soll der Täter gewesen sein. Ihm wurde noch im selben Jahr der Prozess gemacht und im Oktober 2013 verurteilte ihn die I. Große Strafkammer des Landgerichts Bielefeld zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten wegen Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes. Damit schloss sich das Gericht den Ausführungen von Staatsanwalt Christoph Mackel an.

Seitdem sind über viereinhalb Jahre vergangen und der 78-Jährige hat – die fünf Monate Untersuchungshaft eingerechnet – mittlerweile mehr als zwei Drittel der Strafe verbüßt: Die erste Chance, dass das Gericht die Vollstreckung der verbleibenden Zeit zur Bewährung aussetzt. Voraussetzung: Die Gesamtwürdigung der Tat, die Persönlichkeit des Verurteilten und die Entwicklung während des Strafvollzugs lassen das zu.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte die Staatsanwaltschaft Bielefeld die Akte dem Gericht zur Prüfung vorgelegt. Dabei handelt es sich um einen Vorgang von Amts wegen; die Anklagebehörde ist also dazu verpflichtet. Doch nach HK-Informationen hatte der Verurteilte zu diesem Zeitpunkt noch gar keinen Antrag auf vorzeitige Entlassung gestellt. Stattdessen wurde nun im März dieses Jahres die Frage erörtert, ob der Haller die Justizvollzugsanstalt im Frühsommer verlassen darf.

Ein weiterer Antrag
ist später möglich

Wie Guiskard Eisenberg, Sprecher des Landgerichts Bielefeld, jetzt auf Anfrage erklärte, gab es bislang noch keine positive Entscheidung über eine vorzeitige Haftentlassung. Zu den Gründen mochte er sich nicht äußern. Lediglich so viel: Nach Einhaltung einer bestimmten Frist besteht für den 78-Jährigen erneut die Möglichkeit, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Immerhin wären es noch knapp zweieinhalb Jahre, die er hinter Gittern verbüßen müsste.

Während des Prozesses war es Rechtsanwalt Siegfried Kammel, der den Angeklagten vertreten und auf Freispruch plädiert hatte. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung hatte Kammel einem Wiederaufnahmeverfahren noch zuversichtlich entgegengesehen. Der Bielefelder Jurist hatte „Lücken in der Indizienkette" ausgemacht und befand auch das Urteil des Vorsitzenden Richters Wolfgang Korte als „lückenhaft".

Nachdem im Dezember 2013 die schriftliche Urteilsbegründung erfolgt war, nutzte er die einmonatige Frist, um seinen Revisionsantrag zu formulieren – ohne Erfolg. Nach nur zwei Monaten hatte der Bundesgerichtshof Karlsruhe seinerzeit den Antrag abgelehnt. Heute besteht das Mandat offenbar nicht mehr.

Der Ehemann hat immer bestritten, die Tat begangen zu haben. „Zur sicheren Überzeugung der Strafkammer" war es jedoch er, der seine Frau erschossen hat. „Andere Personen", so heißt es in der Urteilsbegründung des Vorsitzenden Richters Wolfgang Korte, „sind als Täter auszuschließen."

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